Afghanische Widerstandskämpfer im Pandschir-Tal, das sie vor den Taliban verteidigen möchten.
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Widerstandskämpfer im Pandschir-Tal in Afghanistan, das sie vor den Taliban verteidigen möchten.

News-Ticker

Biden warnt vor erneuter Anschlagsgefahr am Flughafen in Kabul: „In den nächsten 24-36 Stunden“

  • VonBettina Menzel
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  • Andreas Schmid
    Andreas Schmid
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Die Lage in Afghanistan bleibt angespannt. Nach Joe Bidens Rache-Ankündigung haben die USA ihre Vergeltungspläne in die Tat umgesetzt. Alle Infos im News-Ticker.

  • Seit der Machtübernahme der Taliban* ist die Situation in Afghanistan* höchst prekär. Auch, weil die Hauptstadt Kabul zuletzt von einer Anschlagsserie heimgesucht wurde. Die US-Regierung hält einen weiteren Anschlag für sehr wahrscheinlich.
  • Bei den Anschlägen in Kabul, die durch den IS ausgeübt wurden, starben mehrere US-Soldaten. US-Präsident Joe Biden* hatte daher Vergeltung angekündigt.
  • Nun haben die USA offenbar einen Planer von Isis-K getötet (siehe Erstmeldung). Die Islamisten geben außerdem an, Tore am Flughafen in Kabul unter ihre Kontrolle gebracht zu haben. Die USA dementieren vehement.
  • Dieser News-Ticker ist beendet.

Update vom 29. August, 10.03 Uhr: Dieser News-Ticker ist beendet. Alle neuen Informationen zur Lage in Afghanistan finden Sie in unserem neuen News-Ticker.

Update vom 28. August, 21:28 Uhr: US-Präsident Biden warnt vor einem weiteren Anschlag am Kabuler Flughafen. Wie die AFP berichtet, schätzt die Armeeführung die Gefahr eines Anschlags in den „nächsten 24 bis 36 Stunden“ als „sehr wahrscheinlich“ ein. „Die Lage vor Ort ist nach wie vor extrem gefährlich“, so Biden. Bei dem Selbstmordattentat am Donnerstag waren bereits dutzende Zivilisten sowie 13 US-Soldaten getötet worden.

Update vom 28. August, 16:12 Uhr: Parallel äußerte sich auch Grünen-Parteichef Robert Habeck zur Situation in Afghanistan. In der Welt am Sonntag warnte er vor einer erhöhten Terrorgefahr in Deutschland nach der Machtübernahme der Taliban. Die deutschen Sicherheitsbehörden und Geheimdienste sollten daher besonders wachsam sein: „Bekannte Gefährder müssen engmaschig überwacht werden. Und wir müssen sehr genau hinschauen, wer in den hier ankommenden Maschinen saß und sitzt - auch im Interesse der Schutzsuchenden“, so Habeck.

Update vom 28. August, 13.41 Uhr: CSU-Chef Markus Söder will, dass alle Soldaten, die in Afghanistan im Einsatz waren, das Bundesverdienstkreuz oder eine vergleichbare Ehrung bekommen. Das sagte der bayerische Ministerpräsident der Bild am Sonntag. „Unsere Bundeswehr hat mehr Respekt und Anerkennung verdient“, so Söder weiter. „Für mich sind unsere Soldatinnen und Soldaten wahre Helden.“

Update vom 28. August, 13.04 Uhr: Einem Bericht der Welt zufolge hat die Bundesanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren zu den Schussverletzungen eines Deutschen am Flughafen in Kabul eingeleitet. Es bestehe ein Anfangsverdacht für die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Samstag. Bislang ist unklar, wer den Schuss abgegeben hat. Deshalb werde das Verfahren gegen Unbekannt geführt. Der Deutsche war auf dem Weg zum Flughafen in Kabul angeschossen worden. Ein weiterer Deutscher wurde in der Nähe des Flughafen leicht verletzt, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.

