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Taliban umzingeln Kabul: Biden kämpft mit dem „Gespenst von Saigon“

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Von: Franziska Schwarz

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US-Präsident Joe Biden bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus im August 2021.
Sieht sich nach dem Abzug der US-Truppen aus Afghanistan innenpolitisch in der Kritik: US-Präsident Joe Biden. © MediaPunch/Imago

US-Präsident Joe Biden schickt tausende Soldaten in Afghanistans Hauptstadt, um das Botschaftspersonal zu evakuieren. Damit will er verhindern, dass sich Bilder aus dem Vietnamkrieg wiederholen.

Washington - „Seit die Taliban auf dem Vormarsch sind, beschäftigt sich Biden mit dem Gespenst von Saigon“, titelt NBC aktuell. Der US-Präsident will das Botschaftspersonal aus Kabul evakuieren lassen, nachdem die Radikalislamisten dabei sind, die afghanische Hauptstadt einzunehmen. Doch die Ankündigung ruft bei vielen Erinnerungen an den Vietnamkrieg hervor.

Berühmt wurde dabei ein Foto von der Evakuierung der US-Botschaft in Saigon im Jahr 1975: Menschen drängten sich verzweifelt an der Metalltreppe zu einer Landeplattform. Oben wartete ein Helikopter darauf, schnellstmöglich wieder abheben zu können:

Evakuierung in Kabul: Beobachter fürchten „Bilder der Niederlage“ wie in Vietnam

NBC erwartet bei der Kabul-Evakuierung nun eine drohende „Symbolik der Niederlage“ und innenpolitische Konsequenzen für Joe Biden. „Wir erwarten die Anmutung von Massenmord“, zitiert der US-Sender den Ex-CIA-Berater Matt Zeller. Vor einer Assoziation mit den Saigon-Bildern fürchte sich Biden am meisten, glaubt Zeller. Daran sei Bidens Regierung aber selbst schuld, findet er.

„Die jüngsten Nachrichten über eine weitere Verkleinerung unserer Botschaft und eine überstürzte Verlegung von Streitkräften wirken wie Vorbereitungen für den Fall von Kabul“, kritisierte auch der Anführer der Republikaner im US-Senat, Mitch McConnell. Bidens Entscheidungen „lassen uns auf eine noch schlimmere Wiederauflage des demütigenden Falls von Saigon zusteuern“.

Biden im Juni: „Wir holen niemandem vom Dach der US-Botschaft in Afghanistan“

Im Juni, als der Vormarsch der radikalislamischen Taliban in Afghanistan erst an Fahrt aufnahm, hatte Biden noch eine ähnliche Situation wie in Vietnam ausgeschlossen: „Es wird niemand vom Dach einer amerikanischen Botschaft in Afghanistan heruntergeholt“, versprach er damals.

US-Generalstabschef Mark Milley äußerte sich zur gleichen Zeit etwas vorsichtiger: „Man kann die Zukunft nicht vorhersehen“, sagte er. „Aber ich sehe kein Saigon 1975 in Afghanistan.“ Die Taliban seien „nicht die nordvietnamesische Armee“, die nach der Eroberung Saigon in Ho-Chi-Minh-Stadt umbenannte.

Taliban auf Vormarsch in Afghanistan: Bidens riskantes Manöver in Kabul

Doch seit Juni hat sich die Lage in Afghanistan dramatisch verändert. In den vergangenen Tagen eroberten Taliban-Kämpfer Stadt um Stadt, am Freitag standen sie nur noch einige Dutzend Kilometer vor Kabul. Auch die Bundesregierung sieht sich gezwungen, ihr Botschaftspersonal in der Stadt zu reduzieren.

Die Ausreise von US-Botschaftsmitarbeitern sollen nun 3000 zusätzliche US-Soldaten sichern. In Katar geben tausend Soldaten technische und logistische Unterstützung. Bis zu 4000 weitere halten sich in Kuwait bereit, um im Ernstfall einzugreifen. (frs mit Material von AFP und dpa)

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