Hofreiter und Scholz: AfD nicht verteufeln

Kommentar: Die Bürger wollen Antworten

München - Wenn so unterschiedliche Politiker wie der SPD-Bundesvize Olaf Scholz und der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter unisono davor warnen, die AfD zu verteufeln, statt sich inhaltlich mit ihr auseinanderzusetzen, dann treffen sie exakt den Kern des Problems. Ein Kommentar von Lorenz von Stackelberg.

Empörungspegel im tiefroten Bereich, wie sie Politiker unterschiedlichster Couleur als Reaktion auf die Islam-Thesen des AfD-Parteitags produzierten, ändern nichts daran, dass die Partei Themen beackert, die Millionen auf den Nägeln brennen. Der Islam mag keine „demokratiefeindliche Ideologie“ sein; aber er ist eine Religion mit Ganzheits-, Überlegenheits- und Endsieg-Anspruch, die von einer beträchtlichen Anzahl Menschen in einer Weise (miss-)interpretiert wird, die mit unserer freiheitlichen Demokratie unvereinbar ist. Wer jenen Bürgern, denen das Angst macht, pauschal bescheinigt, sie hätten erstens keine Ahnung und seien zweitens latent ausländerfeindlich, braucht sich jedenfalls nicht zu wundern, wenn sie sich politischen Gruppierungen zuwenden, die ihre Anliegen augenscheinlich ernster nehmen.

Apropos: Die Merkel-CDU hat zwar quallenartig eine riesige Mitte okkupiert, bleibt aber immer mehr angestammten Wählern Anworten schuldig. Früher gab es in der Partei Namen, die Programm waren: Alfred Dregger, Roland Koch, Kurt Biedenkopf, Friedrich Merz. Und heute? An wen sollen sich denn, bitteschön, jene wenden, für die Familie immer noch zuerst aus Mann, Frau und Kind besteht? Die an der Eurorettungspolitik verzweifeln? Denen unsere Gesellschaft längst „bunt“ genug ist? Als Korrektiv wäre heute auch ein Franz Josef Strauß überfordert.

Rubriklistenbild: © Haag Klaus

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