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Afghanistan: Taliban greifen Frauenrechte jetzt mit Verboten an - Maas sieht gefährliche Signale

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Afghanische Frauen halten Schilder des Protestes gegen die Taliban hoch.
Nachdem die Taliban ihre Regierungsmitglieder vorstellten, kam es in weiten Teilen Afghanistans zu Protesten gegen die neuen Machthaber - vor allem von Frauen. © Hoshang Hashimi / AFP

Die Taliban wollen die Frauenrechte in Afghanistan nun einschränken. Heiko Maas sieht keine guten Signale und will die Übergangsregierung nicht anerkennen. Der News-Ticker

Update vom 8. September 22:30 Uhr: Deutschland und die USA haben eine baldige Anerkennung der von den militant-islamistischen Taliban verkündeten Übergangsregierung in Afghanistan ausgeschlossen. Die von den Taliban angestrebte internationale Legitimität müssten die Islamisten sich durch ihr Handeln verdienen, sagte US-Außenminister Antony Blinken am Mittwoch auf der US-Luftwaffenbasis im rheinland-pfälzischen Ramstein. „Unserer Meinung nach kann sie nicht schnell verdient werden, sie kann nicht durch Worte allein verdient werden.“

Bundesaußenminister Heiko Maas sagte nach seinem Treffen mit Blinken zu einer möglichen Anerkennung der Taliban-Übergangsregierung: „Um die wird es nicht gehen, die sehe ich auch nicht im Moment.“ Allerdings sprach er sich dafür aus, die Gespräche mit den militanten Islamisten fortzusetzen. Maas verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die Bundesregierung weiterhin Schutzbedürftige außer Landes bringen wolle - unter ihnen auch deutsche Staatsbürger.

Afghanistan: Taliban verbieten Frauen Sport - „weder angemessen noch notwenig“

Update vom 8. September 18:55 Uhr: Die Taliban wollen Sport für Frauen und Mädchen verbieten. Das berichtet unter anderem RP Online unter Berufung auf den australische Sender SBS News. Dort hatte der stellvertretende Vorsitzende der Kulturkommission der Taliban, Ahmadullah Wasik, in einem Interview erklärt, dass Frauensport weder angemessen noch notwendig sei. Wasik argumentierte, dass etwa beim Cricket die Gefahr bestehe, dass das Gesicht oder der Körper von Frauen unbedeckt zu sehen sei.

Afghanistans Ex-Präsident Aschraf Ghani hat sich unterdessen gut drei Wochen nach seiner überstürzten Flucht aus Kabul beim afghanischen Volk entschuldigt. „Es war nie meine Absicht, das Volk im Stich zu lassen“, teilte er auf Twitter mit. Er habe mit seiner Flucht heftige Kämpfe verhindern wollen. Ghani wies erneut Vorwürfe zurück, bei seiner Flucht „Millionen Dollar, die dem afghanischen Volk gehören“, mitgenommen zu habe. „Diese Beschuldigungen sind vollständig und kategorisch falsch.“

Die Übergangsregierung der Taliban stößt bei Außenminister Heiko Maas (SPD) auf Skepsis. Er bekräftigte, dass ein weiteres Engagement in Afghanistan vom Verhalten der Islamisten abhänge. „Die Verkündung einer Übergangsregierung ohne Beteiligung anderer Gruppen und die gestrige Gewalt gegen Demonstrantinnen und Journalisten in Kabul sind nicht die Signale, die dafür optimistisch stimmen“, sagte Maas vor einem Treffen mit US-Außenminister Antony Blinken auf dem US-Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein.

Afghanistan: Taliban misshandeln Journalisten - weiter Widerstand im Land angekündigt

Update vom 8. September 16:00 Uhr: Nach der Eroberung des Pandschir-Tals hat Afghanistans letzte Widerstandsgruppe die neue Regierung der Taliban als „illegitim“ bezeichnet. „Sehen Sie sich nur die Anzahl der Terroristen in diesem Kabinett an“, sagte Ali Maisam Nasari, Sprecher der Nationalen Widerstandsfront (NRF), im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. Die Führung sei dazu bestimmt, als „Paria-Regierung“ zu enden - also international geächtetet und isoliert.

„Das Narrativ der modernen Taliban ist vorbei. Es gibt keine Taliban, die eine inklusive Regierung wollen“, sagte Nasari weiter. Von diesen Menschen seien keine Reformen zu erwarten. Trotz ihrer Niederlage im Pandschir-Tal vergangene Woche rief die NRF erneut zum „nationalen Widerstand“ auf. „Die Taliban kontrollieren vielleicht mehr Gebiete, aber sie haben nicht die Legitimität, die die Nationale Widerstandsfront hat“, sagte Nasari kämpferisch.

Update vom 8. September 15:00 Uhr: Nachdem am Mittwoch die größten lokalen TV-Sender nach gewaltsamen Angriffen auf Journalisten die Berichterstattung über die seit drei Tagen andauernden Proteste in Kabul eingestellt hatten (siehe Erstmeldung), berichteten Journalisten vor Ort nun von körperlichen Misshandlungen.

Mindestens zwei Journalisten wurden von den militant-islamistischen Taliban in der afghanischen Hauptstadt schwer körperlich misshandelt. Im Gesicht und am Kopf von zwei Mitarbeitern der bekannten Tageszeitung „Etilatrus“ seien dutzende Abdrücke von Kabeln und Peitschen zu sehen, schrieb der Herausgeber der Zeitung, Saki Darjabai, am Mittwoch auf Twitter. Man habe die Kollegen schwach und in einem Zustand der Lethargie ins Büro gebracht.

