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Von wegen friedlich: Ilse Aigner - das Foto entstand beim Starkbieranstich am Nockherberg - stichelt gegen Finanzminister Markus Söder.

Das Stechen hat begonnen

Aigner stichelt gegen Söder

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München – Frau Aigner entwickelt plötzlich Biss. Mit ihrem Auftritt auf dem CSU-Parteitag und mit einem Interview fährt die Vize-Ministerpräsidentin die Ellbogen aus im parteiinternen Wettlauf um die Seehofer-Nachfolge. Gegen einen stichelt sie gezielt.

Es gebe zwei Jahrhundertprojekte in Bayern, sagte Aigner bei ihrer Parteitagsrede, Energiewende und Digitalisierung – „für beides bin ich verantwortlich“. Was nach harmlosem Selbstlob klingt, ist eigentlich eine Spitze gegen Söder, der sich selbst für das Digitalisierungsthema verantwortlich hält. Ähnliches vollzog sie beim Thema „ländlicher Raum“, für das eigentlich Heimatminister Söder zuständig ist. Ungewöhnlich selbstbewusst trat Aigner vor den Delegierten in Bamberg auf, sie war von ihren Beratern entsprechend angestachelt worden.

Nun folgt der zweite Schritt. In der Zeitung „Die Welt“ betont Aigner, dass Bayern reif für eine Ministerpräsidentin sei. „Wir haben an der Spitze Deutschlands eine sehr erfolgreiche und hoch anerkannte Frau. Und ich denke nicht, dass Bayern rückschrittlich ist. In Bayern kann so selbstverständlich eine Frau regieren wie Angela Merkel im Bund.“ Erstmal spricht sie auch offen über ihren Stil, der sich von dem der Männer diametral unterscheiden soll. "Vor allem pflegen Frauen einen anderen Politikstil: Sie sind vielleicht leiser, nicht so sehr auf den Effekt bedacht", sagt Aigner. Sie seien "bessere Team-Spieler". Auf Effekt bedacht zu sein, wird häufig Söder vorgeworfen - Aigner setzt sich davon gezielt ab.

Im Interview äußert sie sich auch über eine mögliche Arbeitsteilung mit Söder - er vielleicht Parteichef, sie vielleicht Ministerpräsidentin? "Doppelspitzen haben Vor- und Nachteile. Wichtig ist aber nicht das Kriterium männlich/weiblich, sondern die Frage, ob sich die beiden an der Spitze blind vertrauen." Dass sich die zwei Minister nicht vertrauen, schon gar nicht blind, ist in der Landespolitik ein offenes Geheimnis. Aigner bemüht sich zudem darum, ihre Rolle als Chefin des größten CSU-Bezirksverbands herauszukehren. "Es ist klar, dass Oberbayern immer ein gewichtiges Wort mitredet, wenn es um wichtige Positionen geht. Immerhin geht ein Drittel der Bayern in Oberbayern zum Wählen. Deshalb ist es immens wichtig, wie die Oberbayern integriert werden und wie begeistert sie dann für die CSU stimmen."

Eine Reaktion von Söder ist nicht bekannt. Er hatte in seiner Parteitagsrede beinahe väterlich "die Ilse" gelobt, trotzdem aber den breitesten Beifall eingefahren. Söder liegt in den Umfragen für eine mögliche Seehofer-Nachfolge - steht spätestens 2018 an - derzeit vorn. Im Januar ermittelte Infratest dimap für die BR-Sendung "Kontrovers", dass in der Bevölkerung Söder mit 41 Prozent vor Aigner (24), Innenminister Joachim Herrmann (12) und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (7 Prozent) führe. Unter den CSU-Anhängern ist der Abstand Söder-Aigner sogar bei 46:25.

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