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Alice Weidel auf dem Parteitag der AfD in Köln.

Macht sie bald Petry Konkurrenz?

Alice Weidel: Die neue Frontfrau der AfD

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München - Auf dem Parteitag in Köln trat neben Frauke Petry eine weitere AfD-Frau besonders in den Vordergrund: Alice Weidel aus Baden-Württemberg. Wird sie für Petry bald zur großen Konkurrenz?

Alice Weidel ist offensichtlich gut vorbereitet, als sie am Sonntagmittag ans Rednerpult tritt. Der Spannungsbogen, die gestanzten Formulierungen, die einstudiert wirkenden Tonlagen – wer so redet, hat sich vorher genau überlegt, was er sagen will. Und Weidels Botschaften an die Delegierten des AfD-Parteitags im Kölner Maritim Hotel sind scharf in Ton und Inhalt.

„Wir sind die einzige Partei für Deutschland“, ruft sie. Christliche Feste müssten hierzulande inzwischen mit Lkw-Barrieren und Maschinengewehren geschützt werden. „Das ist ein Skandal.“ Den „Erdogan-Ja-Sagern“ empfiehlt sie, „wieder in die Türkei zurückzukehren, genau in das Wertesystem, wo diese Leute hingehören“. Politische Korrektheit gehöre „auf den Müllhaufen der Geschichte“. Und natürlich geißelt sie die „völlig verfehlte“ Migrationspolitik. Horst Seehofer habe sie Herrschaft des Unrechts genannt. „Jetzt kuschelt er wieder mit der Merkel, diese Nebelkerze.“

Weidel neben Gauland zur Spitzenkandidatin nominiert 

Am Wochenende nominierte die AfD Weidel neben Alexander Gauland zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl im Herbst. Und wer bisher schon einmal von der 38 Jahre alten AfD-Frau aus Baden-Württemberg gehört hatte, dem wurde sie meist als Moderate präsentiert. Sie selbst sieht sich als „freiheitlich-konservativ“.

Freiheitlich ist sie in Wirtschaftsfragen. Weidel, stets elegant-gediegen gekleidet, hat Volks- und Betriebswirtschaft in Bayreuth studiert, später promoviert. Sie arbeitete bei der Investmentbank Goldman Sachs, bei Allianz Global Investors, lebte sechs Jahre in China. Das hat ihr Denken geprägt: Märkte mit wenigen Regeln, Deregulierung, keine Rettungsmilliarden für klamme Euro-Staaten – das sind ihre Haupthemen.

Liberal ist sie auch gesellschaftspolitisch – zumindest, was Familienpolitik angeht. Sie lebt selbst in einer lesbischen Beziehung, samt eingetragener Partnerschaft und inzwischen zwei Söhnen in Überlingen am Bodensee. Ihre Partnerin ist eine Schweizer Filmproduzentin.

Anderswo hat ihre Liberalität enge Grenzen. In Sachen Zuwanderung und Islam tickt sie stramm konservativ, formuliert scharf. Bundeskanzlerin Angela Merkel gab sie wegen der Migrationspolitik eine indirekte Mitschuld, als eine Freiburger Studentin von einem Flüchtling vergewaltigt und ermordet wurde. Den Chef des Zentralrates der Muslime, Aiman Mazyek, nennt sie „Islamlobbyist“, wirft ihm vor, er habe sich „nie glaubhaft von der Steinzeit-Scharia und religiösen Fundamentalismus distanziert“.

Und offenbar hat sie, anders als zuletzt Parteichefin Frauke Petry, auch keine Probleme, mit den Rechtsaußen der AfD zusammenzuarbeiten. Sie werde im Wahlkampf mit dem thüringischen Landeschef Björn Höcke auftreten, sagt sie schon kurz nach ihrer Parteitagsrede in die Mikrofone. Eine Kehrtwende aus Karriereinteresse? Noch vor ein paar Wochen hatte sie im Bundesvorstand den Antrag zum Parteiausschluss gegen Höcke unterstützt.

Ganz offensichtlich hat sie sich den neuen Machtverhältnissen in der Partei angepasst. Auf wen soll sie nach der Demontage Petrys in Köln auch sonst zählen? Was passiert, wenn man sich mit Höcke und Co. anlegt, hat sie selbst schon erfahren. Sie ist zwar auch Listenführerin in Baden-Württemberg. Bei der Wahl für den Landesvorsitz fiel sie aber kürzlich durch. Ko-Bundeschef Jörg Meuthen, der mit den Parteirechten paktiert, hatte sich gegen sie ausgesprochen.

Weidel hat gelernt. Ja, es habe Streit gegeben, sagt sie in Köln. „Aber irgendwann ist auch gut. Irgendwann muss auch Schluss sein.“ Das Zweckbündnis mit dem nationalkonservativen 76 Jahre alten Gauland gilt in der Partei als vielversprechend. Gerade weil beide vordergründig so unterschiedlich sind. Ist der Wahlkampf erfolgreich, wäre Weidel erste Anwärterin auf die Nachfolge Petrys als Parteichefin – sollte die tatsächlich aufgeben.

Til Huber

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