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AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel lebt mit Sarah Bossard in einer eingetragenen Partnerschaft.

AfD-Spitzenkandidatin

Alice Weidel: Wer ist ihre Frau Sarah Bossard?

Wer ist die Frau von AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel? Das ist über ihre Lebensgefährtin Sarah Bossard bekannt.

Schon im Wahlkampf-Finale zur Bundestagswahl 2017 interessierten sich die Wähler nicht nur für die AfD als Partei, sondern in diesem Zusammenhang offenbar auch vor allem für AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel und ihr Privatleben. Wie Google zeigt, betreffen die meisten Suchanfragen zu ihr (Stand: Sonntag, 24. September) die Begriffs-Kombinationen „Alice Weidel Frau“. Sarah Bossard (35) ist laut Bild-Zeitung eine Schweizer Film- und Fernsehproduzentin mit indischen Wurzeln (die Berliner Zeitung hingegen behauptet, dass Sarah Bossard aus Sri Lanka stammt). Wie in der Film-Datenbank IMDB.com zu lesen ist, wirkte Sarah Bossard als Produzentin unter anderem am dem Filmen „Papa Moll“, „Die göttliche Ordnung“ und einem „Tatort“ mit.

Die offen homosexuell lebende Alice Weidel sieht keinen Widerspruch zwischen ihrem privaten Lebensstil und ihrer Mitgliedschaft in der rechtspopulistischen AfD. Die Spitzenkandidatin erklärte im Wahlkampf, sie sei für die Beibehaltung des gesetzlichen Status Quo und befürworte damit auch die eingetragene Lebenspartnerschaft für homosexuelle Paare. Als der Bundestag Ende Juni die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe beschloss, machte Alice Weidel in einer Pressemitteilung ihre ablehnende Haltung deutlich. „Als ob es das derzeit drängendste Problem Deutschlands wäre, peitscht die Groko nun die ‚Ehe für alle‘ durch, während die Massenmigration der vergangenen zwei Jahre gerade die ins Land spülte, für die Homosexualität ein Verbrechen darstellt. Homosexuelle Muslime müssen, aufgrund der Gesetze ihrer Religion, um ihre Freiheit und nicht zuletzt um ihr Leben fürchten.“

Bild-Zeitung veröffentlichte Aufnahme von Alice Weidel und Sarah Bossard

Die Bild veröffentlichte im April das erste Foto, das Alice Weidel mit ihrer Partnerin zeigt und vermeldete: „Die Frau an ihrer Seite – bisher das größte Geheimnis der Rechtsauslegerin. In Bild zeigt sich das Paar nun erstmals!“ 

Ein Bericht der Berliner Zeitung lässt allerdings erahnen, dass Alice Weidel ihr Privatleben komplett aus der Politik heraushalten möchte. So schreibt die Autorin über eine Begegnung mit der AfD-Spitzenkandidatin: „Sie will auch nicht über ihre Familie reden, eigentlich. Sie hat das Interview unter der Bedingung zugesagt, dass es um ihre Politik gehen wird, nicht um Persönliches.“ Zudem wolle Weidel keine Homestorys liefern. „Ein Plakat wie das, das Frauke Petry mit ihrem Baby zeigt, werde es von ihr nicht geben.“

Wie die Schweizer Zeitung Der Bund berichtete, ziehen Alice Weidel und Sarah Bossard in Biel (im Kanton Bern) zwei Jungen groß. „In einem Mehrfamilienhaus in der Innenstadt zeugt ein entsprechend angeschriebener Briefkasten von ihrer Anwesenheit. Auch ihre Schweizer Lebenspartnerin ist auf dem Türschild vermerkt. Bei einer Nachbarin ist zudem zu erfahren, dass einer ihrer zwei Buben die nahe staatliche Kindertagesstätte besucht – und dort manchmal von Weidel selber abgeholt wird.“

Und die Berner Zeitung vermeldete über den Bieler Wohnsitz von Alice Weidel und Sarah Bossard: „Das Paar hatte erst in der Juravorstadt gewohnt. Mitte August letzten Jahres hat es Stockwerkeigentum in der Innenstadt erworben. Es besitzt zusammen eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus.“

