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Auf Konfliktkurs: Frauke Petry will Bernd Lucke nicht mehr in der AfD-Spitze haben.

Spalten oder retten?

AFD-Machtkampf: Am Rande der Selbstzerlegung

Berlin - Spalten oder retten? Über die Frage, was aus der AfD wird, äußerten sich ihre Führungsleute gestern an unterschiedlichen Orten. Der bizarre Machtkampf zwischen Bernd Lucke und Frauke Petry steuert auf einen Showdown auf dem Parteitag im Juni zu.

Die Zerrissenheit der Führung macht selbst die eigene Parteizentrale ratlos. Wer hat hier jetzt eigentlich das Sagen? Gestern ging es um den Zugang zum E-Mail-Verteiler mit den Daten aller Mitglieder. Parteichef Bernd Lucke wollte darauf zugreifen. Doch die beiden Ko-Vorsitzenden Frauke Petry und Konrad Adam legten ihr Veto ein. Kurz herrschte Konfusion, dann wurde der Zugriff kurzerhand für alle gesperrt. Funkstille.

Es ist eine Posse, wie sie demnächst noch öfter vorkommen könnte. Wer bestimmt den Kurs der Partei? Der rechtskonservative Flügel um Petry und Adam gegen die Liberal-Konservativen um Lucke – auf dem Parteitag am 13. Juni in Kassel wird der Machtkampf entschieden. Das Hakeln um die Gunst der Basis ist in vollem Gang.

Lucke lädt in Straßburg zur Pressekonferenz. Gemeinsam mit anderen Europaabgeordnete wie Hans-Olaf Henkel und Joachim Starbatty. wirbt er für seinen Verein „Weckruf 2015“. Es sei „ein Versuch, die AfD zu retten“, beteuert Lucke. „Wir sind keine Protest- und Wutbürger-Partei.“ Dahin sieht er sein Projekt abdriften. Die Partei müsse sich klar von rechtsradikalen Strömungen distanzieren, fordert Lucke. Auf einer neu eingerichteten Homepage wirbt er für eine Erneuerung ohne „Karrieristen, Intriganten und Vertreter der Neuen Rechten.“ Nach seinem Willen sollen bis zum Parteitag möglichst viele Mitglieder dem Verein beitreten. So will er seinen Führungsanspruch untermauern. Er habe aber keineswegs im Sinn, eine neue Partei zu gründen, beteuert er.

Das werfen ihm Adam und Petry vor. Die Ko-Chefin und sächsische Landesvorsitzende kämpft bei einer Pressekonferenz in Dresden um die Deutungshoheit. Luckes „Weckruf“ sei nicht geeignet, die Flügel zu vereinen und verunsichere nur die Mitglieder. Petry gilt als Wortführerin der Rechtskonservativen. Konrad Adam spottet über Lucke. Der Name „Weckruf“ erinnere ihn an die Zeugen Jehovas oder an die Heilsarmee mit ihren Zeitschriften wie ‘Erwachet’. Parteivize Alexander Gauland spricht von einem „innerparteilichen Kampfinstrument“.

Die Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber. Immer wieder versuchten Parteifunktionäre zu vermitteln. Alle Gesprächstermine platzten kurzfristig. Lucke bemüht sich nicht mehr um Kompromisse. Er will die Partei auf seine Linie zwingen – und glaubt einen Großteil der Basis auf seiner Seite zu haben.

Allerdings zweifeln auch Parteifreunde, die ihm eigentlich wohlgesonnen sind, offen an der Strategie. Er stehe weiterhin hinter Luckes Positionen, sagt der bayerische Landesvorsitzende Andre Wächter. Der Weckruf sei aber „das falsche Mittel“. Der bayerische Landesverband galt bislang als Lucke wohlgesinnt. Allerdings gibt es auch immer mehr Petry-Sympathisanten. Die Partei brauche beide, meint Wächter.

Dieser Meinung ist aber offenbar auch Petry nicht mehr. Lucke sei nach der Gründung des Weckruf-Vereins in der Parteispitze nicht mehr denkbar, meint sie gestern. Sie könne sich aber durchaus eine Zusammenarbeit mit Joachim Starbatty in einer Doppelspitze vorstellen. Eins scheint für sie zumindest festzustehen: Sie selbst wird am Ruder bleiben.

Von Til Huber

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