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Warnschüsse fallen: Taliban lösen Frauen-Demo gewaltsam auf - Attacke auch auf Journalist

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Kämpfer der Taliban lösen eine Kundgebung von Frauen in Kabul auf.
Bei einer Kundgebung von Frauen in Kabul kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen: Die Taliban feuerten Warnschüsse ab und attackierten einen Journalisten. © Bulent Kilic / AFP

Bei einer Frauen-Demo in Kabul feuerten Anhänger der Taliban Warnschüsse ab. Die Kämpfer attackierten auch einen ausländischen Journalisten.

Kabul - Während der ersten Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 wurden Frauen aus dem öffentlichen Leben weitgehend verbannt. Seit der erneuten Machtübernahme der Taliban fürchten Frauen in Afghanistan deshalb um ihre Rechte: In einigen Bereichen werden Frauen bereits seit einigen Wochen unterdrückt. In Kabul organisierten Frauen deshalb eine Kundgebung vor einer Schule. Kämpfer der radikalislamischen Gruppe lösten diese am Donnerstag (30. September) gewaltsam auf.

Die Taliban-Anhänger gaben dabei auch Warnschüsse ab. Wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, wurde auch ein Journalist attackiert. Sechs Aktivistinnen hatten die Rückkehr von Mädchen in weiterführende Schulen gefordert. Vor einer Schule im Osten der afghanischen Hauptstadt entrollten sie ein Banner mit der Aufschrift „Zerbrecht nicht unsere Stifte, verbrennt nicht unsere Bücher, schließt nicht unsere Schulen“.

Afghanistan: Frauen demonstrieren für ihre Rechte - Taliban feuern Schüsse ab

Die Taliban drängten die Demonstrantinnen zurück und schlugen einen ausländischen Journalisten, der den Protest filmen wollte, mit einem Gewehr. Ein Taliban-Kämpfer gab Warnschüsse in die Luft ab. Die Protestteilnehmerinnen zogen sich daraufhin in die Schule zurück.

Die Kundgebung sei aufgelöst worden, da sie nicht mit den Sicherheitsbehörden abgestimmt worden sei, sagte ein Kämpfer der Islamistengruppe, die im August wieder die Macht in Afghanistan übernommen hatte. „Sie haben das Recht, in unserem Land zu protestieren, wie in jedem anderen Land auch. Aber sie müssen die Sicherheitsbehörden vorher informieren“, fügte er hinzu.

Taliban kündigten gewaltsames Vorgehen gegen nicht genehmigte Kundgebungen an

Nach der Rückkehr der Taliban an die Macht wurden die Schulen in Afghanistan geschlossen. Die Grundschulen öffneten inzwischen wieder, auch für Mädchen. Mitte September beorderten die Taliban männliche Lehrer und Schüler zurück in die Sekundarschulen. Schülerinnen bleiben vom Besuch von weiterführenden Schulen aber ausgeschlossen.

Die neue Taliban-Führung hat eine weniger strikte Auslegung des islamischen Rechts zugesagt, und angekündigte, die Rechte von Frauen zu achten. Allerdings ist es Frauen seit der Machtübernahme der Taliban weitgehend untersagt, in Jobs im Regierungsapparat zurückzukehren. In den vergangenen Wochen gab es deshalb vereinzelte Proteste gegen die neuen Machthaber. Bei einer Demonstration in Herat wurden Anfang September zwei Menschen erschossen. Seit der Ankündigung der Taliban, hart gegen nicht genehmigte Kundgebungen vorzugehen, gingen die Proteste allerdings zurück. (sf/ AFP)

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