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Afghanistan-Chaos: Bundeswehr weist Ortskraft mit Familie ab - und muss sie nun wohl wieder retten

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Von: Anna-Katharina Ahnefeld

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Kurz vor dem ersehnten Ziel scheiterte die Familie einer afghanischen Ortskraft am Flughafen. Offenbar ein Fehler. Die Bundeswehr arbeitet unter Hochdruck an einer Rettung.

Kabul – Tausende Menschen harren am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul aus – in der Hoffnung, einen der begehrten Rettungsflüge zu erreichen. Die Zeit drängt und die Lage wird offenbar immer dramatischer. Denn die Evakuierungsmissionen der Westmächte neigen sich dem Ende zu. Die USA wollen bis zum 31. August ihre Truppen aus Afghanistan herausholen – und ohne deren Soldatinnen und Soldaten ist der Flughafen nicht zu halten.

Die Bundesrepublik will nach Medienberichten bereits am Freitag ihren letzten Flieger starten lassen. Andere Länder wie Dänemark und Belgien haben ihre Rettungsmission bereits aufgegeben. Die Warnungen vor Terroranschlägen am Flughafen werden immer lauter, die Sicherheitslage scheint bedenklich. Dennoch harren Menschenmassen aus, die Angst vor den militant-islamistischen Taliban ist zu groß.

Tausende Menschen – einer von ihnen ist Ahmad J. Auch die frühere Ortskraft Deutschlands wartet darauf, mit seiner Familie das Land verlassen zu können. Dabei war er diesem Ziel schon ganz nah, wie der Sender RTL berichtet. Die Bundeswehr habe J., seine Frau und seine zwei Kinder aber fortgeschickt. Und arbeite nun unter Hochdruck daran, die Familie doch noch zu retten.

Chaos in Kabul: Bundeswehr wirft Ortskraft mit Familie aus Flughafen - und muss sie nun wohl wieder retten

Als ehemaliger Mitarbeiter der Bundeswehr steht der Afghane laut des Senders auf der Todesliste der Taliban weit oben. Die Familie habe es schließlich am Montag (23. August) auf den Flughafen Kabul geschafft. Doch sie scheiterte an anwesenden Bundeswehrsoldaten. Trotz einer offenbar vorliegenden Bestätigung des Einsatzführungskommandos, als Ortskräfte das Land verlassen zu können, soll ihnen der Flug verweigert worden sein. Warum?

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„Er schaute durch fünf bis sechs Papiere in seiner Hand und er drehte es so schnell und ignorierte mich völlig und sagte: Geh weg! Du musst hier raus – weil dein Name nicht auf der Liste steht“, erzählte der ehemalige Bundeswehrmitarbeiter. RTL veröffentlichte eine Sprachaufnahme des Vorfalls. Aktuell harrt die Familie weiter in ihrer Wohnung in Kabul aus. Doch es gibt erneut Hoffnung.

Afghanistan: Bundeswehr erkennt Fehler bei Evakuierung – und will Familie aus Kabul retten

Die Bundeswehr räumte den Fehler indirekt ein: „Wir bemühen uns um eine Aufklärung der genauen Umstände zu diesem Sachverhalt. Alle beteiligten Stellen arbeiten gerade mit Hochdruck daran, Herrn J. wieder in den Flughafen Kabul zu bringen und auszufliegen“, teilte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr auf RTL-Anfrage mit.

Genauere Details zum Ablauf der Rettung wollte der Sprecher nicht bekannt gegeben. Die Bundeswehr hat am Donnerstag laut Deutscher Presse-Agentur 150 weitere Menschen ausgeflogen. Mit einem der letzten Evakuierungsflüge der Bundeswehr. In welchem davon die Familie sitzen soll, ist unbekannt. Einer der größten Gegner für Schutzsuchende in Afghanistan ist aktuell die Zeit. (aka)

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