Keine Reisepläne

Taliban richten Forderungen direkt an Deutschland: Merkel reagiert jetzt sehr deutlich

  • Richard Strobl
    VonRichard Strobl
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Die radikalislamischen Taliban haben nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan Forderungen direkt an Deutschland gestellt. Merkel reagierte deutlich.

Berlin - Nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan hoffen die radikalislamischen Taliban auf internationale Anerkennung. Mit Forderungen richteten sie sich zuletzt auch direkt an Deutschland. Kanzlerin Angela Merkel stellte schon zuvor ihre Position klar und reagierte nun einem Medienbericht zufolge noch deutlicher.

Die Taliban fordern von Deutschland einerseits offizielle diplomatische Beziehungen - sprich die Anerkennung ihrer Regierung - und andererseits finanzielle Hilfen. Das sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid zuletzt der „Welt am Sonntag“. Demnach wünschen sich die Taliban von Deutschland ebenso wie von anderen Ländern finanzielle Unterstützung, humanitäre Hilfe und Kooperation bei Gesundheit, Landwirtschaft und Bildung.

Taliban fordern Anerkennung von Deutschland

Die Deutschen seien in Afghanistan immer willkommen gewesen, sagte Mudschahid der Zeitung. Schon zu Zeiten des Königreichs vor etwa hundert Jahren hätten sie in Afghanistan viel Gutes bewirkt. „Leider haben sie sich dann den Amerikanern angeschlossen. Aber das ist jetzt vergeben“, sagte Mudschahid.

Doch wie geht Deutschland mit diesen Forderungen um? Da man nach dem Ende der militärischen Evakuierungsmission die Ausreise weiterer Schutzsuchender aus Afghanistan ermöglichen will, ist man auf Gespräche mit den Taliban angewiesen. Das stellte Angela Merkel bereits klar: „Was die Taliban anbelangt, ist es so, dass wir natürlich mit ihnen reden müssen, weil sie jetzt diejenigen sind, die man ansprechen muss“, so die Kanzlerin am Sonntag bei einer Pressekonferenz in Hagen am Rande des Ruhrgebiets.

Merkel lässt Taliban offenbar abblitzen

Doch eine Legitimierung der Taliban-Herrschaft will man in Berlin weiter vermeiden. Auf Nachfrage teilte ein Sprecher von Angela Merkel der Bild nun mit, dass die Kanzlerin nicht plane Afghanistan zu besuchen. Zwar hält man demnach daran fest, mit den Taliban sprechen zu wollen, doch eine Reise der Kanzlerin sei nicht geplant.

Ein solcher Besuch hätte womöglich Signal-Wirkung gehabt und wie eine Anerkennung gewirkt.

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas hatte vor wenigen Tagen gesagt: „Wenn es politisch möglich wäre und wenn die Sicherheitslage es erlaubt, dann sollte auch Deutschland in Kabul wieder eine eigene Botschaft haben.“ Der SPD-Politiker betonte aber auch, dass eine diplomatische Vertretung keine Anerkennung einer Taliban-Regierung bedeute. (dpa/rjs)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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