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Anschläge in Kabul mit Dutzenden Toten und Verletzten: Was wir bislang wissen und was nicht

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Von: Marcus Giebel

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In Kabul starben am Donnerstag Zivilisten und US-Soldaten. Offenbar haben sich Selbstmordattentäter am Flughafen in die Luft gesprengt. Ein IS-Ableger bekennt sich zu den Taten.

München - Tagelang war vor der bedrohlichen Gemengelage in Kabul gewarnt worden. Die Machtübernahme der Taliban hatte das Land ins Chaos gestürzt, in der Hauptstadt Afghanistans drängten seit rund einer Woche ununterbrochen Tausende zum Flughafen, um dem Horror-Regime der Islamisten zu entkommen. Ihr Leben zu retten.

Die US-Streitkräfte, die ihren Rückzug nach 20 Jahren am Hindukusch bis zum 31. August unter Hochdruck durchziehen wollen, taten vor Ort ihr Bestes, um ein Gefühl von Sicherheit zu erschaffen. Sie hielten den Nato-Partnern den Rücken frei, um Dutzende Evakuierungsflüge zu ermöglichen. So kamen mehr als 100.000 Menschen raus. Alles nur geduldet von den Taliban, die auf einen zeitnahen Abschied der Besatzer pochen.

Zwei Männer schieben eine Trage an einem Zaun vorbei.
Heldenhafter Einsatz: Kurz nach den Explosionen halfen die Afghanen den Verletzten. © WAKIL KOHSAR/afp

Anschläge in Kabul: Was wissen wir und was ist noch unsicher?

Und dann, an diesem Donnerstagnachmittag, wurde aus diesem Albtraum erst recht die Hölle auf Erden. Als der Terror für die ganze Welt sichtbar nach Kabul zurückkehrte. Was wissen wir bislang über die Attentate? Und was ist noch nicht bekannt?

Klar ist, es gab am Nachmittag mindestens zwei Explosionen kurz nacheinander nahe des Flughafens. Zur ersten soll es am Abbey Gate südlich des Geländes gekommen sein - die USA hatten ihre Landsleute bereits zuvor gewarnt, sich zu dem Zugang zu begeben. Die zweite Explosion wird nahe des Baron Hotels etwas östlicher verortet - dort sollen US-Soldaten untergebracht gewesen sein.

Die Opferzahlen schwankten erheblich. Im Laufe des Tages bestätigte das Pentagon dann den Tod von zwölf US-Soldaten, 15 Kameraden seien verletzt worden. Insgesamt wird in Afghanistan von mehr als 60 Todesopfern und mehr als 140 Verletzten ausgegangen. Viele würden noch um ihr Leben kämpfen.

Anschläge in Kabul: Frage nach deutschen Opfern ist noch offen

Noch nicht sicher ist, ob auch Deutsche zu Schaden gekommen sind. Darüber hatten weder Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer noch Außenminister Heiko Maas zum Zweitpunkt ihrer ersten Statements verlässliche Informationen. Unter den Opfern befinden sich vor allem Zivilisten, es müssten noch zahlreiche Deutsche vor Ort sein. Meldungen, wonach auch Kinder getötet worden sein sollen, wurden zunächst nicht bestätigt.

Der genaue Ablauf der Angriffe lässt sich nicht lückenlos rekonstruieren. Zunächst war von einem Selbstmordattentäter und einer Autobombe berichtet worden. Dann hieß es, zwei Selbstmordanschläge seien kurz nacheinander verübt worden. Zudem sei nach den Explosionen von Bewaffneten das Feuer auf US-Streitkräfte und Zivilisten eröffnet worden. Der Angriff scheint also koordiniert gewesen und nicht etwa von Einzeltätern verübt worden zu sein.

Hinter dem Anschlag wird der in Afghanistan beheimatete IS-Ableger Chorassan vermutet. Die Gruppe reklamierte die Attacke bereits für sich.

Ein Verletzter wird in einen Krankenwagen gebracht
Einsatz in Kabul: Die vielen Verletzten wurden umgehend in Krankenhäuser gebracht. © WAKIL KOHSAR/afp

Anschläge in Kabul: Letzter deutscher Evakuierungsflug wohl kurz nach Explosionen

Deutschland hat seine Evakuieringsmission im Laufe des Donnerstags beendet, der letzte offizielle Transport hob mutmaßlich kurz nach den Explosionen ab. Kramp-Karrenbauer erklärte in ihrem Statement zumindest, dass zwei Bundeswehrsoldaten wegen der unsicheren Situation zunächst nicht ausgeflogen werden konnten, jedoch später von einem MedEvac aufgenommen wurden. In dieser Maschine können auch Verletzte versorgt werden, weshalb ein entsprechendes Angebot an die USA unterbreitet worden sei.

Während Deutschland die Flüge wegen der erhöhten Gefahrenlage wie einige Bündnispartner bereits Tage vor der US-Deadline am kommenden Dienstag einstellte, wollen Großbritannien und Frankreich weiterhin evakuieren.

Anschläge in Kabul: USA wollen Jagd auf Hintermänner machen

Der für die Afghanistan-Mission zuständige US-General Kenneth McKenzie erklärte, dass das Land die Hintermänner der Angriffe zur Rechenschaft ziehen werde. Er kündigte eine Suche rund um die Uhr an. Was das bedeuten sollte, sind bis zum 31. August die Verantwortlichen noch nicht gefasst, ist offen.

Auch die Taliban, die sich als Konkurrenten des IS sehen, verurteilten den Anschlag. Es ist also nicht davon auszugehen, dass sie in die Pläne involviert waren.

Am Abend kamen Meldungen über eine dritte Explosion in Kabul auf. Die Hintergründe dazu waren zunächst noch völlig unklar. Aus den USA verlautete jedoch, es habe am Abend kontrollierte Sprengungen gegeben. (mg)

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