Taliban misshandeln Journalisten mit Kabeln und Peitschen

Er teilte zudem ein Bild, auf dem ein Rücken mit schweren Verletzungen zu sehen ist und kommentierte es mit den Worten: „Das ist nur ein kleiner Teil dessen, was Taliban Journalisten von Etilatrus antaten.“ Auf einem Video ist zu sehen, dass ein Journalist nicht mehr selbst laufen kann, auf einem anderen ein weiterer, der zwar alleine steht, aber kaum sprechen kann.

Rund zwei Stunden davor teilte Darjabi auf Twitter mit, dass fünf seiner Mitarbeiter, darunter der Chefredakteur, von den Taliban festgenommen worden seien, als sie in den nebeneinander liegenden Stadtteilen Pul-e Sorch und Kart-e Tschar über einen Frauenprotest berichten wollten. Bereits am Dienstag (7. September) wurden Reporter, die über die Proteste in Kabul berichteten, über mehrere Stunden festgenommen. Die Journalisten äußerten sich nicht öffentlich dazu, was während ihrer Festnahme passierte. Auch die Taliban äußerten sich bisher nicht zu den Vorfällen.

Union und FDP sprechen sich für Verhandlungen mit Taliban aus

Update vom 8. September 13:15 Uhr: Vertreter von Union* und FDP* haben sich für Verhandlungen mit der neuen Taliban Regierung in Afghanistan ausgesprochen, um die Ausreise deutscher Ortskräften zu ermöglichen. Deutschland müsse hier „der bitteren Realität ins Auge blicken: Ohne die Taliban wird das nicht zu erreichen sein“, sagte Unionsfraktionsvize Thorsten Frei (CDU) den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Mittwoch. „Die Bundesregierung muss daher mit den Taliban in Verhandlungen treten.“

Frei verwies dabei auf das Treffen von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Mittwoch (8. September) mit seinem US-Kollegen Antony Blinken auf der Militärbasis Ramstein*. Es komme darauf an, „dass wir einen ehrlichen Blick auf die Lage in Afghanistan haben“, sagte er. „Realität ist, dass die Taliban in Kabul herrschen.“

Auch die FDP-Wehrexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sagte im Deutschlandfunk, es führe kein Weg daran vorbei, dass sich Vertreter der Bundesregierung „mit dem ein oder anderen Taliban (...) an einen Tisch setzen“. Ziel müsse es sein, Menschen, die hoch gefährdet seien, und deutsche Ortskräfte aus Afghanistan zu holen.

Proteste gegen neue Taliban-Regierung - Gewalt gegen Journalisten

Erstmeldung vom 8. September: Kabul - Drei Wochen nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan* haben die radikalislamischen Taliban am Dienstag erste Mitglieder ihrer Regierung vorgestellt. Doch daran gibt es scharfe Kritik: In der Interims-Regierung sind ausschließlich Anhänger der Taliban vertreten - und keine einzige Frau. Auch aus der afghanischen Gesellschaft erfahren die neuen Machthaber deshalb Gegenwind.

Trotz der Versuche der militant-islamistischen Taliban*, diese teils mit Gewalt zu unterdrücken, gibt es in Afghanistan weiterhin Proteste. Am Mittwoch (8. September) demonstrierten rund 20 Frauen im Stadtteil Dascht-e Bartschi im Westen der Hauptstadt Kabul. Das berichteten Videos in sozialen Medien und lokale Journalisten. Die Frauen riefen „Ein Kabinett ohne Frauen wird versagen“ und kritisierten damit die am Dienstag verkündete Übergangsregierung der Taliban, die ein reines Männerkabinett ist.

Frauen-Proteste gegen Taliban: „Wieso sieht die Welt stillschweigend zu“?

Die Frauen hielten auch Schilder mit den Worten „Arbeit, Bildung, Freiheit“ und „Wieso sieht die Welt stillschweigend zu?“ hoch. Ein kleinerer Frauenprotest wurde aus der Stadt Faisabad im Norden berichtet, der lokalen Medienberichten zufolge aber schnell aufgelöst wurde. 

Auch in Kabul finden den dritten Tag in Folge Proteste statt. Die Demonstrationen richteten sich bisher teils gegen eine mutmaßliche Einmischung Pakistans in Afghanistan, forderten teils mehr Frauenrechte oder kritisierten die gewaltsame Übernahme der Provinz Pandschir durch die Taliban am Montag (6. September). 

Taliban gehen bei Protesten gewaltsam gegen Aktivisten und Journalisten vor

In den Provinzen Gasni und Ghor verhinderten die Islamisten am Dienstag laut Einwohnern Demonstrationen. In der Stadt Herat im Westen kam es am Dienstag zu gewaltsamen Zusammenstößen. Ein Aktivist aus der Stadt sagte am Mittwoch, es seien mindestens zwei Demonstranten getötet und sieben verwundet worden. Die Taliban feuerten demnach Schüsse ab, um die Demonstranten auseinanderzutreiben.

Am Dienstag nahmen die Taliban eine Gruppe von Reportern und Kameramännern für mehrere Stunden fest, nachdem sie über den Protest in Kabul berichteten. Mehrere große lokale TV-Sender stellten daraufhin am Mittwoch die Berichterstattung über die Proteste ein. Offenbar kam es erneut zu Zusammenstößen mit Medienvertretern. Ein Reporter der „Los Angeles Times“ schrieb am Mittwoch auf Twitter, er und sein Fotograf seien von Taliban herumgeschubst worden, als sie versuchten, über einen Frauenprotest in Kabul zu berichten. (dpa/AFP/sf) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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