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Alois Glück.

Alarmzeichen und Härtetest

Glück: Besorgt über Europawahl und Ukraine

Regensburg - Das Ergebnis der Europawahl  mit populistischen Strömungen ist für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken  (ZdK) ein Alarmzeichen. Das betonte ZdK-Präsident Alois Glück am Dienstag.

„Es gibt dramatische europafeindliche Entwicklungen in Frankreich, England und Italien“, sagte Präsident Alois Glück vor Beginn der zweitägigen ZdK-Vollversammlung am Dienstag in Regensburg. Europafeindliche Stimmung berge die Gefahr des Auseinanderdriftens, der Entfremdung und der Aufkündigung der Solidarität. Auf der Agenda der Vollversammlung steht zudem der an diesem Mittwoch beginnende Katholikentag, die Sterbehilfe, der Fragebogen des Vatikans zu Ehe und Familie, die Finanzaffäre um den Bischofssitz in Limburg und die Krise in der Ukraine.

Die Lage in der Ukraine stellt für das ZdK den Vorstoß in eine neue Phase der europäischen Politik dar. „Jetzt ist der Testfall für die gern gebrauchte Formulierung, dass Europa mehr ist als eine Wirtschaftsgemeinschaft, eine Wohlstandsmaschine“, betonte Glück. Es gehe um die Würde des Menschen, seinen Anspruch auf Freiheit und den Willen zur friedlichen Lösung des Konflikts.

Umstritten ist beim ZdK die von der Bundesregierung geplante gesetzlich geregelte Sterbehilfe. Da derzeit 70 Prozent der Deutschen laut Umfragen dies aus Angst vor Schmerzen, Einsamkeit und Hilflosigkeit befürworten, müsse man das ernst nehmen, erläuterte Glück. „Es geht aber um mehr als das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen.“ Es sei skandalös, wenn der Suizid rechtlich dann auf der gleichen Ebene stehe wie die Pflege.

Äußerst positiv bewertet die größte Laienorganisation der deutschen Katholiken den vom Vatikan verschickten Fragebogen zu Ehe und Familie. Die Ergebnisse zeigten, dass die Lehre der Kirche zu Ehe, Familie und insbesondere zur Sexualethik für eine Mehrheit der Katholiken kaum noch Bedeutung für die eigene Lebensführung hat. „Das ist zweifelhaft nicht nur für die Bischöfe, sondern für uns alle ein schmerzlicher Befund, und auch ein Eingeständnis des Scheiterns“, erklärte Glück. Er hofft auch, das wiederverheirateten Geschiedenen der Zugang zu den Sakramenten der katholischen Kirche gewährt wird.

Auch die Aufarbeitung des Skandals um die Finanzierung des Bischofssitzes in Limburg befürwortet das ZdK. Laut Glück war dies ein positives Beispiel, wie mit einem unabhängigen Gutachten und einem transparenten Verfahren der Weg zu einem Neuanfang möglich ist. Nun gelte es, die Schlussfolgerungen für die kirchlichen Strukturen zu ziehen.

Aus aktuellem Anlass findet die Vollversammlung des ZdK in Regensburg statt. An diesem Mittwoch beginnt in der Domstadt der 99. Katholikentag. Das ZdK ist Veranstalter des größten katholischen Laientreffens. Mehrere zehntausend Gläubige wollen dabei über die Zukunft ihrer Kirche diskutieren, gemeinsam beten und feiern. Viele hoffen auf neue Impulse für ihren Glauben ebenso wie für die Kirche, die weiter Mitglieder verliert und unter Reformdruck steht, in der Papst Franziskus aber auch für neue Offenheit sorgt. Dazu werden auch Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet.

dpa

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