1. Startseite
  2. Politik

Evakuierung aus Afghanistan: Ortskraft darf nicht ausreisen – trotz gültiger Dokumente

Erstellt:

Kommentare

Ein US-amerikanischer Soldat am Flughafen Kabul
Die Lage am Flughafen Kabul ist unübersichtlich (Symbolbild). © IMAGO / ZUMA Wire / U.S. Marines

Eine afghanischer Journalist, der sieben Jahre lang für die Bundeswehr gearbeitet hat, wurde nun am Flughafen in Kabul zurückgelassen. Der Grund: Ein Soldat hielt seine gültigen Dokumente für gefälscht.

Kabul - Ein afghanischer Journalist sollte ausgeflogen werden und hatte es schon fast in den Flieger geschafft, als ihn ein Soldat am Flughafen Kabul doch noch zurückwies. Er hielt seine gültigen Dokumente für gefälscht. Tatsächlich enthielten die Dokumente Rechtschreibfehler und einen unüblichen Briefkopf, der jedoch in diesem Fall Bundeswehr-intern verwendet wurde, wie der Spiegel berichtet. Nur: Darüber waren nicht alle informiert.

Kommunikationsfehler der Bundeswehr könnte Ortskraft das Leben kosten

Die Ortskraft hatte sieben Jahre lang PR-Videos für die Bundeswehr aufgezeichnet. Der afghanische Journalist hatte auch vor laufender Kamera den Nato-Einsatz gelobt und die Taliban kritisiert. Nun schwebt er in Lebensgefahr. Seit 2018 arbeitete er für ein afghanisches Subunternehmen und war nicht mehr direkt bei der Bundeswehr angestellt. Zunächst war es schwierig, wegen seines outgesourcten Vertrages eine Ausreisegenehmigung zu erhalten.

Als der Spiegel und andere deutsche Medien über seinen Fall berichteten, brachte das Schwung in die Sache: Er kam in das Schutzprogramm für die früheren Helfer der Bundeswehr. Die wichtige E-Mail kam am 24. August: Deutschland habe „über eine Partnernation“ einen Bustransport zum Militärflughafen in Kabul organisiert. Von dort werde die Ortskraft dann nach Deutschland ausgeflogen, so der Spiegel-Bericht weiter. Unterzeichnet war das Dokument mit „Im Auftrag der Regierung der Bundesrepublik Deutschland“. Kurz darauf folgten die GPS-Daten des Ortes, an dem die Busse abfuhren und ein lebenswichtiges PDF-Dokument.

Deshalb schlichen sich Fehler in die gültigen PDF-Dokumente

In dem PDF-Dokument stand unter dem Logo der Bundesregierung, dass der Besitzer des Dokuments „berechtigt“ sei, nach Deutschland gebracht zu werden. Doch als er das Dokument am Kontrollpunkt am Flughafen zeigte, hielt der Soldat es für gefälscht und ließ ihn nicht mitfliegen. Der afghanische Journalist musste sofort den Sicherheitsbereich verlassen und durfte sich nicht erklären. „Ich habe sieben Jahre für die gearbeitet, und sie haben nicht eine Minute, mir zuzuhören“, erklärte er erschüttert in einem Videotelefonat mit dem Spiegel.

Nun ist klar, wie es zu dem Missverständnis kommen konnte: Das Schreiben war sehr hektisch verfasst worden und enthielt daher Schreibfehler. Der verwendete Briefkopf existiert so nicht. Erstellt wurde es beim Einsatzführungskommando. Denn das Emirat Katar hatte den Bustransport organisiert und eine Bestätigung gefordert, mit der sich die Menschen am Bus identifizieren können. Das war der Grund, weshalb das PDF-Dokument von Soldaten im Potsdamer Stab unter Zeitdruck erstellt und an die zu rettenden Ortskräfte versandt wurde.

Die deutschen Soldaten hingegen, die am Flughafen in Kabul für die Kontrolle des Dokuments eingesetzt wurden, waren über diese Umstände nicht informiert. Sie mussten daher von einer Fälschung ausgehen. Die Verantwortlichen nennen es einen „tragischen Fehler“. Die zurückgelassene Ortskraft befindet sich indes noch in Afghanistan. Ob eine Ausreise möglich sein wird, ist derzeit völlig offen. bme

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion