Brigitte Stöhrkoordiniert die Alfa-Partei in Bayern.

Auf Distanz zu Rechtsextremen

Alfa sucht sich seine Mitglieder sorgfältig aus

München – Mitte Oktober will die neue Lucke-Partei in Bayern einen Landesverband gründen – von der AfD fühlt man sich dabei beobachtet. Und es darf auch nicht jeder eintreten bei Alfa.

Ihr politisches Comeback planen sie in einem Nebenraum des Ingolstädter Gasthofs „Zum Anker“. Gutbürgerliches Ambiente, auf der Karte stehen Oberpfälzer Bauernsteak und Ankerspieß. Am Sonntag kommen die gut 20 Männer und Frauen dort wieder zusammen. Vor wenigen Wochen noch bildeten sie die Führungsriege der AfD Bayern. Doch das Kapitel ist für sie abgeschlossen. Alles geht gerade wieder von vorne los. „Wir haben gar nichts mehr“, sagt Brigitte Stöhr. „Kein Geld, keine Struktur.“

Stöhr war Vize-Landesvorsitzende der AfD. Bis es zwischen den beiden Bundesvorsitzenden Bernd Lucke und Frauke Petry krachte. Petry und die Nationalkonservativen setzten sich durch. Lucke und seine eher liberal-konservativen Mitstreiter wie Stöhr verließen die Partei. Doch sie wollen zurück auf die Bühne. Alfa heißt die neue Lucke-Partei – Allianz für Fortschritt und Aufbruch.

Nach und nach soll sie nach Luckes Vorstellungen in den 16 Bundesländern Fuß fassen. Vergangenen Samstag gründete sich in Baden-Württemberg der erste Landesverband. In Bayern werde es Mitte Oktober soweit sein, sagt Stöhr. Die selbstständige Chemikerin aus München fungiert als Landeskoordinatorin. Strukturen und Satzungsfragen will sie bis zur ersten offiziellen Landesversammlung umfassend vorbereiten. Einen Chaosparteitag wie bei der Gründung der bayerischen AfD vor gut zwei Jahren möchte sie verhindern.

Die Gründungsmannschaft der neuen Landespartei besteht aus Ex-AfD-Funktionären, darunter ein Großteil des ehemaligen Landesvorstands. Der frühere Landeschef und Münchner Stadtrat Andre Wächter will indes vorerst nicht mehr vorne mitmischen. Er ist zwar ebenfalls übergetreten, hat sich in der Parteiarbeit aber ein Jahr Pause auferlegt. Die Landesspitze war überwiegend zur Alfa übergelaufen, die bayerische AfD wird derzeit von einem Notvorstand geführt. Der Alfa in Bayern liegen laut Stöhr derzeit um die 300 Mitgliedsanträge vor, rund die Hälfte aus Oberbayern. Viele von ihnen waren vorher schon AfD-Mitglieder, ein Drittel kommt völlig neu hinzu.

Bundesweit hat die Partei bisher um die 2500 Mitgliedsanträge. Bis sie abgearbeitet sind, kann es ein paar Wochen dauern. Die Alfa durchleuchtet ihre Neumitglieder noch stärker als die AfD. Mit Rechtsextremen will man nichts mehr zu tun haben. Wer in der Partei unbekannt ist, der dürfe erstmal nur Gastmitglied werden und müsse sich „bewähren“, sagt ein Sprecher. Nach bitterem Streit bei der AfD ist man auf Eintracht bedacht. „Wir sind jetzt deutlich homogener“, sagt auch Alfa-Bundesschatzmeister Jochen Seeghitz. Der Mittelfranke ist der einzige Bayer im Bundesvorstand.

Doch während die AfD nach mehreren teils erfolgreichen Wahlen kräftig von der staatlichen Parteienfinanzierung profitiert, muss die Alfa auch im Bund wieder neu anfangen. Erste Erfolge erhofft man sich bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz 2016. Meinungsforscher sind äußerst skeptisch.

Zumindest die AfD fürchtet die neue Konkurrenz aber offenbar schon. Das vermutet man zumindest bei der Alfa. Dort macht das Gerücht die Runde, AfD-Spione versuchten schon jetzt, sich in Versammlungen der neuen Partei zu mischen. „Für die“, sagt Brigitte Stör, „sind wir jetzt der Feind.“

Til Huber

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