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Afghanistan: Berichte über Todeslisten und erbarmungslose Methoden - Rachefeldzug der Taliban?

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Von: Andreas Schmid

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Taliban-Kämpfer
Taliban-Kämpfer in Kabul. Die radikalen Islamisten sollen von Tür zu Tür streifen - um ihre Todeslisten abzugleichen. © XinHua/dpa

Jeder, der sich in den vergangenen 20 Jahren gegen die Taliban gewendet hat, muss nun um sein Leben fürchten. Die islamistische Terrorgruppe beginnt mit der Vergeltung.

Kabul - Die dramatischen Szenen am Flughafen in Kabul zeigen, wie groß die Angst vieler Menschen vor den Taliban sein muss. Binnen weniger Tage haben die radikalen Islamisten Afghanistan zurückerobert. Die Botschaft der Taliban ist klar: Das südasiatische Land soll nach der Machtübernahme wieder zum „Islamischen Emirat Afghanistan“ werden. Um dieses Szenario zu erreichen, gehen die für etliche Terroranschläge im Land verantwortlichen Kämpfer über Leichen. Das Morden soll bereits begonnen haben. (Alle aktuellen Nachrichten rund um die Entwicklungen in Afghanistan gibt es in unserem brandneuen, täglichen Afghanistan-Newsletter.)

Afghanistan: Taliban beginnen mit Todeslisten mit dem Morden - Berichte um öffentliche Hinrichtungen

Wie die britische Zeitung The Sun berichtet, gibt es bereits regelrechte Todeslisten. Die Taliban sollen in Kabul von Tür zu Tür streifen und diese Listen abgleichen. Die Islamisten suchen alle, die sich ihnen in der Vergangenheit in den Weg gestellt haben, wie zum Beispiel Journalisten, Soldaten oder Polizisten. Auch Anhänger der mittlerweile gestürzten Regierung sollen aufgesucht, ergriffen und erschossen werden.

In Kandahar im Süden des Landes soll es unbestätigten Medienberichten zufolge bereits öffentliche Hinrichtungen gegeben haben. Die drittgrößte Stadt Afghanistans gilt als Hochburg der Taliban. Laut der australischen Non-Profit-Organisation Forsaken Fighters ist in Kandahar ein Dolmetscher hingerichtet worden. Er soll zuvor die US-amerikanischen und britischen Streitkräfte beim Kampf gegen den Terror unterstützt haben und nicht mehr rechtzeitig aus Afghanistan evakuiert worden sein können.

Afghanistan: Ortskräfte fürchten um ihr Leben - Evakuierung läuft

Von 1996 bis 2001 hatten die Taliban bereits die Macht in Afghanistan inne. Nach Jahren der Schreckensherrschaft sollte der Einmarsch der USA die Situation vor Ort verbessern. Die Taliban zogen sich zwar zurück, beherrschten aber weiterhin Teile des Landes. Nach dem Truppenabzug vor wenigen Wochen haben die Taliban nun endgültig die Macht übernommen. Sie fordern Vergeltung für all jene, die sich ihnen in den letzten Jahren in den Weg gestellt haben. Darunter fallen auch sämtliche Menschen, die dem Westen beim NATO-Einsatz unterstützt haben, also Ortskräfte wie Dolmetscher oder Küchenhilfen.

Auf den Todeslisten könnten damit auch Ortstkräfte stehen, die für Deutschland gearbeitet haben. Um dem Tod zu entkommen, vertrauen sie auf die Hilfe der Bundesrepublik. Die Bundeswehr hat am Dienstagnachmittag (17. August) 125 Menschen mit einem Transportflugzeug aus Kabul ausgeflogen. Es handelte sich um den zweiten Evakuierungsflug der Bundeswehr; am Morgen waren mit einem ersten Transportflugzeug nur sieben Menschen ausgeflogen worden. Weitere Evakuierungsflüge sind geplant, wir halten Sie im News-Ticker auf dem Laufenden. (as)

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