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Afghanistan: Widerstand gegen die Taliban? Sohn „des Löwen von Pandschir“ will Front formieren

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    VonAnna-Katharina Ahnefeld
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In Afghanistan will der Sohn eines bekannten Taliban-Gegners Widerstand formieren. Im Pandschir-Tal versammelt er Kämpfer um sich.

Kabul – In Afghanistan formiert sich Widerstand. Im Pandschir-Tal, circa 150 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt, versucht ein 32-Jähriger eine Front gegen die militant-islamistischen Taliban zu organisieren. Die kleine Provinz hatte bereits vor 30 Jahren erbitterten Widerstand geleistet. Ahmad Massoud ist Sohn des gleichnamigen legendären Taliban-Gegners, der in den 90er-Jahren die Terrorgruppe bekämpfte und kurz vor 9/11 ermordet wurde. Auch genannt, der „Löwe von Pandschir“. Das berichtet unter anderem ntv. Die Familie Massoud ist Teil der ethnischem Minderheit der Tadschiken. Die Mehrheit der Taliban wiederum gehören offenbar den Paschtunen an.

Unter dem Titel „Nationale Widerstandsfront von Afghanistan“ sammelt Massoud laut ARD in dieser letzten Bastion, die die Taliban nicht eingenommen hat, Kämpfer um sich. Und tritt damit, so scheint es, das Erbe seines Vaters als letzter Gegner der Taliban in Afghanistan an. Bereits am Montag hatte Massoud ein ARD-Interview gegeben und sich mit einem Appell an den Westen gewandt.

Afghanistan: In letzter freier Bastion organisiert Sohn eines Nationalhelden den Widerstand

Das schwer zugängliche Pandschir-Tal, Heimat der Tadschiken, stellt mit seinen steilen Bergen eine natürliche Festung dar. Von dort aus soll sich offenbar aktuell eine breite Allianz bewaffneter Kämpfer formieren. Als wichtiger Verbündeter gilt Vize-Präsident Amrullah Saleh, der nach der Einnahme Kabuls in das Gebirge geflüchtet sein soll. Er gilt ebenfalls als einer der Anführer der „Nationalen Widerstandsfront von Afghanistan“, des sogenannten Pandschir-Widerstands.

International bekommt die Widerstands-Bewegung große Aufmerksamkeit. Massoud konnte kürzlich in der renommierten US-Zeitung Washington Post einen Meinungsbeitrag veröffentlichen. Darin erklärte er: „Ich schreibe heute aus dem Pandschir-Tal, bereit, in die Fußstapfen meines Vaters zu treten, mit Mudschaheddin-Kämpfern, die bereit sind, es erneut mit den Taliban aufzunehmen. Wir haben Munitions- und Waffenvorräte, die wir seit der Zeit meines Vaters geduldig gesammelt haben, weil wir wussten, dass dieser Tag kommen könnte.“

Weiter gab er an: „Wir haben auch die Waffen der Afghanen, die in den letzten 72 Stunden auf meinen Aufruf reagiert haben, sich dem Widerstand in Pandschir anzuschließen. Wir haben Soldaten der afghanischen regulären Armee, die von der Kapitulation ihrer Kommandeure angewidert waren und sich jetzt mit ihrer Ausrüstung auf den Weg zu den Hügeln von Pandschir machen. Auch ehemalige Mitglieder der afghanischen Spezialeinheiten haben sich unserem Kampf angeschlossen.“ In dem offenen Brief bat er die internationale Gemeinschaft um Hilfe im Kampf gegen die Taliban.

Pandschir-Widerstand in Afghanistan: Taliban umzingeln letzte nicht-eingenommene Bastion des Landes

Die Taliban wiederum sollen das Tal umzingelt haben. Doch noch herrscht offenbar Waffenruhe. „Weder haben die Taliban uns angegriffen, noch haben wir die Taliban angegriffen“, sagte Massouds Assistent, Fahim Daschti, dem Sender ntv. Doch die Vorbereitungen auf eine bewaffnete Auseinandersetzung laufen offenbar. Auf Twitter verbreiteten sich Videos, die angeblich zahlreiche Fahrzeuge mit Bewaffneten und Panzer im Pandschir-Tal zeigten.

Wie erfolgreich der Widerstand des jungen „Löwen von Pandschir“ gegen die Taliban sein wird, ist offen. Beobachtende sagen laut ntv, Massoud habe zwar einen großen Namen, aber kaum Verbündete. Auch die Bereitschaft der Bevölkerung, einen Krieg wieder aufzunehmen, gilt als ungewiss. Auch habe bislang kein Land Massoud seine Unterstützung zugesagt.  „Das sind eher Versuche eines Widerstandes“, sagt auch Thomas Ruttig, Denkfabrik Afghanistan Analysts Network. Ohne Unterstützung von außen dürften die Kräfte des Widerstands im Pandschir-Tal schnell an ihre Grenze gelangen. (aka)

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