Bei dem Drohnenangriff wurde ein Auto vor einem Haus in Kabul getroffen. Doch es starben keine Terroristen, sondern Zivilisten.
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Bei dem Drohnenangriff wurde ein Auto vor einem Haus in Kabul getroffen. Doch es starben keine Terroristen, sondern Zivilisten.

General entschuldigt sich

Drohnenangriff in Afghanistan: USA gestehen „tragischen Fehler“ - Entschädigungs-Forderungen werden laut

Die USA räumen die Tötung unschuldiger Zivilisten bei einem Drohnenangriff in Kabul ein. Ein General sprach den Opfern sein „tiefes Beileid aus“. Nun werden Entschädigungsforderungen laut.

Update vom 18. September: Der Tod von Zivilisten und Kindern bei einem US-Luftangriff in Kabul Ende August hat trotz einer Entschuldigung des US-Militärs in Afghanistan Wut und Entschädigungsforderungen ausgelöst. „Gut zu sehen, dass die Wahrheit vom Pentagon anerkannt wird“, twitterte die Vorsitzende der Unabhängigen Afghanischen Menschenrechtskommission, Schaharsad Akbar, auf Twitter. „Jetzt Wiedergutmachung und Gerechtigkeit“.

„Es wirkt so, als wollten die USA mit einer Entschuldigung alles abschließen“, sagte der prominente afghanische Fernsehmoderator Muslim Schirsad der Deutschen Presse-Agentur. Doch das allein könne den Schmerz der Hinterbliebenen nicht lindern. Er forderte die USA auf, Entschädigungen zu zahlen.

„Worte des Bedauerns reichen nicht aus“, sagte auch die stellvertretende Asien-Direktorin bei Human Rights Watch, Patricia Gossman. Es bedarf einer „gründlichen und unabhängigen Untersuchung“ des US-Drohnenangriffs. Dieses Vorgehen seitens der USA sei nicht neu, in den vergangenen 20 Jahren aber „völlig ungestraft“ geblieben.

Drohnenangriff in Afghanistan: USA gestehen „tragischen Fehler“

Meldung vom 17. September: Kabul/München - Zehn Zivilisten starben durch eine US-Drohne, und keiner davon war beim IS: Die amerikanischen Streitkräfte haben eingeräumt, bei einem Drohnenangriff in der afghanischen Hauptstadt Kabul Ende August zehn unschuldige Zivilisten getötet zu haben, unter ihnen sieben Kinder. Der Drohnenangriff wenige Tage nach einem blutigen Anschlag am Flughafen von Kabul sei ein "tragischer Fehler" gewesen, sagte der Chef des Zentralkommandos der US-Streitkräfte, General Kenneth McKenzie, am Freitag.

McKenzie sagte über den Angriff: "Wir stufen es jetzt als unwahrscheinlich ein, dass das Fahrzeug und die Getöteten Verbindungen zu ISIS-K hatten oder eine direkte Bedrohung für US-Truppen darstellten", sagte McKenzie. Als ISIS-K oder IS-K wird der afghanische Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bezeichnet.

US-General: Streitkräfte waren damals überzeugt, dass das Fahrzeug eine Gefahr darstellte

Laut McKenzie htten die US-Streitkräfte hätten am 29. August in der festen Überzeugung gehandelt, dass das Fahrzeug eine Gefahr für US-Soldaten und auf eine Ausreise wartende Menschen am Kabuler Flughafen dargestellt habe. Nun habe eine Armee-Untersuchung festgestellt, dass dies ein Fehler gewesen sei. Der General entschuldigte sich und sprach den Angehörigen und Freunden der Opfer sein "tiefes Beileid" aus, ebenso wie auch Verteidigungsminister Lloyd Austin. Dieser versprach, die USA würden aus diesem "furchtbaren Fehler" lernen.

An der ursprünglichen Version der USA waren schnell Zweifel laut geworden. Die US-Streitkräfte hatten Ende August zunächst erklärt, Ziel des Drohnenangriffs sei ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug des IS gewesen, das eine unmittelbare Bedrohung für den Flughafen von Kabul dargestellt habe. Ein Verwandter eines Opfers beteuerte, sein toter Bruder habe für eine Nichtregierungsorganisation gearbeitet. Auch Videoaufnahmen der New York Times führten zur Wahrheit.

Vorausgegangen war drei Tage vor dem Drohnenangriff ein Anschlag eines IS-Selbstmordattentäter inmitten der laufenden Evakuierungsaktion am Flughafen von Kabul, der rund hundert Menschen getötet hatte. 13 US-Soldaten waren unter den Opfern. (cg mit dpa)

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