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Wie fördert man kreative Jungunternehmer? Wirtschaftsministerin Ilse Aigner will sich in den USA Tipps für Bayern holen – bei kleinen und ganz großen Firmen.

Interview

Aigner: Das kann Bayern von den USA lernen

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München - Bei ihrer zweitägigen USA-Reise besucht Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) das Silicon Valley und Las Vegas. Im Interview sagt sie, was Bayern ihrer Meinung nach von den USA lernen kann.

Ilse Aigner (CSU) hetzt von Termin zu Termin. Im Silicon Valley und Las Vegas spricht die bayerische Wirtschaftsministerin auf ihrer zweitägigen USA-Reise mit kleinen, aber inzwischen auch ganz großen Start-ups, mit Banken und Investoren. Was sie von Google, Hewlett Packard und Andreessen Horowitz lernen will: Wie man Bayern zu einem Zentrum für Firmengründer machen kann.

Frau Aigner, waren die Damen und Herren bei Google eigentlich irritiert, dass nach Markus Söder schon wieder ein Minister aus Bayern zu Besuch ist?

Es können offenbar gar nicht genug kommen. Man hat deutlich gespürt, dass die nicht unser Verständnis von Datenschutz haben und wir noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Haben Sie das aktiv angesprochen?

Ja. Aber nur am Rande. Es ist ja nicht mein Hauptthema bei dieser Reise. Mir geht es darum, den Geist des Unternehmens zu verstehen und die Entwicklung der letzten 15 Jahre nachzuvollziehen.

Sie interessieren sich für Start-ups. Was kann Bayern von den USA lernen?

Wir müssen unsere Kultur, unser Denken ändern: Hier im Silicon Valley verliert keiner den Mut, wenn er ein Unternehmen gründet, das nicht gleich durchschlagenden Erfolg hat. Es herrscht eine unglaubliche Aufbruchstimmung. Menschen aus der ganzen Welt kommen hierher, um sich zu versuchen. Und manchmal braucht das eben zwei oder drei Anläufe.

Was kann die Politik da machen?

Man muss den Gründern zeigen, dass sie gesellschaftlich erwünscht sind. Ich hatte erst vor ein paar Tagen in München ein ganz tolles Treffen mit 350 Unternehmensgründern, meist ganz jungen Menschen. Da herrschte eine tolle Atmosphäre, eben auch voller Aufbruch. Das brauchen wir! Wir dürfen nicht zu selbstzufrieden werden.

Sie meinen: Es geht uns zu gut?

Wir glauben zumindest, dass es uns immer gut gehen wird. Das steht aber nicht im Grundgesetz. Andere Regionen haben deutlich mehr Dynamik, deshalb müssen wir neue Ideen kreieren.

Sind deutsche Investoren nicht mutig genug?

Wir könnten deutlich mehr Wagniskapital gebrauchen. Deshalb gründen wir einen Wachstumsfonds: Staatsregierung und private Investoren bringen da 250 Millionen Euro zusammen – damit kann man schon was anfangen. Die größte Lücke, die wir ausgemacht haben, ist, die Firmen nach der Gründung noch eine Zeit lang weiterzufinanzieren.

Kann man sich da konkret von den USA etwas abschauen?

Die Voraussetzungen sind anders: Allein durch die Pensionsfonds, die gigantische Summen verwalten, gibt es in den USA andere Möglichkeiten. Außerdem setzt bei uns die Bankenaufsicht engere Grenzen.

Was kann Bayern Investoren denn bieten?

Wir haben hervorragende Universitäten und Forschungseinrichtungen, die gut ausgebildete Akademiker hervorbringen. Die großen Unternehmen und der Mittelstand fühlen sich hier wohl. Diese größeren Tanker müssen wir nun mit den Schnellbooten verbinden. Wir brauchen ein Ökosystem.

Klingt gut. Aber leider hat der Großraum München einen riesigen Standortnachteil: Hohe Mieten, teure Lebenshaltungskosten locken nicht gerade junge Gründer mit kleinem Geldbeutel an. Die gehen lieber nach Berlin.

Das hat mich bei dieser Reise überrascht: Offenbar ist dieser Faktor nicht entscheidend, denn Sie finden in ganz Amerika kaum teurere Mieten und höhere Steuern als im Silicon Valley. Trotzdem kommen viele Menschen aus der ganzen Welt hierher, weil es ein Netzwerk gibt. Bayern muss auch ein solcher Hotspot werden.

Gibt es konkrete Bereiche, die Sie dafür im Auge haben?

Einer könnte die Sicherheitstechnologie sein. Natürlich bieten sich auch Automobil- und Maschinenbau an. Wenn wir da gute Schwerpunkte setzen, gibt es hier durchaus ermutigende Signale.

Welche denn?

Die Silicon Valley Bank, die sich auf die Unterstützung von Start-ups spezialisiert hat, möchte in Deutschland ein Büro eröffnen. Bislang war nur Berlin angedacht. Jetzt gibt es Überlegungen für ein zweites Büro in München. Das wäre natürlich ein wichtiger Schritt für uns.

Sie werden von Klaus Helmrich, Technik-Vorstand bei Siemens, begleitet. Mit welchem Hintergedanken?

Auch ein Großkonzern wie Siemens braucht neue Ideen von außen. Und für die Start-ups ist es wichtig, einen ersten Kunden zu bekommen, damit ihre Firmen lernen und langfristig überleben können. Siemens investiert zwar auch im Silicon Valley, aber wir hoffen natürlich auch auf Investitionen in Bayern.

Interview: Mike Schier

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