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Bundeswehr bekommt F-35-Kampfjets: Wunderwaffe – allerdings mit Macken

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Von: Marc Beyer

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Das F-35-Kampfjet.
Hochmodern und Hightech pur: Das F-35-Kampfjet. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Britta Pedersen

Die Bundeswehr soll F-35-Maschinen erhalten, die modernsten Kampfjets der Welt – unumstritten sind sie nicht.

Berlin – Ein Lob kann schallen wie eine Ohrfeige. Es war dann auch nicht die reine Freude, die aus Diana Maurer sprach, als die Direktorin des US-Rechnungshofes (GAO) von ihren Erfahrungen mit dem Kampfjet F-35 berichtete. „Ein großartiges Flugzeug“, hätten ihr die Piloten als Rückmeldung gegeben – mit einer entscheidenden Einschränkung: „Wenn der Jet denn fliegt.“

Der F-35 hat einen Ruf wie Donnerhall. Aufgrund seiner speziellen Beschichtung ist er für feindliche Radarsysteme nur schwer zu erkennen, er erreicht die 1,6-fache Schallgeschwindigkeit und kann fast zehn Tonnen Waffen transportieren – auch Atomwaffen. Seine sechs Infrarotkameras an der Außenhülle nehmen im Flug die Umgebung auf und leiten die Bilder direkt in den Helm des Piloten. Es gibt eine Menge gute Gründe für eine Regierung, ihre Armee mit den Tarnkappenjets auszurüsten. Unumstritten sind sie aber nicht.

Abstimmung über Bundeswehr-Sondervermögen

Am 3. Juni entscheidet der Bundestag über das 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Bundeswehr. Im Zentrum der Überlegungen, wofür man das Geld nutzt, stehen die F-35 des Herstellers Lockheed Martin. Bis zu 35 Jets sollen bestellt werden, als Nachfolger des 40 Jahre alten Tornado, zum Stückpreis von rund 100 Millionen Euro. Luftwaffen-Inspekteur Ingo Gerhartz freut sich auf „das modernste Kampfflugzeug weltweit“, eine wahre Wunderwaffe. Aber eine mit hartnäckigen Macken.

Auch elf Jahre, nachdem der F-35 in die Serienproduktion gegangen ist, weist er eine irritierende Anfälligkeit für Defekte auf. Besonders die Triebwerke bereiten immer wieder Probleme. Sie laufen im Einsatz schnell heiß, übersteigen die angestrebte Betriebstemperatur und müssen häufig repariert oder ganz ausgetauscht werden. Der Reparatur-Rückstau, bedingt auch durch einen Mangel an Ersatzteilen, sorgt für eine drastisch eingeschränkte Verfügbarkeit der Maschinen. Im vergangenen Jahr, beklagt Maurer, habe der Anteil der einsatzbereiten F-35-Jets der US Air Force nicht viel mehr als 50 Prozent betragen. Der Standard bei anderen Modellen liegt bei 75 Prozent und höher.

F-35-Kampfjet: 36.000 Dollar pro Flugstunde

Auch die Software bereitet immer wieder Sorgen. Die digitale Vernetzung der Flugzeuge ist Vor- und Nachteil zugleich. Ein interner Report des Pentagon weist auf etliche Schwachstellen der komplexen Ausstattung und die Gefahr von Cyberattacken hin. Die Entwicklung von Updates verläuft zudem langsamer – und teurer – als gedacht.

Im US-Kongress hat die Begeisterung der Abgeordneten für den Hightech-Flieger, dessen Betriebskosten allein bei rund 36.000 Dollar (etwa 33.500 Euro) pro Flugstunde liegen sollen, deutlich nachgelassen. Anfang 2021 beklagte der Streitkräfteausschuss des Repräsentantenhauses, dass die Mängelliste des F-35 stattliche 871 Punkte umfasse. Immerhin: Ein Jahr später waren es nur noch 845.

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