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Alexander Gauland (l.) und Jerome Boateng.

AfD-Vize sorgt für Empörung

Gauland verteidigt Boateng-Satz - Petry entschuldigt sich

Berlin - Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland hat mit fremdenfeindlichen Äußerungen Jerome Boateng beleidigt - und redet sich heraus. Frauke Petry bemüht sich um Schadensbegrenzung.

"Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben". Das sagte Gauland der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der in Berlin geborene Boateng ist der Sohn einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters. Er gehört zum EM-Kader 2016.

Der Deutsche Fußball-Bund reagierte empört. DFB-Präsident Reinhard Grindel sagte der Zeitung, es sei "einfach geschmacklos", die Popularität Boatengs und der Nationalmannschaft "für politische Parolen zu missbrauchen". Boateng sei "ein herausragender Spieler und ein wunderbarer Mensch, der sich übrigens auch gesellschaftlich stark engagiert und für viele Jugendliche ein Vorbild ist".

Auch beim Fußball-Länderspiel Deutschland - Slowakei haben Fans am Sonntag in Augsburg an der Stadionbande ein Transparent mit der Aufschrift „Jerome sei unser Nachbar!“ angebracht. Sie malten noch ein Herz dazu. Der Manager der Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, wandte sich gegen Gaulands Äußerung: "Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir mit solchen Aussagen konfrontiert werden. Sie bedürfen keiner weiteren Kommentierung, die Personen diskreditieren sich von alleine." Bundesjustizminister Heiko Maas reagierte ebenso ablehnend auf Gauland. "Einfach nur niveaulos und inakzeptabel. Wer so redet, entlarvt sich selbst - und das nicht nur als schlechter Nachbar", twitterte der SPD-Politiker.

Nationalspieler Benedikt Höwedes twitterte: "Wenn du für Deutschland Titel gewinnen willst, brauchst du Nachbarn wie ihn."

Erst in der vergangenen Woche hatten sich Anhänger der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung abschätzig über Jugendfotos der deutschen Nationalspieler auf Packungen der Kinderschokolade geäußert. Darauf zu sehen sind unter anderem auch Jérôme Boateng und Ilkay Gündogan.

AfD-Vorsitzende Petry: Boateng gehört in Nationalmannschaft

Frauke Petry hat sich in die Diskussion eingeschaltet. Sie twitterte am Sonntagvormittag, Boateng sei ein "Klasse-Fußballer und zu Recht Teil der deutschen Nationalmannschaft. Ich freue mich auf die EM. #Nachbarn". Ihren Vize weist sie auf Twitter nicht zurecht. Fragen der Twitter-Nutzer lässt sie unbeantwortet.

Der "Bild" gegenüber bemühte sich Petry um Schadensbegrenzung:  Gauland könne sich "nicht erinnern, ob er diese Äußerung getätigt hat", sagte  sie der Zeitung (Montagsausgabe). "Ich entschuldige mich unabhängig davon bei Herrn Boateng für den Eindruck, der entstanden ist."

Gauland: "Habe Boateng nicht beleidigt"

Gauland selbst erklärte hingegen am Sonntag, er habe Boateng nicht beleidigt. "Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten." Er habe in einem vertraulichen Hintergrundgespräch "die Einstellung mancher Menschen beschrieben, aber mich an keiner Stelle über Herrn Boateng geäußert, dessen gelungene Integration und christliches Glaubensbekenntnis mir aus Berichten über ihn bekannt sind".

Boateng selbst hat sich noch nicht geäußert.

dpa/sah/afp

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