Abgrenzung von der AfD

Aiwangers Kampf gegen die Ex-Freunde

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München – Mit einem „Ja, aber“-Kurs zu Europa und EU wollen sich die Freien Wähler von der AfD abgrenzen. Chef Hubert Aiwanger geht nun auf Konfrontationskurs.

Die Sache mit dem Blödsinn hängt Hubert Aiwanger noch ein bisschen nach. Es war im Juni 2012, da stellte der Freie-Wähler-Chef mal wieder einen potenziellen Spitzenkandidaten der Presse vor. Den Adenauer-Enkel Stephan Werhahn könne man auf einer Liste „ziemlich weit nach vorn stellen, ohne dass man Angst haben muss, dass Blödsinn passiert“. Nun ja: Aiwanger irrte.

Werhahn wurde Spitzenkandidat im Bund – lief aber bald zur CDU über. Der ebenfalls mal als Zugpferd präsentierte Ex-Industrielobbyist Hans-Olaf Henkel wechselte unter Getöse auf die Liste der Alternative für Deutschland (AfD). Kein Wunder, dass Aiwanger von Blödsinn jeder Art die Nase gestrichen voll hat. Statt mondän mit „Henkel und Enkel“ plant er jetzt mit einer bodenständigen Spitzenkandidatin für die Europawahl. Ulrike Müller, eine gewitzte schwäbische Bäuerin und Landtagsabgeordnete, ließ er an die Listenspitze wählen. „Das ist die Kandidatin von unten, nicht von oben“, sagt er. „Den Gegenpol mach’ ich gerne“, sagt sie.

Die Frage ist nur: Gegenpol zu wem? Als einen Hauptgegner bei der Europawahl identifiziert Aiwanger die bei rund 50 Prozent liegende CSU. „Wir dürfen uns nicht einlullen lassen“, die CSU „stänkert über Brüssel, aber stimmt da in Wahrheit bei allem mit“. Darauf hinzuweisen, sei die „große Strategie“. Inhaltlich sind die Differenzen dabei gar nicht so groß: Auch die Freien sind für Volksabstimmungen zu neuen EU-Mitgliedern, für eine Schrumpfung der Kommission („zehn Kommissare reichen“). Auch sie betonen dennoch ein grundsätzliches Ja zu Europa, weil die EU viele Vorteile bringe.

Den härteren Kampf allerdings dürften sich die Freien Wähler mit der AfD liefern. Biblisch gesprochen, sind sie Fleisch vom Fleische. Nicht nur Henkel. Auch AfD-Chef und Europa-Listenführer Bernd Lucke kandidierte mal für die Freien in Niedersachsen, man duzt sich. Die AfD formierte sich, als Aiwanger den radikalen Anti-Euro-Kurs nicht weiter mitgehen wollte. „Deutschland raus aus dem Euro, das war sein Ding“, sagt er über Lucke. Der FW-Chef wollte das ebensowenig wie Henkels Plan eines Nord- und Süd-Euro. Heute glaubt er, die Ex-Freunde hätten die Freien gezielt unterwandern wollen.

Aiwanger ist beim Thema EU weniger schrill geworden. Die Stimmen der Euro-Skeptiker, denen die von der CSU mitbeschlossenen Rettungsschirme zu weit gehen, hätte er dennoch gern im Kampf mit der Drei-Prozent-Hürde. Er wirbt deshalb mit dem Konzept einer Parallelwährung für neue oder taumelnde Euro-Länder, etwa Griechenland. Auch da argumentiert Lucke aber ähnlich.

Aiwanger sucht nun die direkte Attacke. Er greift Berichte über homophobe Beiträge bei der AfD auf: „Wir stehen zu Familie und traditionellem Gesellschaftsbild“, die Stimmungsmache der AfD sei aber inakzeptabel. Er stellt sie zudem dar als am Tropf von Großspendern hängende Partei. „Wir sind für die Region, für Kommunen und Bürger da. Die AfD ist für Großunternehmen und Großkopferte.“ Nicht mal hunderttausend Euro hätten die Freien Wähler für den Wahlkampf: „Wir setzen nicht die Millionen von fremden Leuten ein.“

Die Ausgangslage skizziert der jüngste „Bayerntrend“ des BR. Da liegen die Freien Wähler in Bayern bei 4 Prozent, die AfD bei drei. Auf dem Wahlzettel stehen die Freien auf Platz fünf – 2009 noch auf Nummer 27, hinter bibeltreuen Christen und Tierschutzpartei, „hat uns kein Schwein gefunden“, sagt Aiwanger.

Mit Müller will er Ende Januar testen, wie sie bei der Hauptstadtpresse ankommt, auch ohne laute Töne. Als Anti-Henkel praktisch, mit schwäbischem Dialekt. Dass sie ihm in den Rücken fiele oder gar überliefe, steht nicht an. Oder, wie Aiwanger abkürzt: „Welt in Ordnung“.  

cd

Rubriklistenbild: © dpa

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