Update vom 28. August, 12.55 Uhr: Die Taliban haben eigenen Angaben zufolge mehrere Tore am Flughafen in Kabul unter ihre Kontrolle gebracht. Das geht aus einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vom Samstag hervor, die sich auf Aussagen eines Taliban Sprechers beruft. „Zwei, drei“ Zugänge zum Flughafen seien in der Nacht zu Samstag von den USA an Kräfte der Islamisten übergeben worden, sagte ein Vertreter der Taliban. Die USA widersprechen diesen Informationen jedoch vehement. John Kirby, der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, dementierte ersten Medienberichten zufolge in der Nacht zum Samstag eine derartige Übernahme. Taliban kontrollierten weder den Flughafen noch Teile davon, noch Tore des Geländes, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums am Freitag.

Auf Twitter sind Bilder zu sehen, denen zufolge sich Taliban-Kämpfer innerhalb des Flughafenbereiches befinden. Einige zeigen sie wenige Meter hinter dem Zugang zum zivilen Teil des Flughafen, später hinzugefügte Aufnahmen sollen Taliban-Kräfte noch etwas weiter innerhalb des zivilen Teils des Flughafengeländes nahe des VIP-Parkplatzes und des Inlandsterminals zeigen. Allerdings ist bislang unklar, von wann die Aufnahmen stammen. Die Taliban nutzen die sozialen Medien auch um Panik zu schüren. In der Vergangenheit haben die Islamisten ihre Kämpfer immer wieder kurzzeitig an bekannte Punkte geschickt und Fotos machen lassen, um beispielsweise in sozialen Medien ihr Vorrücken auf eine bestimmte Stadt vorzutäuschen, heißt es in der dpa-Meldung weiter.

Update vom 28. August, 12.24 Uhr: Die Situation in Afghanistan bleibt angespannt - auch wegen der Vergeltungsaktion der USA in Richtung des IS (siehe Erstmeldung). Es stellt sich weiter die Frage, wie die Zukunft des Landes gestaltet werden soll. Nachdem der afghanische Präsident Ashraf Ghani ins Ausland geflüchtet war, ernannte sich Vize Amrullah Saleh zum Präsidenten. Er will das Land führen - und gegen die Taliban kämpfen. Wie genau, hat er nun in einem handgeschriebenen Brief an das Magazin Spiegel erläutert.

Den Brief schickte Saleh per WhatsApp an eine Spiegel-Reporterin – aus Sicherheitsgründen. Auf drei Seiten schreibt der 48-Jährige über die Lage vor Ort. Den für ein Friedensabkommen geplanten Doha-Prozess sieht er als „Anfang vom Ende.“ Die Taliban verhandelten unter anderem mit den USA über eine friedliche Lösung. Das Abkommen sei aber „von Beginn an fehlerhaft, trügerisch und töricht“ gewesen.

Die Taliban hätten nie an eine politische Lösung des Konflikts geglaubt. „Sie nutzten einfach die Naivität aus, die Erschöpfung und Kurzsichtigkeit des Weißen Hauses unter dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump, und dem heutigen US-Präsidenten Joe Biden.“

Bezogen auf die aktuelle Situation kündigte der Taliban-Gegner an, nicht kampflos aufgeben zu wollen. Man sei bereit, mit den Taliban zu verhandeln, sofern sie „uns einen zeitlichen Plan vorlegen, wann und wie sie die afghanische Öffentlichkeit, die Massen, in ihre Entscheidungsfindung einbeziehen wollen.“ Sollten die radikalen Islamisten einen militärischen Kampf wollen, sei man ebenfalls vorbereitet. „Geografisch sind wir isoliert, aber politisch und moralisch ist Afghanistan an unserer Seite. Es wird niemals zu Talibanistan werden.“

Update vom 28. August, 11.17 Uhr: Die militant-islamistischen Taliban in Aghanistan haben alle im öffentlichen Gesundheitssektor beschäftigten Frauen aufgefordert, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Das Gesundheitsministerium weise alle weiblichen Mitarbeiter in der Hauptstadt und den Provinzen an, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, hieß es in einem Tweet des Taliban-Sprechers Sabiullah Mudschahid von Freitagabend. Der Ausübung ihrer Arbeit stehe nichts im Wege.

