30-jähriger Iraker festgenommen

Amokfahrt in Berlin: Die dramatische Chronologie des Anschlags

  • Marcus Giebel
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Sechs Verletzte forderte eine Amokfahrt über den Berliner Stadtring am Dienstagabend (18. August). Ein Opel-Fahrer raste in mehrere Zweiräder. Offenbar handelt es sich um eine islamistisch motivierte Tat.

  • In Berlin ist am Dienstagabend (18. August) ein Opel-Fahrer auf dem Stadtring in mehrere Zweiräder gerast.
  • Dabei wurden sechs Menschen verletzt, drei davon schwer.
  • Ein 30-jähriger Iraker wurde festgenommen, ihm wird eine islamistisch motivierte Tat vorgeworfen.

Berlin/München - Binnen weniger Minuten verursachte ein Opel-Fahrer am Dienstagabend (18. August) im Berliner Feierabendverkehr auf der Stadtautobahn A100 drei Unfälle. Dass dabei kein Mensch ums Leben kam, ist offenbar einer Portion Glück sowie dem beherzten Eingreifen der Rettungskräfte zu verdanken.

Die Staatsanwaltschaft der Hauptstadt geht nach den ersten Ermittlungen von einem „islamistisch motivierten Anschlag“ aus. Als dringend tatverdächtig gilt ein festgenommener 30-jähriger Iraker, der die Zusammenstöße mit diversen Zweirädern mit voller Absicht herbeigeführt haben soll.

Einsatzkräfte vor Ort: Bis zum Folgetag war die A100 weiträumig gesperrt.

Amokfahrt in Berlin: Erstes Opfer war offenbar Feuerwehrmann auf dem Heimweg

Die mutmaßliche Amokfahrt durch die Stadtbezirke Wilmersdorf, Schöneberg und Tempelhof fand kurz nach halb sieben am Abend ihr erstes Opfer am Innsbrucker Ring, wo der schwarze Opel Astra in einen Motorroller raste. Dessen Pilot - offenbar ein Feuerwehrmann auf dem Heimweg - wurde nach Informationen der Bild so schwer verletzt, dass er noch vor Ort reanimiert werden musste.

Wenig später erwischte das Fahrzeug im Bereich der Detmolder Straße ein Motorrad, dann in Höhe der Alboinstraße zwei weitere Bikes. Insgesamt forderten die Zusammenstöße auf der Berliner Stadtautobahn A100 sechs Verletzte, darunter drei Personen mit schweren Verletzungen. Der angefahrene Feuerwehrmann musste laut Bild noch in der Nacht am Kopf notoperiert werden.

Amokfahrt in Berlin: Motorrad verfängt sich Front des Opel

Wie heftig die Zusammenstöße gewesen sein müssen, offenbart auch die Tatsache, dass sich eines der Motorräder in der Front des Opels verfangen hatte, als der Amokfahrer schließlich zum Stehen kam. Ob die Tour durch diesen Umstand beendet wurde, ist nicht bekannt.

Was in der Folge geschah, skizzierte ein Polizeisprecher: „Der Mann verließ sein Fahrzeug, stellte eine Munitionskiste auf das Fahrzeug und behauptete, dass es sich um einen gefährlichen Gegenstand handeln würde.“ Zudem habe der Mann der Staatsanwaltschaft zufolge den Ausruf „Allahu Akbar“ - also „Gott ist groß“ - von sich gegeben. Dieser wurde jedoch in den vergangenen Jahren auch immer wieder missbraucht, um einen möglichen islamistischen Hintergrund vorzutäuschen.

Amokfahrt in Berlin: Festgenommener Iraker soll psychisch auffällig gewirkt haben

Dem Polizeisprecher zufolge wurde der 30-jährige Iraker unmittelbar festgenommen, augenscheinlich ohne große Gegenwehr. Der Mann, der psychisch auffällig gewirkt haben soll, wurde nach Bild-Infos in die Gefangenenstelle am Tempelhofer Damm gebracht. Die Ermittler stellten beim Festgenommenen „Hinweise auf eine psychische Labilität“ fest.

Derweil sei die Kriminaltechnik alarmiert worden, erklärte der Polizeisprecher. Denn vom auf dem Autodach platzierten Gegenstand hätte durchaus Gefahr ausgehen können: „Aufgrund der Gesamtsituation sind die Kollegen auf Nummer sicher gegangen und haben ihn mit einer Wasserkanone aufgeschossen.“ So habe sich offenbart, dass sich „lediglich Werkzeug in diesem Gegenstand“ befand. Auch der Opel wurde auf mögliche weitere Gefahrenquellen durchsucht.

Tatfahrzeug: Ermittler nehmen den Opel Astra nach dem Ende der Amokfahrt unter die Lupe.

Amokfahrt in Berlin: Staatsschutz ermittelt wegen möglichen islamistischen Hintergrunds

Die A100 wurde wegen der Amokfahrt weiträumig gesperrt, stundenlang waren Einsatzkräfte vor Ort, um Spuren zu sichern. Wegen eines möglichen islamistischen Hintergrunds des Fahrers ermittelt der Staatsschutz. Die Berliner Staatsanwaltschaft erklärte in einem ersten Statement am Mittwochmittag bereits: „Er ist dringend verdächtig, Jagd gemacht zu haben auf Motorradfahrer.“ Die Vorfälle ließen sich „mit einem zufälligen Unfallgeschehen nicht in Einklang bringen“.

Es deute einiges auf eine islamistische Motivation des Mannes hin. Das deckt sich mit Informationen der dpa, die von politischen Motiven berichtet. Der Festgenommene soll in Bagdad geboren sein, habe laut Staatsanwaltschaft in Deutschland lediglich einen Duldungsstatus. Es gebe keine Hinweise auf eine Komplizenschaft bei der Tat oder deren Vorbereitung - die Ermittlungen laufen jedoch noch. (mg)

Erst vor wenigen Wochen raste in Berlin ein Mann mit seinem Mercedes in eine Menschengruppe - auch damals musste eines der Opfer reanimiert werden. Nach dem Amoklauf am Münchner OEZ sorgte die Ausstrahlung eines Münchner „Tatort“ für Diskussionen.

Auch in Bottrop und Essen ereignete sich eine Amokfahrt - dabei gab es zehn Verletzte. In Volkmarsen steuerte ein junger Mann sein Fahrzeug in einen Karnevalszug.

Rubriklistenbild: © Odd Andersen/afp

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