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Flüchtlinge auf der griechischen Insel Chios: Selbsternannte Flüchtlingshelfer haben hier mit gezielten Falschinformationen Unruhe ausgelöst. Foto: Katia Christodoulou/Archiv

Aktivisten wiegeln Flüchtlinge in Griechenland auf

Griechenland tut sich schwer, die Flüchtlingskrise in den Griff zu kriegen. Und wenn die Behörden es probieren, funken selbst ernannte Flüchtlingshelfer dazwischen. Schlepper weichen auf neue Routen aus.

Athen/Patras (dpa) - Selbsternannte Flüchtlingshelfer stiften Chaos in Griechenland. Als rund 200 Migranten am späten Mittwochabend per Boot von Chios zur besseren Unterbringung nach Leros gebracht werden sollten, lancierten Aktivisten gezielte Falschinformationen.

Die ausländischen "Helfer" riefen den Flüchtlingen zu, sie sollten in die Türkei gebracht werden und deshalb das Weite suchen. Zugleich flog in Patras eine Schlepperbande auf, die Migranten nach Italien lotsen wollte.

In Chios wurden zwei der sieben "Flüchtlingshelfer" festgenommen, nur 39 Menschen setzten schließlich nach Leros über. Nach griechischen Medienberichten sollen die Linksaktivisten zumeist aus Großbritannien und Deutschland stammen.

Erst vor knapp drei Wochen war es durch eine ähnliche Aktion im nordgriechischen Grenzort Idomeni zu schweren Zusammenstößen mit mazedonischen Sicherheitskräften gekommen. Aktivisten hatten Flugblätter an Flüchtlinge verteilt, in denen zum "Marsch auf die Grenze" aufgerufen worden war.

Zuletzt eskalierte die Situation im Auffanglager von Lesbos: Mülleimer und Wohncontainer brannten, die Polizei setzte Tränengas ein. Die Menschen protestieren gegen ihre Abschiebung in die Türkei.

Seit Schließung der Balkanroute gibt es für die Flüchtlinge und Migranten in Griechenland kein Weiterkommen mehr Richtung Norden. Stattdessen trat am 20. März der Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei in Kraft, der besagt, dass alle aus der Türkei illegal nach Griechenland einreisenden Migranten in die Türkei zurückgebracht werden können. Seither werden alle Neuankömmlinge auf den Ägäisinseln in Registrierzentren festgesetzt.

Insgesamt befinden sich mittlerweile mehr als 54 000 Flüchtlinge und Migranten in Griechenland. Explosiv ist die Lage vor allem in den wilden Lagern in Idomeni und am Hafen von Piräus. Dort campen seit Wochen Tausende Flüchtlinge, die sich weigern, in staatlich organisierte Lager zu gehen. In Idomeni besetzen die Flüchtlinge zudem die Eisenbahnlinie Richtung Mazedonien - eine Blockade, die der ohnehin geschwächten griechischen Wirtschaft zusätzlich Schaden zufügt.

In der Hafenstadt Patras wurde am Donnerstag ein 24 Jahre alter Afghane festgenommen, der zusammen mit drei Landsleuten eine Art Zwischenstation für Migranten in einer Wohnung organisiert hatte. Wie die Polizeidirektion von Patras mitteilte, wurden in diesem Unterschlupf zwölf Migranten entdeckt und festgenommen. Nach den anderen drei Schleppern werde gefahndet.

Die Schleuser zeigten den Migranten Lastwagen, in die sie nachts schlichen und sich versteckten, um auf eine der Fähren nach Italien zu kommen, teilte die Polizei mit. Tagsüber hielten sich die Migranten in der Wohnung versteckt.

In den vergangenen Tagen hatte die Polizei mehr als 40 Migranten entdeckt, die in Hohlräumen von Lastwagen nach Italien zu kommen versuchten. Ausgangspunkte waren Patras und Igoumenitsa. Die beiden westgriechischen Häfen waren in den vergangenen 20 Jahren Drehscheiben der illegalen Migration auf der Route Türkei-Griechenland-Italien. Von dort laufen täglich mehrere Fähren zu den italienischen Häfen Brindisi, Bari, Ancona, Venedig und Triest aus.

Griechische Polizei, griechisch

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