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Alexej Nawalny: Kreml-Kritiker nicht der erste Fall einer Vergiftung - ein Überblick

  • Fabian Müller
    vonFabian Müller
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Alexej Nawalny wurde nach Angaben seiner behandelnden Ärzte mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet. Schon mehreren Kreml-Kritikern ist das widerfahren. Ein Überblick.

  • Alexej Nawalny wurde nach Angaben der Ärzte der Berliner Charité vergiftet.
  • Das Nervengift Nowitschok konnte im Blut des russischen Oppositionellen festgestellt werden.
  • Nawalny ist nicht der erste Kreml-Kritiker, der vergiftet wurde.

Berlin - Der bekannte russische Kreml-Kritiker Alexej Nawalny wird derzeit in der Berliner Charité behandelt; die Ärzte gehen von einer Vergiftung aus. Sein Gesundheitszustand ist nach Angaben der Charité ernst, akute Lebensgefahr besteht aber nicht.

Die russische Regierung und russische Ärzte widersprechen den Vorwürfen. Es wäre jedoch nicht der erste Fall einer Vergiftung von Kreml-Kritikern in Russland. Ein Überblick:

Alexej Nawalny: Seit 2017 bereits mehrere Anschläge auf Putin-Kritiker verübt

Bei einem Inlandsflug bricht der prominente Kritiker von Präsident Wladimir Putin am vergangenen Donnerstag zusammen und kommt nach einer Notlandung in ein Krankenhaus im sibirischen Omsk. Nach zwei Tagen wird Nawalny per Flugzeug nach Berlin gebracht. Nawalnys Umfeld geht davon aus, dass er durch einen Tee vergiftet wurde, den er kurz vor dem Abflug getrunken hatte. Es wäre womöglich nicht der erste Giftanschlag auf den Aktivisten. Im August vergangenen Jahres erlitt er in Polizeigewahrsam Hautausschläge und sein Gesicht schwoll an - laut Nawalny wegen einer Vergiftung. 2017 erlitt Nawalny chemische Verbrennungen an einem Auge, als Angreifer ihn vor seinem Büro mit einer grünen Substanz bewarfen.

Putin-Kritiker Alexei Nawalny (Archivbild) liegt im Krankenhaus.

Pjotr Wersilow: Pussy-Riot-Aktivist wurde nach Vergiftung wie Nawalny in der Charité behandelt

Im September 2018 wurde der russische Aktivist der Protestgruppe Pussy Riot mit möglichen Symptomen einer Vergiftung in ein Moskauer Krankenhaus gebracht. Später kam er zur Behandlung in die Berliner Charité. Wersilow macht für seine mutmaßliche Vergiftung den russischen Geheimdienst verantwortlich. Als Hintergrund für die Attacke geht er von einem Zusammenhang zu seinen Recherchen über drei im Juli 2018 ermordete russische Journalisten in Zentralafrika aus.

Sergej Skripal: Auch der ehemalige Doppelagent wurde wie Nawalny mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet

Der ehemalige Doppelagent und seine Tochter Julia wurden im März 2018 im englischen Salisbury dem in der Sowjetunion entwickelten Nervengift Nowitschok ausgesetzt. Beide entgingen nur knapp dem Tod. Westliche Geheimdienste beschuldigen die russische Regierung, den Anschlag als Vergeltung für Skripals Tätigkeit als Doppelagent veranlasst zu haben. Eine 44-jährige Britin, die später mit dem Nervengift in Kontakt kam, starb.

Alexander Perepilitschni: Geschäftsmann starb beim Joggen - wurde er ermordet, weil er vor Gericht aussagen sollte?

Der russische Geschäftsmann und Informant starb 2012 beim Joggen in der Nähe von London. Die Polizei ging von einem natürlichen Tod aus. Eine zwei Jahre später von seiner Lebensversicherung in Auftrag gegebene Untersuchung ergab jedoch, dass Spuren eines Gifts von einer chinesischen Pflanze namens Gelsemium in seinem Magen gefunden wurden. Perepilitschni war ein möglicher Kronzeuge in der Affäre um den Tod eines russischen Anwalts im Jahr 2009.

Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko: Agent starb nach Vergiftung mit radioaktivem Polonium

Der frühere russische Agent und Kreml-Kritiker starb 2006 im Exil in London an einer Vergiftung mit hochgradig radioaktivem Polonium. Zuvor hatte er mit den russischen Geschäftsmännern und Ex-KGB-Agenten Dmitri Kowtun und Andrej Lugowoi Tee getrunken. London gibt Moskau die Schuld, das jegliche Verantwortung bestreitet.

Viktor Juschtschenko: Dioxinvergiftung bei Helden der Orangenen Revolution

Im Jahr 2004 wurde der damalige Oppositionskandidat und spätere Präsident der Ukraine schwer krank. Österreichische Ärzte stellten drei Monate später eine Dioxinvergiftung beim Helden der sogenannten Orangenen Revolution fest. Juschtschenkos Gesicht trägt bis heute die Spuren der Vergiftung. Angetreten war er gegen den russlandfreundlichen Kandidaten Viktor Janukowitsch.

Georgi Markow: Oppositioneller Schriftsteller wurde mit Rizin vergiftet - Anschlag konnte nie vollständig aufgeklärt werden

Im September 1978 verspürte der oppositionelle bulgarische Schriftsteller an einer Londoner Bushaltestelle ein Stechen im Bein. Ein Mann, der eine Art Regenschirm fallen gelassen hatte, entschuldigte sich. Markow bekam kurz darauf hohes Fieber und starb vier Tage später im Krankenhaus.

Bei einer Obduktion wurde im Bein des Toten eine Platinkapsel mit dem Gift Rizin gefunden. Der Anschlag auf den Oppositionellen konnte nie vollständig aufgeklärt werden. Als wahrscheinliches Szenario gilt ein Anschlag des bulgarischen Geheimdienstes mit Unterstützung des sowjetischen KGB. (Afp/fmü)

Video: Nowitschok - Was steckt hinter dem tödlichen Kampfstoff, mit dem Alexej Nawalny vergiftet wurde?

Rubriklistenbild: © Pavel Golovkin/AP/dpa

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