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Die Staatsregierung plant: Die Stromtrassen, für die es bislang gar keinen Bedarf gab, sollen nun außerhalb Bayerns verlaufen.

Neuer Plan

Aigner will Stromtrassen fast komplett aus Bayern verbannen

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München - Die Staatsregierung ändert im Poker um neue Stromtrassen mal wieder die Strategie. Die Trassen, für die es bislang gar keinen Bedarf gab, sollen nun außerhalb Bayerns verlaufen. Dort findet man das weniger lustig.

Wenn es sein muss, betätigt sich der Ministerpräsident auch höchstselbst als Planer: Es war im vergangenen November, als Horst Seehofer beim Interview zum Stift griff, um den Verlauf der von ihm abgelehnten Stromtrassen neu zu skizzieren. Schwungvoll strich der Ministerpräsident die östliche Trasse durch Bayern einfach weg – und setzte an die deutlich westlicher verlaufende einen kleinen Haken in Richtung Bayern. „Mir hat noch niemand überzeugend erklären können, warum es nicht genügen würde, nur eine Trasse zu bauen, mit einem Durchstich nach Schwaben“, sagte Seehofer.

Mehr als ein halbes Jahr später nimmt die Überlegung, die Trassen einfach durch andere Länder verlaufen zu lassen, konkretere Formen an. „Stellungnahme zum 2. Entwurf des Netzentwicklungsplans Strom 2024“ lautet die Betreffzeile des fünfseitigen Schreibens aus dem Hause von Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, über das am Wochenende der Bayerische Rundfunk berichtete – und das seitdem die Gemüter hochschlagen lässt. Darin regt Bayern erhebliche Änderungen des bisher geplanten Verlaufs an – und zwar deutlich weiter westlich und vorwiegend außerhalb des Freistaats.

Aigner gehe es um eine faire Lastenverteilung zwischen den drei Verbrauchszentren im Süden, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern, heißt es aus dem Umfeld der Ministerin. Der Freistaat sei nicht bereit, als einziges Bundesland zwei neue Gleichstromtrassen hinzunehmen. „Es gilt, ein Übermaß an infrastruktureller Belastung durch Leitungen zu vermeiden“, heißt es im Schreiben von Aigners Amtsleiter Bernhard Schwab. „Die Region Grafenrheinfeld darf nicht zur nationalen Stromdrehscheibe werden.“ Die westliche Leitung soll deshalb vom geplanten Endpunkt in Baden-Württemberg (Großgartach) weitgehend auf Bestandstrassen statt nach Grafenrheinfeld bis nach Gundremmingen führen.

In den benachbarten Ländern stößt der Vorstoß auf wenig Verständnis. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sagte, das Land werde sich „die Unverschämtheiten aus München nicht gefallen lassen“. Der Vorschlag sei „an Dreistigkeit nicht zu überbieten“ und gehe zu Lasten anderer. Der umstrittene SuedLink würde dann erst auf den letzten Metern in Bayern landen. „Die bayerische Landesregierung kann nicht ernsthaft glauben, dass dieser wahnwitzige Vorschlag auch nur den Hauch einer Realisierungschance hat.“ Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) sagte, es gebe „überhaupt keinen fachlichen Grund, vom vereinbarten Verfahren abzuweichen und die Netzausbaupläne grundlegend zu ändern“.

Die bayerische Opposition reagierte mit Hohn und Spott. Hubert Aiwanger von den Freien Wähler sagte: „Das ist so, als würde ich eine Kegelbahn in Nachbars Garten bauen wollen, weil ich meinen eigenen Rasen nicht zerstören will.“

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Von Mike Schier (mit dpa)

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