Auch wenn Weidel die Spitzenkandidatin einer rechtspopulistischen Partei ist: Laut Berner Zeitung soll sie - zumindest in der Vergangenheit - mit Sarah Bossard in der linksorientierten Kunstszene unterwegs gewesen sein. „Über Weidels Partnerin, die als Filmproduktionsleiterin tätig ist, bestanden auch Kontakte in Bieler Kreise, die in politischer Hinsicht das Heu auf einer ganz anderen Bühne haben dürften – links positionierte Kulturschaffende und Intellektuelle.“

Nach den Berichten der Schweizer Zeitungen spekulierten deutsche Medien, dass die AfD-Spitzenkandidatin ihren Lebensmittelpunkt in der Schweiz habe. Alice Weidel widersprach. In einer Pressemitteilung betonte sie: „Seit 2013 mache ich ehrenamtlich und aus voller Überzeugung Politik für die AfD in Deutschland, ohne einen Cent dafür zu erhalten. Ehrenamtlich werde ich die AfD auch als Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf führen. Nicht zuletzt aufgrund dieses Vollzeitengagements habe ich meinen Lebensmittelpunkt in Deutschland, wo ich auch gemeldet bin.“

Allerdings bestätigte Weidel auch, dass die Kinder des Paares mit ihrer Mutter Sarah Bossard in der Schweiz leben. Deswegen habe sie dort auch einen Zeitwohnsitz. „Meine Schweizer Partnerin arbeitet in der Schweiz, weswegen es völlig normal ist, dass ich dort einen Zweitwohnsitz habe. Unsere Kinder leben bei ihrer Mutter, so dass ich mich wie jedes berufstätige Elternteil selbstverständlich darum bemühe, die wenige freie Zeit bei meiner Familie zu verbringen, wenn meine Familie nicht bei mir in Deutschland ist.“

Sarah Bossard: Freundin von Alice Weidel produzierte „Tatort“

Es sollte in diesem Wahlkampf nicht das einzige Mal sein, dass Alice Weidel sich über den Umgang der Medien mit ihrem Privatleben beklagt. So prangerte Weidel bei einem Wahlkampf-Auftritt in Böblingen (Baden-Württemberg) Mitte September an, dass Journalisten auch in ihrem privaten Umfeld recherchierten. So würden sich Medienvertreter auch „bei ehemaligen Arbeitskollegen und Berufskollegen meiner Lebensgefährtin“ melden. Weidel berichtete folgendes: „Da werden Produktionsfirmen und Schauspieler angeschrieben und abtelefoniert. Meine Lebensgefährtin wird in alles mit hineingezogen. Ihr werden auch niedere Motive unterstellt, wenn in einem von ihr produzierten ‚Tatort‘ - sie ist Filmproduzentin - ein albanischer Drogenhändler erschossen wird. Das muss man sich mal vorstellen! Das wird meiner Lebensgefährtin in einer Lokalzeitung unterstellt.“

Weidel bezieht sich hier offenbar auf den Luzerner „Tatort“ mit dem Titel „Ihr werdet gerichtet“, der am 6. September 2015 erstmals ausgestrahlt wurde. In diesem Film verliert ein Mann den Glauben an das Rechtssystem und exekutiert zwei albanische Kriminelle. Die F.A.Z. befand den von Sarah Bossard produzierten „Tatort“ mit den Ermittlern Reto Flückiger und Liz Ritschard seinerzeit als durchaus sehenswert: „In ‘Ihr werdet gerichtet‘ ist vieles Dienst nach Vorschrift, und das Finale - Alleingang des Kommissars - ist konventionell. Was den Film trotzdem zu einem guten ‘Tatort‘ macht, ist das gekonnte Spiel mit dem Wissensvorsprung des Zuschauers. Und mit den Dilemmata, in denen die Figuren stecken.“

