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Kabul-Anschlag: Dramatische Augenzeugenberichte - Schutzwall wird zur Todesfalle

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Von: Andreas Schmid

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Die Überreste eines tödlichen Anschlags. Am Flughafen Kabul erinnern Blut und Kleidungsfetzen an den Terror.
Die Überreste eines tödlichen Anschlags. Am Flughafen Kabul erinnern Blut und Kleidungsfetzen an den Terror. © Wakil Kohsar/AFP

Terror in Kabul: Am Flughafen gingen zwei Bomben hoch und rissen Zivilisten sowie US-Soldaten in den Tod. Eine Mauer sollte schützen - verstärkte aber offenbar die Sprengwucht.

Kabul - Die Lage in Afghanistan verschärft sich in diesen Tagen nahezu stündlich. Seit Donnerstag (26. August) gab es mehrere Explosionen in der Hauptstadt Kabul. Zwei Selbstmordattentäter sprengten sich am Flughafentor in die Luft. Auch am Baron Hotel, wo gefährdete Afghanen untergebracht werden, detonierte eine Bombe. Der sogenannte Islamische Staat (IS) hat die Terroranschläge für sich reklamiert. Es gibt rund 80 Tote, darunter mindestens 13 US-Soldaten.

Afghanistan: Anschlag am Flughafen Kabul - Schutzwall verstärkt Bombenwucht

Die Lage am Flughafen Kabul, von wo aus tausende Menschen auf einen Evakuierungsflieger hofften, spitzte sich am Donnerstag immer weiter zu. US-Botschaft und Bundeswehr berichteten von einer ernstzunehmenden Terrorgefahr und fuhren ihre Rettungsbemühungen kontinuierlich herunter. Dass es Anschläge geben könnte, wusste man vor Ort. Verhindern konnte man sie nicht. Zumal der IS für die Bomben verantwortlich ist. Er agiert unabhängig der Taliban und gilt als noch radikaler. Am Flughafen setzten die Menschen ihre Hoffnung am Abend auf einen extra errichteten Schutzwall. Er sollte die Situation allerdings nur verschlimmern.

Rund um den Hamid Karzai International Airport war eine meterhohe Mauer errichtet worden, die die Menschen vor Bombenanschlägen schützen sollte. Nach Ansicht von Sicherheitsexperten tat sie jedoch genau das Gegenteil. Die Sprengkraft wurde durch die Mauern erhöht. Mindestens eine Bombe detonierte innerhalb des Schutzwalls.

Afghanistan: Kabul-Anschlag - „überall flogen Menschen durch die Luft“

Wie die Situation vor Ort ausgesehen hat, schildert ein Augenzeuge gegenüber der ARD: „Da wo wir standen, war plötzlich eine Explosion. Mein Bruder und ich wurden zu Boden geschleudert. Überall um uns herum flogen Menschen durch die Luft, überall abgerissene Körperteile, Hirnmasse, Blut. Die Leute begannen panisch wegzurennen, bestimmt 400 bis 500 Menschen. Wir haben Verwundete herausgetragen, meine Kleidung ist komplett blutbesudelt.“

Am Tag nach den Anschlägen ist es in Kabul etwas ruhiger geworden, Entspannung ist allerdings nicht in Sicht. US-Präsident Joe Biden zeigte sich erschüttert und kündigte Vergeltung an. In Richtung der Terroristen sagte er: „Wir werden euch jagen und euch büßen lassen.“ In seiner Ansprache bekräftigte der Demokrat außerdem, dass der laufende Evakuierungseinsatz zur Rettung von US-Bürgern und afghanischen Ortskräften fortgesetzt werde. An den von den Terroranschlägen betroffenen Orten herrscht derweil ein Bild der Verwüstung. Zudem können weitere Anschläge nicht ausgeschlossen werden. So herrscht etwa auch die Sorge vor Luftangriffen. Wir halten Sie zu allen wichtigen Entwicklungen rund im die Lage in Afghanistan in unserem News-Ticker auf dem Laufenden. (as)

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