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US-Botschafter John B. Emerson lobt Merkels moralische Führung in der Flüchtlingskrise - anders als der designierte US-Präsident Trump.

Loblied auf die Kanzlerin

US-Botschafter: „Gott sei Dank gibt es Merkel“

Berlin - Bei Donald Trump sorgt Angela Merkels Politik nicht gerade für Begeisterungsstürme. Viele Menschen in Amerika sehen das aber anders. Der Berliner US-Botschafter hat das nun erläutert. Er lobt die Bundeskanzlerin.

Als Barack Obama Deutschland zum letzten Mal besucht hat, zeigte er, wie gut er sich mit Angela Merkel versteht. Neben einem Wangenkuss erntete die Bundeskanzlerin auch die Beteuerung, dass Obama Merkel wählen würde. Vom designierten US-Präsidenten Donald Trump weht nun ein ganz anderer Wind nach Europa. Er übte scharfe Kritik an Merkel, als er im Interview mit Bild und Times über die deutsche Flüchtlingspolitik sprach. Sie sei zwar eine „großartige Anführerin“, es sei aber ein „katastrophaler Fehler“ gewesen, so viele Flüchtlinge aufzunehmen. „Ich respektiere sie, mich mag sie, aber ich kenne sie eben nicht“, sagte er.

US-Botschafter: In den Vereinigten Staaten wird Merkel enorm bewundert

Begeisterung klingt anders. Dass sich Deutschland davon aber nicht beirren lassen soll, erklärte nun US-Botschafter John B. Emerson im Interview mit der Welt. Wie alle von Obama nominierten Botschafter muss er seinen Posten in Berlin am 20. Januar verlassen. Amerika bringe der Bundeskanzlerin, einer der erfolgreichsten Politikerinnen in der deutschen Geschichte, viel Respekt entgegen. „Es gibt viele Amerikaner, die das so empfinden: Gott sei Dank gibt es Angela Merkel.“ Diesen Satz habe Emerson in seiner Rolle als Botschafter seit der Wahl ziemlich häufig von Amerikanern gehört. „In Deutschland mag man ihre politische Verantwortung anders bewerten, aber in den Vereinigten Staaten wird sie enorm bewundert.“

Dementsprechend hält Emerson Merkels Verhalten in der Flüchtlingskrise auch nicht für einen „katastrophalen Fehler“. „Sie hat außergewöhnliche moralische Führung gezeigt, als sich an Deutschlands Grenzen eine humanitäre Krise zuspitzte“, meint der Botschafter. Und danach habe sie es relativ schnell geschafft, die Sache in den Griff zu bekommen. 

Abwarten, wo Trumps Prioritäten liegen

Trumps Verhalten sorgte in Deutschland für Unruhe. Was Trump sagt und twittert deutet nicht darauf hin, dass die transatlantischen Beziehungen so gut bleiben wie sie sind. Emerson mahnt jedoch zur Geduld. „Atmet tief durch und schaut euch erstmal an, wie dieser Prozess verläuft“, sagt er. Es liege ein langer Weg zwischen den Dingen, die ein zukünftiger Präsident twittert oder in einem Interview sagt, und der Politik, die herauskommt, wenn sich der US-Regierungsapparat mit den Sachthemen befasst hat. „Donald Trump befindet sich auf einer steilen Lernkurve.“

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