Schauspieler Jan Josef Liefers trägt Anzug und Fliege und hält die rechte Hand zur Faust geballt vor der Brust.
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Hat sich mit der Teilnahme an #allesdichtmachen einen Fehlschlag geleistet: Jan Josef Liefers ist derzeit nicht überall willkommen.

#allesdichtmachen

Liefers wollte auf Intensivstation - doch Klinikchef erteilt ihm Abfuhr: „Wer bis heute nicht begriffen hat“

  • vonDana Popp
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Schauspieler Jan Josef Liefers hat sich nach der umstrittenen Kampagne #allesdichtmachen dazu bereit erklärt, sich auf einer Intensivstation zu engagieren. Doch da machte er die Rechnung ohne den Klinikchef.

Update vom 30. April, 12.05 Uhr: Der Schauspieler Jan Josef Liefers darf keine Schicht auf der Intensivstation des Essener Uni-Klinikums arbeiten. Die Kranken sollten nicht in die Diskussion um #allesdichtmachen hineingezogen werden, so der Klinikchef Professor Jochen A. Werner, berichtet der Nachrichtensender n-tv.  „Für uns definitiv kein Thema“, sagte er im Podcast „19 - die DUB Chefvisite“. „Wer bis heute nicht begriffen hat, was in Krankenhäusern geleistet wird, der begreift es auch in einer Schicht nicht“, so Werner. Er halte eine Inszenierung wie „Bergdoktor im Ruhrgebiet“ für „undenkbar“. Die Bereitschaft von Liefers bezeichnete er jedoch als eine „löbliche Geste“.

Erstmeldung vom 30. April, 10.05 Uhr: Berlin - Mit der Aktion #allesdichtmachen wollten Dutzende Schauspieler die Corona-Politik der Bundesregierung kommentieren. Dafür wurden ironisch-satirische Videos produziert, die für viel Kritik gesorgt haben. Einer von den Schauspieler:innen, die an der Aktion teilgenommen haben, war Jan Josef Liefers. Dieser sagte in einem Streitgespräch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in der Wochenzeitung Die Zeit, dass er bei der Gegenaktion #allemalneschichtmachen mitmachen würde. Die Medizin-Bloggerin „Doc Caro“ forderte bei dieser Kampagne die Beteiligten Schauspieler:innen auf, eine Schicht im Rettungsdienst oder auf einer Intensivstation zu übernehmen.

Jens Spahn zur Aktion #allesdichtmachen - „Teilweise geschmacklos und häufig zu undifferenziert“

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte bereits kurz nach der Erscheinung der Kampagne, die beteiligten Künstler:innen zu einem Gespräch eingeladen. Dieser Einladung ist der Schauspieler Jan Josef Liefers gefolgt. Der Gesundheitsminister sagte in dem Dialog mit Liefers und der Zeit über die Kampagne #allesdichtmachen: „Ich finde die Kritik in den Clips teilweise geschmacklos und häufig zu undifferenziert.“

Etwas anderes lasse „der Kunstansatz wohl aber auch nicht zu“. Zudem stelle er klar, dass er nicht alles, was er und andere Politiker:innen tun, für perfekt halte, so Spahn weiter. „Was mich allerdings wirklich stört, ist die vielfach behauptete These, wir hätten in unserem Land gleichgeschaltete Medien, die nur die Regierung beklatschen.“ Daraufhin erwidert der Schauspieler Jan Josef Liefers, der unter anderem aus dem Tatort bekannt ist: „Natürlich sind die Videos in ihrer Verkürzung undifferenziert. Und damit natürlich auch zum Teil ungerecht. Das ist aber in diesen kurzen Clips und auf der Ebene von Satire gar nicht anders möglich.“

Jan Josef Liefers: „In der DDR wäre ich für so ein Video wahrscheinlich in den Knast gekommen“

„Ich bin in der DDR groß geworden – ich bin damit aufgewachsen, dass es Wind von vorne gibt, wenn man sich zu Politik und Gesellschaft äußert. In der DDR wäre ich für so ein Video wahrscheinlich in den Knast gekommen. Aber auch das, was wir hier erleben, ist nicht schön“, so der Tatort-Schauspieler. Die Menschen stecken in Meinungsblasen fest, ein echter Austausch finde nicht mehr statt, sondern „heute gibt es einen Bubble-Kampf“, so Liefers im Gespräch mit Zeit weiter. „Das führt zu einer nahezu totalitären Argumentation, bei der es ums Rechthaben, auch ums Zerstören des anderen Standpunkts geht.“

Spahn stellte jedoch klar, dass man in Deutschland solch eine Kritik äußern dürfe. „Man darf in diesem Land so ziemlich alles sagen, und erst recht alles denken; man darf nur nicht alles tun. Das ist in einer Gesellschaft so, die sich in einem demokratischen Prozess gemeinsame Regeln gibt.“ Doch man müsse auch damit rechnen, dass nicht alle der gleichen Ansicht sind, dass viele sogar widersprechen, so Spahn weiter. „Hinter jedem Tod steht ein Schicksal, das berührt. Persönlich halte ich aber nichts davon, den Tod als Argument einzuführen, um Diskussionen zu beenden.“ Die Hysterie in vielen Debatten, die häufig durch soziale Medien befeuert werde, schade mehr, als sie nutze, so der CDU-Politiker im Gespräch mit Zeit: „Seit ich den Twitter-Account von meinem privaten Handy gelöscht habe, geht es mir jedenfalls viel besser. Und wirklich Relevantes verpasse ich auch nicht.“

#allesdichtmachen - Scharfe Kritik in den sozialen Medien

Kritik an der Aktion der Künstler war zudem aus dem Gesundheitswesen gekommen. Unter #allemalneschichtmachen rief die in sozialen Medien als „Doc Caro“ bekannte Ärztin Carola Holzner die beteiligten Künstler:innen dazu auf, eine Schicht im Krankenhaus oder im Rettungsdienst zu übernehmen. Die leitende Oberärztin am Universitätsklinikum in Essen sagte zu der Aktion in einem Facebook-Video: „Sie haben eine Grenze überschritten, und zwar eine Schmerzgrenze. Holzner beschreibt die Kampagne als zynisch und sarkastisch. „In der aktuellen Situation haben, abgesehen von den vielen Erkrankten auf der Intensivstation und in den Krankenhäusern, zynische Diskussionen, Sarkasmus und Ironie, meiner Meinung nach, nichts verloren“, so die Ärztin. Der Schauspieler Jan Josef Liefers sagte in dem Gespräch mit Zeit, dass er sich für die Aktion bereits angemeldet habe. (dp)

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