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„Du bist immer die Ilse geblieben“

Seehofers Späße zu Aigners 50. Geburtstag

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Westerham - Ministerin Aigner feiert ihren 50. Geburtstag mit Freunden und wenigen Parteifreunden. Der Chef immerhin ist eingeladen.

Wie sie da so sitzt in ihrem Dirndl, kann man Ilse Aigner parteiübergreifend echt zum Fressen gern haben. Der Kopf wäre als erstes dran, dann vielleicht mit einem Bissen die Arme. Aus Marzipan geformt lächelt Aigner von ihrer eigenen Geburtstagstorte, dort ist sie liebevoll drapiert neben einer Schokoladen-50 und unter einem Hochspannungsmast. So feiert man also als Energieministerin das erste halbe Jahrhundert.

Bilder: Ilse Aigner feiert ihren 50. Geburtstag

Die echte Ilse Aigner sitzt derweil am Ehrentisch in der Mitte des Schützenhauses in Westerham, alle zwei Minuten springt sie auf, um wieder einen neuen Gast zu begrüßen. Eigentlich ist das ja ihre private (und privat bezahlte!) Feier am Sonntagvormittag mit der Familie, aber was ist schon privat für eine Promi-Politikerin? Also kommt der Bürgermeisterchor des Landkreises Rosenheim auf die Bühne, „A recht guade Gsundheit soll der Herrgott Dir geb’n“, singen sie und ernennen Aigner zum Ehrenmitglied. Die letzten Töne liegen noch in der Luft, da halten zwei Limousinen mit Blaulicht vorm Schützenhaus, der Ministerpräsident möchte gratulieren, Horst Seehofer kommt mit Gattin Karin. Eh schon da sind Vorgänger Edmund Stoiber mit Karin, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die CSU-Oberen Gerda Hasselfeldt, Angelika Niebler (ihr Mann Michael hält eine sehr launige Festrede) und Thomas Kreuzer, dazu die beste Freundin aus der Politik, Monika Hohlmeier. EADS-Chef Tom Enders, ein enger Aigner-Freund, ist angekündigt, Starkoch Alfons Schuhbeck schaut schnell vorbei, aus der organisierten Wirtschaft sind zudem unter anderem Bertram Brossardt und Georg Fahrenschon da. Sie plaudern mit Aigner, ihrer Mama, den Schwestern, Cousinen, Patenkindern, bewundern sogar die Großnichte, die nur unwesentlich größer als die Marzipan-Ilse von der Torte ist, aber halt auch erst drei Wochen alt. „Die drei F – Familie, Freunde, Vorsitzende“, witzelt Aigner in ihrer kurzen Rede. „Es gibt noch viel mehr nette Menschen, aber die hätten hier gar net Platz gehabt“, erzählt sie. Leider nicht dabei ist etwa Kollege Markus Söder, der nur per Twitter und Facebook „aus der Ferne“ gratuliert.

Aus der Ferne kann er nicht hören, wie Seehofer eine Hymne auf Aigner hält. „Du bist immer die Ilse geblieben“, sagt er unter Beifall. Man resgistriere „deine Bescheidenheit.“ Ein paar Scherze zum Thema Kronprinzen macht er natürlich, erzählt, wie Aigner auf einer Auslandsreise versehentlich statt als „stellvertretende“ als „ständige“ Ministerpräsidentin begrüßt wurde. „Die sind der Zeit voraus“, witzelt Seehofer.

Er hat aber auch eine sehr ernst gemeinte Botschaft, die sich nicht nur an Aigner richtet. Er wiederholt sie zweimal: „Deine beste Waffe ist nicht die Inszenierung, sondern das Argument. Nicht der schnelle Effekt, sondern der nachhaltige Erfolg ist dein Kompass.“ Aigners Gästen rät Seehofer: „Schauen Sie immer drauf bei Politikern: Was ist Schein, was ist Sein?“

cd

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