Zudem beklagte Weidel Indiskretionen von „ehemaligen Freunden und Bekannten“ gegenüber Journalisten. „Genau diese ehemaligen fühlen sich moralisch überlegen, wenn sie sich mit Journalisten treffen, privates und intimstes nach außen kehren für eine gute Sache. Sie füttern als Spießbürger das gesamte System von Verrat, Lügen und Denunziation.“

Weidel fühlt sich von diesen Indiskretionen an die Methoden der Nationalsozialisten erinnert. „Niemand soll mit mehr, kommen, dass er nicht wüsste, wie die Nazis salonfähig wurden. Es sind die ganz durchschnittlichen Leute, die für eine vermeintliche Hypermoral dieses Denunzierungs-System hoffähig machen.“ Beifall bekam Weidel in Böblingen für ihren Vergleich: „Die Faschisten von gestern sind die Antifaschisten und Gutmenschen von heute.“

Nach Schwarzarbeits-Bericht: Alice Weidel gibt Einblick in Privatleben mit Sarah Bossard

Weidel beklagte in ihrer Böblinger Rede zudem, dass ihr von Journalisten „schwarz arbeitende Haushaltshilfen angedichtet“ würden. Zuvor hatte die Zeit berichtet, dass die AfD-Spitzenkandidatin an ihrem schweizer Wohnsitz eine Asylbewerberin schwarz beschäftigt habe. Als Weidel die Thematik aufgriff, gab sie einen Einblick in ihr Privatleben („auch wenn ich äußerst ungern über so etwas Privates rede“).

„Wir haben vor über zwei Jahren eine syrische Flüchtlingsfamilie aus Damaskus kennengelernt. Eine christliche Familie, die vor den Schergen des Islamischen Staates in die Schweiz geflohen ist und sich um die Integration bemüht hat. So ist auch eine sehr tiefe Freundschaft meiner Familie zu diesen Menschen entstanden. Wir haben sie unterstützt bei Behördengängen, Übersetzungen, Wohnungssuche und manchmal auch mit Autofahrten ausgeholfen. Aus echter Dankbarkeit heraus und dem Wunsch, etwas an uns zurückzugeben, hat eine der Töchter uns vor allem während der Schwangerschaft meiner Lebensgefährtin ausgeholfen, wenn ich in Deutschland war. Auch haben ihre Mutter und ihr Vater, wenn Not am Mann war, unsere Kinder betreut. Und wir haben selbstverständlich nie einen Cent hierfür bezahlt, denn sie hätten das Geld aus Stolz auch nie akzeptiert. Und die besagte Tochter spricht nach nur kurzem Aufenthalt im deutschsprachigen Raum bereits fließend Deutsch und beginnt gerade eine Ausbildung als Krankenpflegerin. Und diese Familie, die wir sehr in unser Herz geschlossen haben, ist ein Paradebeispiel für Integrationswillen.“ Die Berichte der Flüchtlingsfamilie über Christenverfolgungen hätten sie erst recht in ihrem Kampf gegen den Islamismus bestärkt, betont Weidel.  

Nicht nur deutschsprachige Medien thematisierten Weidels homosexuelle Beziehung. So machte sich US-Comedian Seth Meyres in seiner Show „Late Night with Seth Meyers“ über Weidel lustig: „Eine Lesbe wurde kürzlich zur Vorsitzenden der deutschen faschistischen Partei gewählt. Wenn Sie sich fragen, was Lesben und Faschisten gemeinsam haben: Die Frisur!“

Allerdings irrt Meyers sich in einem wichtigen Punkt: Alice Weidel ist nicht die Vorsitzende der AfD (das sind Frauke Petry und Jörg Meuthen), sondern zusammen mit Alexander Gauland die Spitzenkandidatin im Bundestags-Wahlkampf. Vermutlich interessiert Alice Weidel sich recht wenig für den Spott eines US-Komikers. Die Schlagzeilen deutscher Medien dürften sie eher freuen. Denn: Schon vor der Bundestagswahl sahen Umfragen die AfD als dritte Kraft im Parlament. Letztendlich wurden es 13 Prozent für die Alternative für Deutschland.

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