Oppositionsführer Alexej Nawalny steht in einem Käfig im Babuskinsky Bezirksgericht und greift sich an den Kopf (Archiv)
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Oppositionsführer Alexej Nawalny wurde in ein russisches Straflager gebracht (Archiv).

Kremlgegner im Straflager

Nawalny gibt Lebenszeichen via Instagram - er ist kaum wiederzuerkennen

  • vonDana Popp
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Ende vergangener Woche wurde der Kremlkritiker Alexej Nawalny in ein russisches Straflager gebracht. Seitdem gab es kein Lebenszeichen von ihm. Nun meldet er sich über Instagram.

Moskau - Der Kremlgegner Alexej Nawalny ist in ein russisches Straflager gebracht worden. Vor gut sechs Wochen wurde er zu mehreren Jahren Straflager verurteilt und danach weiter in einem Untersuchungsgefängnis festgehalten. Dieses hat er vergangene Woche verlassen. Danach gab es mehrere Tage lang kein Lebenszeichen von dem Oppositionellen. Am Montag warteten die Anwälte Nawalnys laut eigener Aussage zunächst stundenlang vergeblich vor dem Lager auf eine Auskunft. In sozialen Netzwerken forderten zahlreiche User:innen am Wochenende unter dem Hashtag #GdjeNawalny („Wo ist Nawalny“) Informationen über den Verbleib des Kremlkritikers.

Alexej Nawalny: Lebenszeichen via Instagram

Am Montag kam dann ein Lebenszeichen von Nawalny. Er werde im Gebiet Wladimir rund 100 Kilometer östlich von Moskau festgehalten, schrieb Nawalny auf seinem Instagram-Kanal. Dazu postete er ein Foto, das ihn mit kahl geschorenem Kopf zeigt. „Drei Dinge verblüffen mich immer wieder. Der Sternenhimmel über uns, der kategorische Imperativ in uns und das erstaunliche Gefühl, mit der Handfläche über den frisch rasierten Kopf zu fahren“, sind die ersten Worte seines Instagram-Posts.
Obwohl er den zahlreichen Medienberichten über Folter in dem Lager Glauben schenke, habe er bislang keine Gewalt beobachten können, schrieb der 44-Jährige. Er selbst stehe unter permanenter Überwachung, überall hingen Kameras. „Aber wenn man es mit Humor nimmt, ist es möglich, zu leben. Alles in allem geht es mir also gut“, so Nawalny.

Die russische Justiz wirft Alexej Nawalny vor, gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen zu haben, während er sich in Deutschland von einem Giftanschlag erholte. Deutschland, die EU und die USA hatten die Freilassung des Kremlkritikers gefordert. Die EU hat aufgrund der Verurteilung Nawalnys Sanktionen gegen russische Staatsfunktionäre verhängt. Das Team des Oppositionsführers hat eine Ausweitung der Sanktionen gefordert. Es müssten auch persönliche Sanktionen gegen Oligarchen und Unternehmer aus dem Umfeld von Kremlchef Wladimir Putin verhängt werden, sagte der Nawalny-Vertraute Leonid Wolkow der Vereinigung der UN-Korrespondenten in Genf. (Dana Popp/dpa)

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