Es ist bisher weitgehend unklar, ob Frauen in Afghanistan mit der Machtübernahme der Taliban weiter ihren Berufen nachgehen können. Bislang gab es lediglich für den Gesundheits- und den Bildungsbereich konkretere Aussagen, dass Frauen wieder ihre Arbeit aufnehmen sollten.

Im Gesundheitsbereich hatte es zuletzt Berichte aus dem Norden des Landes gegeben, dass etwa Hebammen nicht mehr an Sitzungen mit männlichen Ärzten teilnehmen durften. Während der Taliban-Herrschaft 1996 bis 2001 durften Frauen nicht von männlichen Ärtzen behandelt werden, was ihre Gesundheitsversorgung massiv einschränkte.

Afghanistan: Vergeltung nach Anschlag von Kabul: US-Luftwaffe greift IS-Ableger an

Erstmeldung vom 28. August: Washington/Nangahar- Nach dem Anschlag am Donnerstag am Kabuler Flughafen, der viele Menschen in den Tod riss, hatten die USA einen Vergeltungsschlag gegen die IS-Terrormiliz angekündigt. Am Freitagabend (Ortszeit) verkündet ein Sprecher des US-Militärs nun, dass die USA einen Planer von Isis-K getötet habe. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Bei Isis-K handelt es sich um einen örtlichen Ableger der Terrororganisation Islamischer Staat (IS).

Afghanistan: Unbemannter Luftschlag der USA - „Ersten Anzeichen zufolge haben wir das Ziel getötet“

Der Planer des IS-Ablegers war in der Nähe von Nangahar mit einem unbemannten Luftschlag getötet worden. Als unbemannten Luftschlag bezeichnen die USA einen ferngesteuerten Angriff mit einer US-Drohne, oftmals aus großer Höhe. „Ersten Anzeichen zufolge haben wir das Ziel getötet. Wir wissen von keinen zivilen Opfern“, sagte ein Sprecher am Freitagabend. Der Sprecher machte keine näheren Angaben dazu, ob der bei dem Vergeltungsschlag Getötete direkt in den Anschlag am Kabuler Flughafen verwickelt war.

Unter den Opfern des Anschlags am Kabuler Flughafen am Donnerstag waren auch 13 US-Soldaten. US-Präsident Joe Biden hatte daraufhin Rache geschworen: „Wir werden nicht vergeben. Wir werden nicht vergessen. Wir werden euch jagen und euch dafür bezahlen lassen“, hatte der Demokrat kurz nach dem Anschlag verkündet.

Afghanistan: „Biden hat klar gemacht, dass er nicht will, dass sie noch auf der Erde leben“

Jen Psaki, die Sprecherin Bidens, antwortete am Freitag auf die Frage, ob Biden die Urheber der Attacke töten lassen oder vor Gericht stellen wolle, mit den Worten: „Er hat klar gemacht, dass er nicht will, dass sie noch auf der Erde leben.“ Der Präsident und das Militär hätten keinen Zweifel an ihrer Befugnis, die Terrormiliz Isis-K anzugreifen, sagte Psaki weiter.

„Der Schlag gegen Isis-K ist der Beginn der Rache“, schrieb der republikanische Kongressabgeordnete Adam Kinzinger nach dem Angriff auf Twitter. „Glückwunsch an unser Militär und gute Entscheidung von Präsident Biden. Nichts wird unseren Verlust an Männern wettmachen, aber er darf nicht unbeantwortet bleiben.“

Die USA befürchten derzeit einen weiteren Terroranschlag in Kabul. Die US-Botschaft veröffentlichte in der Nacht erneut eine Sicherheitswarnung und rief alle Landsleute dazu auf, die Gegend rund um die Eingangstore zum Flughafen sofort zu verlassen. „Die Bedrohung ist akut, sie dauert an. Unsere Truppen sind immer noch in Gefahr“, hatte Psaki am Freitag gesagt. In diesem News-Ticker halten wir Sie zu allen Entwicklungen rund um Afghanistan auf dem Laufendem. (as/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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