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Afghanistan-Streit: Trump geht auf Biden los und fordert Rücktritt „in Schande“

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Am Sonntag erreichten die Taliban die afghanische Hauptstadt Kabul. Aus den USA hagelt es derweil Kritik am Militäreinsatz der US-Truppen und an Präsident Biden.

Washington - Nach einem zehntägigen Eroberungsfeldzug durch Afghanistan erreichten die Taliban am Sonntag (15. August) die Hauptstadt Kabul. Die afghanische Regierung erklärte sich zur Machtübergabe bereit und Präsident Aschraf Ghani floh ins Ausland. Aus den USA werden nun Stimmen der Kritik gegen die eigenen Reihen laut.

Ex-Präsident Donald Trump forderte am Sonntag Amtsinhaber Joe Biden zum Rücktritt auf, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Biden solle „in Schande“ zurücktreten, „für das, was er in Afghanistan zugelassen hat“. Trump hatte Bidens Abzugspläne mehrfach kritisiert und behauptet, er hätte den Truppenabzug aus Afghanistan erfolgreicher bewerkstelligt.

US-Truppenabzug aus Afghanistan: Trump kritisiert Biden

In einer Mitteilung schrieb er außerdem: „Was Joe Biden mit Afghanistan gemacht hat, ist legendär. Es wird als eine der größten Niederlagen in die amerikanische Geschichte eingehen.“ Darüber hinaus kritisierte er laut AFP auch die Einwanderungs-, Wirtschafts- und Energiepolitik seinen Nachfolgers.

Während seiner Amtszeit hatte Ex-Präsident Trump 2018 erste Gespräche mit den Taliban in Katar geführt. Diese mündeten im Februar 2020 in einer Vereinbarung, in der ein Zeitplan für den Abzug der US-Truppen festgelegt wurde. Der Rückzug verzögerte sich allerdings, sodass die ersten Truppen erst im Mai 2021 unter Nachfolger Biden das Land verließen. Parallel dazu zogen auch andere Nato-Truppen aus Afghanistan ab, darunter die Bundeswehr.

Joe Biden, Präsident der USA, spricht im East Room des Weißen Hauses
US-Präsident Joe Biden muss sich für den Truppenabzug in Afghanistan rechtfertigen. Es hagelt Kritik. © Evan Vucci/ dpa

Ex-Minister Chuck Hagel: „Sind in Afghanistan vom Weg abgekommen“

Der ehemalige US-Verteidigungsminister Chuck Hagel kritisierte währenddessen den Militäreinsatz in Afghanistan. „Wir haben die Kultur nie verstanden, wir haben die Religion nie verstanden, das Stammesdenken, die Geschichte“, sagte der Republikaner am Sonntagnachmittag dem Nachrichtensender CNN. Laut Berichten der dpa hält Hagel das für einen der Gründe, weshalb die Besatzung Afghanistans scheiterte. „Wenn man 20 Jahre lang als Besatzungsmacht an einem Ort bleibt, werden die Dinge nicht gut ausgehen (...), weil man am Ende von vielen Menschen als Besatzer angesehen wird“, so Hagel.

Die USA hätten viele gute Dinge dafür getan, um ein sicheres Land zu schaffen, betonte der Ex-Minister. Allerdings sagte Hagel im Interview mit CNN auch: „Ich glaube, wir sind vom Weg abgekommen und haben nicht wirklich verstanden, was wir da machen.“ In Hinblick auf die Entscheidung des Truppenabzugs meinte er, dass es wohl kaum eine gute Lösung gegeben hätte.

Nach Berichten der Nachrichtenagentur AFP wird der Flughafen in Kabul derzeit noch von 6000 US-Soldaten gesichert, um Evakuierungsmaßnahmen zu ermöglichen. Sollte dieser an die militant-islamistischen Taliban fallen, würde das eine „sehr gefährliche Dynamik“ in Gang setzen, schätzte Hagel die Situation ein. „Ohne ihre Zustimmung und ihr Einverständnis kann man dann nichts rein- oder rausbringen“, so Hagel.

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