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Albert Duin auf seinem Facebook-Foto in München.

Bayerns neuer FDP-Chef

Der Bauchdenker und seine 5312 Berater

München – Der Spontan-Chef verlangt mehr Mut in seiner Partei. Albert Duin, eben noch Basis-Mitglied und jetzt Bayerns neuer FDP-Vorsitzender, will einen neuen Stil prägen. Weniger Hinterzimmer, mehr Helden. Duin ist ein ungewöhnlicher Typ.

An der A 9 bei Greding stand am Freitag wieder der Blitzer, als Albert Duin vorbeirauschte. Tempo 80 scheint er einigermaßen eingehalten zu haben, erwischt hat ihn aber ein knallgelber Gedankenblitz. Seine zwei Mitfahrer im Auto auf dem Weg zum Parteitag in Bamberg redeten sich gerade die Köpfe heiß, wem bei der FDP nun genau welcher Posten wie zugeschachert werden könne – da verkündete Duin: Ich trete an. Als Parteichef.

So stellt man sich einen Parteichef vor

In der Achtziger-Zone im Altmühltal nahm eine der verrückteren Geschichten der Politik ihren Lauf. Der 60-jährige Herr Duin, einfaches Mitglied ohne Ämter, mit großer Tatkraft und ebensolcher Klappe, trat also am Samstag vor den verdutzten FDP-Parteitag. In den Händen kein Sprechzettel, nur eine Flasche Cola – und hielt spontan eine fulminante Bewerbungsrede („So geht’s nicht! Hier muss frischer Wind rein!“). Gegen jede Absprache, gepfiffen auf alle Hinterzimmer, wo Ex-Vorsitzende, -Fraktionschefs und -Vizeministerpräsidenten die Zukunft der FDP vorberaten hatten. „Leute, ich muss als Unternehmer jeden Tag Entscheidungen treffen von null auf jetzt“, sagt er fröhlich, „ich entscheide immer aus dem Bauch“.

Eine halbe Woche später kann sich Duin, der Wirbelwind, noch immer schieflachen, wie er da im karierten Hemd am Mikrofon stand. Er glaubte selbst kaum an den Sieg, die Journalisten im Saal eh nicht. Von Duins Rede hat kein Sender den Mitschnitt, weil die Reporter dachten, die Zählkandidatur des Münchner Zausels müsse man für die Nachwelt nicht festhalten.

Duins Botschaft, dass zum Neuanfang auch neue Köpfe gehören, setzte sich aber fest bei den Delegierten. „Misserfolg wird identifiziert mit Personal“, es sei schiefgegangen im Herbst 2013. Und schon im ersten Wahlgang wählten 53 Prozent den Münchner statt den vorgeschlagenen Ex-Fraktionschef Hacker. „Beim Wahlergebnis hab’ ich gedacht: Die spinnen doch alle“, lacht er. So kann’s gehen.

Nun führt er eine Partei mit 5312 Mitgliedern, von denen viele rätseln: Du-in? Du-hn? „Dühn“ spricht man ihn aus. In Ostfriesland, bis 1969 seine Heimat, ein bekannter Name. Auch wenn er nicht mit Garrelt Duin, SPD-Wirtschaftsminister in NRW, verwandt ist. Mitarbeiter witzeln, sie hätten „Leutheusser-Schnarrenberger“ gelernt, dann würden sie „Duin“ auch schaffen. Er macht es der Partei jedenfalls leicht. Die Mitglieder nennt er „meine 5312 Berater“. Er ist humorvoll, selbstironisch und unkonventionell. „Ich bin ein Tüftler, Macher, Bringer, Tuer“, sagt er. Aber ein sehr direkter. „Er sagt den Leuten ins Gesicht, was er Mist findet“, heißt es.

Das war eine Menge. Weniger die Inhalte, die will der Wirtschaftsliberale nicht grob umbauen. Es geht ihm um den Stil. Die Führung darf nicht abgehoben sein. „Die Stimmungslage in der Partei war: Man kommt an die Mandatsträger nicht mehr ran“, warnt Duins neuer Generalsekretär Daniel Föst (37). „Alle haben sich abgekapselt. In der Partei hat man sich gegenseitig erklärt, wie liberal wir sein müssen“, kritisiert Duin. Sein Stil: „Wir müssen ansprechbar sein. Wir wollen Freiheit nicht diktieren.“

Duin, begeisterter Heimwerker übrigens, muss nun die FDP neu aufbauen. Das Haus im Münchner Westen wurde gottseidank 2012 fertig, jetzt kann er seine ganze Freizeit in die Liberalen stecken. „Kommt raus, seid wieder stolz drauf, FDP zu sein“, ruft er der Partei zu. Bis in den letzten Winkel will er motivieren: „Vor Ort sieben Mitglieder in Berchtesgaden – das sind Helden!“

Leicht wird das nicht: Ohne Fraktion brechen viele Strukturen weg. Die Arbeit türmt sich: Am Freitag berät der Landesvorstand schon, welche Bayern in den Bundesvorstand drängen sollen. Da ist der Bundesparteitag auch schon nächste Woche. Schlag auf Schlag folgen 2014 Kommunal- und Europawahl.

Duin ist nun auf zwei Jahre gewählt. Er hat Fans in der Partei, aber auch Gegner, die leise raunen, 2015 endet der Friesenspuk. Von ungewohnter Seite kommt indes Lob. Die Grünen-Spitze schrieb der FDP erheitert: Dass spontan einer aus der Basis gewählt werde – „wir dachten, sowas gibt es nur bei uns“.

Mike Schier und Christian Deutschländer

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