Horst Seehofer und Dieter Reiter

Am Mittwoch: Trambahn-Gipfel im Englischen Garten

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Seit Tagen hängt in der CSU der Haussegen schief: Die Münchner CSU zürnt dem Ministerpräsidenten, weil der einer Tram durch den Englischen Garten zustimmt. Am Mittwoch kommt es nun zu einem pikanten Ortstermin.

München - Horst Seehofer hatte alle überrascht. Als er vor knapp zwei Wochen mit mehreren Oberbürgermeistern in der Staatskanzlei beisammen saß, kam er von sich aus auf ein Thema, mit dem vermutlich nicht einmal der Münchner OB Dieter Reiter gerechnet hatte: die Tram durch den Englischen Garten - ein Münchner Streitthema seit dem Jahr 1901! Seehofer erklärte, er habe nichts gegen Gleise durch den Park. Die Entscheidung liege bei der Stadt. Der Freistaat werde sich nicht querstellen.

Seitdem kracht es in der CSU. „Die CSU München lehnt nach wie vor dieses Projekt ab", erklärte Kultusminister Ludwig Spaenle, der auch Bezirksvorsitzender in München ist. Noch dazu liegt die Trasse in seinem Landtags-Stimmkreis. "Wir heilen derzeit mit einem Einsatz von über 100 Millionen Euro die Sünden aus der Ära Hans-Jochen Vogel mit der Durchschneidung des Englischen Gartens am Mittleren Rings", erklärte Spaenle weiter. "Wir würden diese Sünde durch eine weitere Zerschneidung weiter südlich davon wiederholen.“ Vor allem das Wort Sünde verärgerte Seehofer massiv.In der letzten Landtagssitzung vor der Sommerpause rüffelte er Spaenle ein wenig umständlich - aber doch deutlich: „Und wenn ich mal über ein Tram-Bähnchen rede - mir überhaupt erlaube, zu Münchner Vorgängen Stellung zu nehmen, da weiß ich, das ist generell bleihaltig - auf einer bestehenden Teerstraße durch den Englischen Garten, dann bin ich noch lange kein Sünder, sondern ich versuche, Mobilität und Lebensqualität zu verbinden.“ Weil sich einiges angestaut hat, muss Spaenle inzwischen sogar um sein Ministeramt fürchten.

Am Mittwoch kommt es nun zum Showdown. Offiziell trifft sich Seehofer zwar mit Oberbürgermeister Dieter Reiter zur Besichtigung. Aber natürlich ist der Termin in mehrfacher Hinsicht brisant. Erstens, weil Josef Schmid, der Münchner CSU-Bürgermeister schon länger grollt, dass der Ministerpräsident ein betont vertrauensvolles Verhältnis mit dem Konkurrenten pflegt. Und zweitens, weil ein Großteil der Münchner CSU hinter der strikt ablehnenden Haltung des Bezirksvorsitzenden Spaenle steht. Spaenle selbst hat bereits angekündigt, bei seiner Meinung zu bleiben. Seehofer erklärte dagegen launig, zur Not vermesse er die derzeitige Straße selbst. "Mit Gleisen kenn' ich mich aus." Der streitbare Minister soll beim heutigen Termin dem Vernehmen nach dabei sein.

Markus Söder, als Finanzminister eigentlich für den Park zuständig und ebenfalls lange Tram-Gegner, hat übrigens abgesagt. Wegen eines lange ausgemachten Termins. Er geht auf maximale Distanz und weiht eine Tafel im Landkreis Rhön-Grabfeld ein - am nördlichsten Punkt Bayerns.

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