„Land unter“ - Gewitterfront rollt über Deutschland - Autofahrerin muss aus Geröllmassen gerettet werden

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Alpine Arbeitstiere im Abwerbe-Kampf

- München/Wien - Der Umgangston war rauh. "Krämpfe" und "Albernheiten" warfen bayerische Minister den österreichischen Kollegen vor. Die "Piefkes" sollten bloß nicht so grantig sein, schallte es zurück. Konfliktherd: Mit allen Mitteln will Österreichs Regierung deutsche Firmen über die Grenze locken. Der Tonfall ist vorübergehend milder geworden - doch die Lage nicht besser.

Österreich zündet jetzt Teil zwei der Abwerbe-Strategie. Ohne dass es in Bayern bisher viel Wirbel verursachte, haben die rotweißroten Firmenjäger ihr Personal verdoppelt. Der Schwerpunkt der "Austrian Business Agency" (ABA) liegt auf Süddeutschland. "Wir haben jetzt zwei Teams für Deutschland, eines speziell für Bayern und Baden-Württemberg", sagt ABA-Chef René´ Siegl.

Die Abwerber locken mit niedrigeren Steuern und Personalkosten, weniger Streiks und mehr Wachstum. Viele dieser Versprechen hat Bayern mit eigenen Daten widerlegt. Glaubt man Siegl, ist das Fernweh vor allem des deutschen Mittelstands dennoch auf Rekordniveau. 446 Anfragen allein im Januar und Februar habe man gezählt, fast so viele wie sonst in einem halben Jahr. Das Glücksgefühl mit der Großen Koalition "scheint sich nicht auf den Mittelstand zu übertragen", spottet Siegl.

Das Selbstbewusstsein unserer Nachbarn ist unverändert hoch. Mitleidig meint ihr Finanzminister Karl-Heinz Grasser, man wünsche sich ja, dass Deutschland wieder zum Motor werde: "Aber ich glaube, dass Deutschland seit 2000 ein paar Schritte nach unten gemacht hat, während Österreich mit seinen Reformen fertig geworden ist." Mit solchen Aussagen brachte es der 37-Jährige zum beliebtesten Politiker des Landes.

Das Buch zum Selbstbewusstsein liegt jetzt auch vor. Judith Grohmann, Wienerin und Österreich-Berichterstatterin unserer Zeitung, schrieb das "Ösi-Phänomen - was die Österreicher so erfolgreich macht". Auf 207 Seiten seziert sie Daten, Strukturen, Mentalitäten im Acht-Millionen-Volk und befragt erfolgreiche Ösi-Manager in Deutschland.

Schmäh und Charme machen den Erfolg allein nicht aus. "Wir sind alpine Workaholics", sagt Grohmann, also Arbeitstiere. Den wegen ein paar Feierabend-Minuten streikenden Nachbarn reibt sie hin: Zwei Drittel des öffentlichen Dienstes in Österreich arbeiteten mehr als 40 Stunden. "Die Deutschen raunzen und jammern - wir Österreicher mosern, aber danach arbeiten wir halt auch."

Grasser, der gleich persönlich zur Buchpräsentation vor 250 Gästen in Wien auftauchte, hält die Ösis schlicht für unterschätzt. Zu lange hätten die Deutschen gesagt: "Auf Urlaub fahr' ma gern hin" - aber die Österreicher wirtschaftlich nicht recht ernst genommen.

Selbst das abfällige "Ösi" gilt im Land der Professoren und Hofräte jetzt als Ehrentitel. Für das Grohmann-Buch schufen zwei Winzer eigens einen "Ösi-Wein" aus dem Burgenland, dazu gab es "Ösi"-Gebäck. Auch da haben uns die Nachbarn etwas voraus: Ein "Piefke-Keks" bliebe den meisten Deutschen wohl im Halse stecken.

Judith Grohmann: "Das Ösi-Phänomen"; Molden Verlag; 19,90 Euro; ISBN 3-85485-160-X

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