Sicherheitsbehörden in Alarmbereitschaft

Al-Kaida plant Anschläge auf Schnellzüge

Berlin - Das Terrornetzwerk Al-Kaida plant nach Informationen aus Sicherheitskreisen offenbar Anschläge auf Schnellzüge in Europa. Die deutschen Sicherheitsbehörden seien deshalb in Alarmbereitschaft versetzt worden.

Die Schlagzeile klang bedrohlich: „Al-Kaida plant Terror-Anschläge auf Schnellzüge“, hieß es am Montag auf Seite eins der „Bild“-Zeitung. Noch am Vormittag bemühten sich die deutschen Sicherheitsbehörden, die Bahnkunden zu beruhigen. Die Informationen, auf die sich die Meldung bezog, seien gut zwei Wochen alt, es gebe keine aktuellen Hinweise auf bevorstehende Attentate. „Die Sicherheitslage hat sich nicht verändert“, versicherte ein Sprecher von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU).

Der Hinweis auf die Bedrohung des europäischen Schnellbahnnetzes kam vom US-Geheimdienst National Security Agency. Die wegen ihrer massiven Spähprogramme umstrittene NSA hatte nach dpa-Informationen aus Sicherheitskreisen geheime Kommunikation zwischen hochrangigen Al-Kaida-Mitgliedern abgefangen. Bei den Abhöraktionen sei es um rund eine Handvoll Telefonate gegangen. Vor allem habe es sich um geplante Anschläge auf der arabischen Halbinsel gedreht, hieß es. Bei einem in Nahost mitgehörten Gespräch soll auch das europäische Bahnnetz Thema gewesen sein. Details wurden öffentlich nicht bekannt.

Die USA schlossen als Konsequenz eine zweistellige Zahl von Botschaften vor allem in muslimischen Ländern. Anschläge gab es nicht, inzwischen sind diese Auslandsvertretungen wieder geöffnet. Seit Sonntag arbeitet auch die in diesem Zusammenhang geschlossene deutsche Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa nach knapp zweiwöchiger Zwangspause wieder.

Die deutschen Ermittler dürften nach den NSA-Hinweisen von Anfang August alarmiert gewesen sein. Schon ein paar Mal haben Sprengstoffanschläge auf Züge in Europa seit den Terrorattacken vom 11. September 2001 für Angst und Schrecken gesorgt. Beim verheerendsten Attentat auf vier Pendlerzüge in Madrid starben im März 2004 insgesamt 191 Menschen, etwa 1600 wurden verletzt. 2005 gab es bei Selbstmordanschlägen auf drei U-Bahn-Züge und einen Bus in London 56 Tote und 528 Verletzte.

Der Zugverkehr in Deutschland blieb bisher verschont - doch dabei war Glück im Spiel. Bei mehreren Anschlagsversuchen detonierten die Sprengsätze nicht. Ende 2008 wurde der „Kofferbomber von Köln“ vom Düsseldorfer Oberlandesgericht wegen vielfachen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte im Sommer 2006 mit einem Komplizen im Kölner Hauptbahnhof zwei Kofferbomben in zwei Zügen deponiert - sie explodierten aus technischen Gründen nicht. Im Dezember 2012 wurde im Hauptbahnhof Bonn ein Sprengsatz gefunden, der zwar zündfähig war, aber ebenfalls nicht detoniert. Der oder die Täter sind immer noch nicht gefunden.

Die Vorgänge werfen ein Schlaglicht auf die Probleme, vor denen Fahnder bei Terrorwarnungen stehen, die gegen sogenannte weiche Ziele wie das Schienennetz gerichtet sind. Allein wegen der Größe der bedrohten Einrichtungen lassen sie sich kaum schützen. Das Schienennetz der Deutschen Bahn ist mehr als 33 000 Kilometer lang.

Sicherheitshalber betonen die Behörden deshalb bei Terrorwarnungen stereotyp: Deutschland liege „im Zielspektrum des internationalen dschihadistischen Terrorismus“. Falls doch etwas passiert, will sich niemand dem Vorwurf aussetzen, er habe nicht ausreichend auf Warnungen reagiert.

Im Zusammenhang mit den jetzt bekanntgewordenen Warnungen dürfte die Fahnder ein wichtiges Detail beruhigt haben. Nach dpa-Informationen gibt es mittlerweile Hinweise darauf, dass die NSA-Hinweise auf eine nicht sehr zuverlässige Quelle zurückgingen.

dpa

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