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Biden nach Kabul-Anschlag in der Krise: US-Präsident reagiert mit brutaler Ankündigung

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Von: Anna-Katharina Ahnefeld

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Bei den Anschlägen am Flughafen Kabul ließen 13 US-Soldaten ihr Leben. Präsident Biden schwört Vergeltung – und steht selbst in der Kritik.

Washington, D.C. – Es war der schwärzeste Tag der bisherigen Amtszeit von US-Präsident Joe Biden. Seine Entscheidung, den Abzug der US-Truppen nach 20 Jahren in Afghanistan schnell über die Bühne zu bringen, begründete er unter anderem damit, keine weiteren Todesopfer auf US-Seite beklagen zu müssen. Das muss er nun. Bei zwei Selbstmordanschlägen am Flughafen Kabul kamen zahlreiche afghanische Zivilistinnen und Zivilisten ums Leben. Und 13 US-Soldaten. Für die Vereinigten Staaten der verlustreichste Tag in Afghanistan seit zehn Jahren.

Sichtbar erschüttert nach den Explosionen sprach der Demokrat bei seiner Rede im Weißen Haus eine klare Warnung aus:  „Wir werden nicht vergeben. Wir werden nicht vergessen“, sagte er an die Adresse der Verantwortlichen für die Attacken. „Wir werden euch jagen und euch büßen lassen.“ Bereits Tage zuvor waren die Warnungen vor einem Attentat am Flughafen Kabul immer lauter geworden. Mehrere Geheimdienste hatten von der steigenden Gefahr von Anschlägen berichtet. Erst am Dienstag (24. August) sagte Biden: „Jeder weitere Tag im Einsatz bringt zusätzliches Risiko für unsere Soldaten“.

Afghanistan: Terror-Anschlag am Flughafen Kabul – US-Präsident Joe Biden schwört Rache

Verantwortlich für den Doppel-Anschlag machen die USA* die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Der IS hat bislang einen Selbstmordanschlag für sich in Anspruch genommen. Biden sagte bei seiner Ansprache, er habe die US-Streitkräfte angewiesen, Pläne für Angriffe gegen den regionalen IS-Ableger Provinz Chorasan (ISKP) - in den USA als ISIS-K bezeichnet - auszuarbeiten. „Wir werden mit Kraft und Präzision antworten (...) an dem Ort und zu dem Zeitpunkt, den wir aussuchen.“

Bei seiner Rede würdigte er die getöteten US-Soldaten als „Helden“. Sie seien an einer „gefährlichen, selbstlosen Mission“ beteiligt gewesen, „um das Leben von anderen zu retten“. Es war das erste Mal seit Februar 2020, dass in Afghanistan US-Soldaten getötet wurden. Weiter bekräftigte der US-Präsident, dass der laufende Evakuierungseinsatz zur Rettung von US-Bürgern und afghanischen Ortskräften fortgesetzt werde. „Wir können und müssen diese Mission zu Ende bringen, und das werden wir“, sagte der Präsident. „Wir werden uns nicht von Terroristen abschrecken lassen. Wir werden nicht zulassen, dass sie unsere Mission stoppen.“

US-Präsident Joe Biden in Kritik: Republikaner fordern nach Kabul-Anschlag gar Rücktritt

Biden vollzieht das Ende des nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gestarteten Militäreinsatzes - und wird damit auch für die Konsequenzen verantwortlich gemacht, die sich aus dem Truppenabzug ergeben. Zwar steht die Mehrheit der Bevölkerung hinter dem Abzug aus Afghanistan – doch mit der Ausführung sind viele nicht einverstanden*. Das zeichnet sich bereits bei den Beliebtheitswerten Bidens ab, die zuletzt unter 50 Prozent sanken. Und so erschüttert die Explosionen in Kabul und der Verlust zahlreicher Menschenleben seine Präsidentschaft weiter.

Politikerinnen und Politiker der Republikanischen Partei fordern bereits seinen Rücktritt oder ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten. „Joe Biden hat Blut an den Händen“, twitterte etwa die Abgeordnete Elise Stefanik. Das sicherheitspolitische und humanitäre Desaster in Afghanistan sei „ganz allein das Ergebnis der schwachen und inkompetenten Führung“ des Präsidenten. Bidens Vorgänger Donald Trump* erklärte laut Agence France-Press, diese „Tragödie“ hätte nicht zugelassen werden dürfen.

Biden geht auf Kritik an US-Truppenabzug auf Afghanistan ein: „Hatte nur eine Alternative“

In seiner Rede ging Biden auf die Kritik ein und sagte: „Ich hatte nur eine Alternative: Tausende weitere Truppen nach Afghanistan zu schicken.“ Weiter gab er an: „Ich war nie der Meinung, dass wir amerikanisches Leben opfern sollten, um zu versuchen, eine demokratische Regierung in Afghanistan* zu errichten.“ Die US-Truppen werden bis Dienstag (31. August) den Flughafen Kabul halten. Noch immer hoffen zahlreiche Menschen auf die schwindende Hoffnung einer Evakuierung. ARD-Korrespondent Oliver Mayer berichtet von Hunderten, gar Tausenden, die noch immer am Flughafen ausharren. „Die Evakuierungen dauern nur noch wenige Tage und die Menschen versuchen verzweifelt, das Land zu verlassen“, so der Journalist.

Die Angst vor erneuten Angriffen ist groß. Doch die Angst vor der militant-islamistischen Taliban* größer. (aka mit Agenturen) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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