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Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU).

Kunde soll wissen, wo Fleisch herkommt

Aigner will exakte Angaben auf Lebensmitteln

Brüssel - Der Pferdefleisch-Skandal betrifft viele europäische Länder. Um Vertrauen zu schaffen, fordert Landwirtschaftsministerin Aigner: Auch bei verarbeiteten Lebensmitteln soll klar auf dem Etikett stehen, wo das Fleisch herkommt.

Deutschland pocht auf eine rasche Änderung der EU-Regeln zur Etikettierung von verarbeiteten Lebensmitteln. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will, dass das Herkunftsland von Fleisch auf der Packung steht. Bisher gibt es solche Regeln nur für frisches Rindfleisch, für andere Fleischarten sind sie geplant. „Für mich ist klar, dass die Kennzeichnung für alle Fleischarten gelten und das Land der Aufzucht auf der Verpackung stehen muss“, teilte Aigner beim Treffen der EU-Landwirtschaftsminister am Montag in Brüssel mit.

Bei EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg stieß Aigner damit auf Zurückhaltung. An dem Skandal um die Umdeklarierung von Pferdefleisch zu Rind hätte auch eine genauere Ausweisung nichts geändert, sagte er: „Dieser Vorfall wäre dennoch passiert.“ Bewusste Fehlinformation über die Fleischart sei nicht zu verwechseln mit der Nennung des Herkunftslandes.

Eine Analyse der EU-Kommission zur Herkunftskennzeichnung werde er im Herbst vorlegen, versprach Borg. Neben Deutschland seien auch Frankreich, Rumänien und Italien für eine klarere Kennzeichnung, hatte der französische Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll erklärt. Borg versprach: „Ich stehe dieser Sache offen gegenüber und werde auf den Bericht warten.“

Auch Le Foll räumte ein, dass eine Ausweisung des Ursprungslandes den Pferdefleisch-Skandal nicht verhindert hätte. „Natürlich werden Kennzeichnungen nicht das Problem des Betrugs lösen“, sagte Le Foll. „Aber je weiter man geht bei der Herkunftsverpflichtung, desto weniger Raum bleibt für jene, die betrügen wollen. Und desto mehr Vertrauen gibt man den Verbrauchern.“

Le Folls österreichischer Amtskollege Niki Berlakovich schlug einen „europäischen Reisepass für Lebensmittel“ vor, um Lebensmittel auszuweisen. „Wenn man sieht, dass heute Fleisch durch halb Europa reist, um in einem Lebensmittel wieder anzukommen, da haben die Konsumenten ein Recht darauf zu wissen, woher das Fleisch kommt.“

Betrug wie beim Pferdefleisch könne immer wieder vorkommen, sagte der irische Landwirtschaftsminister Simon Coveney. Europa müsse das Ergebnis der laufenden DNA-Tests abwarten sowie die Fahndung nach dem Medikament Phenylbutazon in Pferdefleisch. Dann müssten die Staaten gemeinsam über weitere Regeln nachdenken. „Es ist frustrierend, fast jeden Tag neue Geschichten veröffentlicht zu sehen“, beklagte er. Irland führt derzeit den Vorsitz im Kreis der EU-Staaten und ist damit Organisator bei Treffen der nationalen Minister.

Die Grünen im Europaparlament verlangten am Montag, die Kontrollmöglichkeiten des europäischen Lebensmittel- und Veterinäramts zu stärken. Die Fraktionsvorsitzende Rebecca Harms sah die Skandale um Pferdefleisch und Eier im System begründet. Die globalen Lieferketten seien zu lang für wirkliche Kontrolle, zudem sei der Preisdruck stark. Sie forderte, es solle weniger Geld aus europäischen Töpfen direkt an Bauern gehen und mehr zum Beispiel in die Förderung regionaler Erzeugnisse.

dpa

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