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CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer galt anfangs als Merkel-Nachfolgerin.

Interview

„Kramp-Karrenbauer wäre die falsche Kandidatin“ - Forsa-Chef über CDU-Personaldebatte 

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Ist Annegret Kramp-Karrenbauer für die CDU die falsche Kanzlerkandidatin? Der Forsa-Chef kennt die Umfragen und räumt Armin Laschet bessere Chancen ein.

München – Würde am kommenden Sonntag ein neuer Bundestag gewählt, wären die Unionsparteien laut dem Meinungsforschungsinstitut Forsa mit 24 Prozent nur zweitstärkste Kraft. Die Grünen kämen auf 27 Prozent. Für Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner liegt das auch an CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Er glaubt trotzdem, dass eine neuerliche Personaldebatte der Union schaden würde.

Währenddessen äußert sich CSU-Ehrenvorsitzender Edmund Stoiber ebenfalls zur Kanzlerfrage. Er ist sich sicher: Es braucht eine Urwahl.

AKK, Merz und Laschet: Forsa-Chef bewertet Kanzler-Chancen

Herr Güllner, wie erklären Sie sich das schwache Abschneiden der Union in der aktuellen Forsa-Umfrage?

Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner: In Umfragen lag die Union schon in den Monaten vor der Europawahl teilweise unter 30 Prozent. Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Erwartungen enttäuscht, ihre anfänglich hohen Sympathiewerte sind zurückgegangen. Hinzu kam, dass durch die Zuspitzung auf das Klima-Thema und das Rezo-Video wahrscheinlich mehr junge Menschen als sonst zur Wahl gegangen sind. Die eigentliche Sensation ist, dass die Grünen nun nach der Wahl die Union überholt haben. 

Wie kam es zu diesem Sprung der Grünen?

Manfred Güllner Forsa-Geschäftsführer.

Manfred Güllner: Das hat damit zu tun, dass Union und SPD jetzt glauben, Klimaschutz sei das entscheidende Thema gewesen. Plötzlich gibt es in diesen Parteien nur noch Umweltpolitiker. Die Erfahrung zeigt, dass so eine thematische Verengung eher dem Original, in diesem Fall den Grünen, Wähler zutreibt.

Könnte neues Spitzenpersonal die Umfragewerte der Union kurzfristig verbessern?

Manfred Güllner: In unseren Untersuchungen wünschen sich weit über 60 Prozent der Wähler, dass endlich Ruhe reinkommt und die Koalition arbeitet. Und zwar mit Merkel. 70 Prozent der Befragten sagen, sie soll bis 2021 bleiben. Dann könnte die Union in Ruhe darüber nachdenken, wen man als Merkel-Nachfolger nimmt.

„Für die Koalition wäre es ratsam, sich zusammenzuraufen“

Für die Union wäre es also trotz rückläufigen Zuspruchs ratsam, an der Koalition festzuhalten?

Manfred Güllner: Die Grünen müssen ihre Umfragewerte erst mal halten, würden bei Neuwahlen aber sicher besser abschneiden als bei der letzten Bundestagswahl, Union und SPD dagegen schwächer. Für die Koalition wäre es ratsam, sich zusammenzuraufen und sich um die anderen für die Menschen wichtigen Themen wie Bildungspolitik, Altersversorgung und Infrastruktur in Stadt und Land zu kümmern.

Annegret Kramp-Karrenbauer als Kanzlerin?

Wenn es doch zu vorzeitigen Neuwahlen kommen sollte: Wäre Kramp-Karrenbauer die richtige Kandidatin für die Union?

Manfred Güllner: Nein. In aktuellen Umfragen halten sie 70 Prozent nicht für fähig, Kanzlerin zu sein.

Welcher ihrer potenziellen Konkurrenten hätte die besten Aussichten?

Manfred Güllner: Friedrich Merz ist gerade bei den zur Mitte tendierenden Wählern, die jetzt zu den Grünen gehen, nicht sonderlich beliebt. Das hat die Diskussion um die Nachfolge von Angela Merkel als CDU-Vorsitzende gezeigt. Diese Wähler könnte Armin Laschet am ehesten binden.

Wie aussagekräftig ist das aktuelle Stimmungsbild?

Manfred Güllner: Der Sprung der Grünen nach vorne hat sich direkt nach der Europawahl abgezeichnet. Solche Sprünge schleifen sich auch oft wieder ab. Die Entwicklung muss man abwarten. Aber jedenfalls zeigt sich, dass die Grünen sich Akzeptanz in Schichten geschaffen haben, in denen sie sie bisher nicht hatten.

Offene Debatten- und Beteiligungskultur statt Machtkartellen und Hinterzimmerpolitik. Der Union täte es gut, mehr Demokratie zu wagen, meint Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

In Bremen könnte es auf Rot-Rot-Grün hinauslaufen – CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer zeigt sich alarmiert. Und auch bei Markus Lanz war die Zukunft von Annegret Kramp Karrenbauer Thema - während ein CDU-Politiker geradezu gegrillt wurde

Interview: Stefan Reich

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