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„Bitte holt uns zurück nach München“ - Mutter steckt mit Töchtern in der „Taliban-Hölle“ Kabul fest

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Von: Susanne Sasse

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Eine Frau und zwei Mädchen schauen in die Kamera
Sitzen in Kabul fest: Auf dem Hinflug Anfang August freuten sich Samira und ihre Töchter Liah und Ayla (v. l.) noch auf den Besuch in Afghanistan. © fkn

Die Evakuierungen von deutschen Staatsangehörigen und Helfern der Bundeswehr laufen auf Hochtouren. Doch noch immer versuchen Hunderte vor den Taliban zu fliehen. Auch eine Mutter und ihre Töchter aus München.

München - Es ist ein Horror. Das fröhliche Selfie hat Ayla (12) von sich, ihrer fünfeinhalbjährigen Schwester Liah und Mutter Samira (44; alle Namen geändert) erst am 3. August gemacht - im Flugzeug auf dem Weg nach Kabul, in Samiras Heimat, die nun zur Hölle wurde. Dass es so blitzschnell gehen würde, ahnte da keiner. Samira wollte mit ihren Töchtern ihre Schwester besuchen. Seit die Taliban am Sonntag die Macht ergriffen, leben die Münchnerin und ihre Töchter in Todesangst. (Alle aktuellen Nachrichten rund um die Entwicklungen in Afghanistan gibt es in unserem brandneuen, täglichen Afghanistan-Newsletter.)

Schon vor dem Einzug der Taliban* hatten sie sich um die Heimreise gekümmert. Doch da hieß es, die Töchter müssten ohne die Mutter fliegen. Denn nur die in München geborenen Mädchen haben einen deutschen Pass. Mutter Samira hat für Deutschland lediglich eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung.

Münchnerin mit Töchtern in Kabul: Handys aus Angst vor den Taliban oft versteckt

Vater Baran (Name geändert), der mit der dritten Tochter in München geblieben ist, leidet schreckliche Ängste. Per Handy ist er in Kontakt mit seinen Liebsten. Das funktioniert immer seltener. Samira und ihre Töchter haben selten Strom. Außerdem haben sie die Handys versteckt - aus Angst, die Taliban könnten sie finden und feststellen, dass die Mädchen und ihre Mutter Kontakt mit Deutschland* haben.

„Sie tragen Schleier und versuchen, nicht aufzufallen“, erzählt eine gute Freundin von Samira. Ihr hat Samira geschrieben: „Die Taliban sind überall, sie waren schon in der Wohnung, sind wieder gegangen, aber wer weiß, wann sie wiederkommen.“ Wenn Samira vom Fenster der Wohnung auf die Straße schaut, sieht sie bewaffnete Talibankämpfer. Mit dem Auto zum Flughafen zu kommen haben sie versucht, vergebens - die Taliban schickten sie zurück.

Video: „Frauen verlieren in Afghanistan alle Rechte“

Münchnerin mit Töchtern in Kabul: Rückflugtickets für Montag werden wohl verfallen

Die Politik ist ihre letzte Hoffnung. Wir berichteten bereits über die drei in Kabul gefangenen Münchnerinnen. Münchens dritte Bürgermeisterin Verena Dietl machte sich bei Außenminister Heiko Maas für sie stark. Doch die Zeit läuft den dreien davon. Sie haben zwar noch ihre Rückflugtickets, die eigentlich für nächsten Montag gelten, doch der zivile Luftverkehr ist eingestellt.

Am Donnerstag warnte Brigadegeneral Jens Arlt, der die Evakuierungsaktion der Bundeswehr leitet, dass sich die Lage am Flughafen in Kabul weiter zuspitzen wird. (Susanne Sasse) *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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