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Sonderermittler Bruno Jost (re.) im Gespräch mit Bundesanwalt Thomas Beck

Versäumnisse verschleiert?

Amri-Sonderermittler bestätigt Akten-Manipulation

Bedenkliche Erkenntnisse aus Berlin: Gleich mehrere LKA-Beamte sollen die Akten zu Attentäter Anis Amri nachträglich manipuliert haben.

Berlin - Der Berliner Sonderermittler im Fall Anis Amri, Bruno Jost, geht davon aus, dass weitere Beamte des Landeskriminalamts (LKA) als bisher bekannt an den nachträglichen Aktenmanipulationen beteiligt waren. "Es spricht einiges dafür, dass die Fachaufsicht ganz oder teilweise versagt hat", sagte Jost am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses weiter. Damit sei die Leitung des Kommissariats 541 gemeint.

Bei vollständiger rechtzeitiger Weitergabe aller Erkenntnisse der Kommunikationsüberwachung hätte die Staatsanwaltschaft nach Josts Erkenntnissen ein Verfahren gegen Amri wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels einleiten können. Dass diese Erkenntnisse vorlagen, habe durch die nachträgliche Aktenmanipulation am 18. Januar verschleiert werden sollen.

Versäumte Gelegenheit zur Festnahme

Der vom Berliner Senat beauftragte Jost hatte zuletzt widersprüchliche Aktenvermerke entdeckt. Im LKA soll ein Dokument nachträglich manipuliert worden sein, um die versäumte Gelegenheit einer Festnahme Amris mehrere Wochen vor dem Anschlag zu vertuschen.

Am Montag hatte zuvor Bundesanwalt Thomas Beck erklärt, der islamistische Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri sei nach den Erkenntnissen der Ermittler in Deutschland bis zum Schluss als Einzeltäter unterwegs gewesen.

Es gebe keine Hinweise darauf, dass Amri in Deutschland Unterstützer gehabt habe, sagte Bundesanwalt Thomas Beck im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhaus. Vom Ausland aus sei er allerdings von Mitgliedern des sogenannten Islamischen Staates (IS) angeleitet worden. Beck leitet bei der Bundesanwaltschaft die Abteilung Terrorismus.

Amri hatte sein Leben „nicht über Ende 2016 hinaus“ geplant

Er sagte weiter, Amri habe sein Leben nicht über das Attentat auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche Ende 2016 hinaus geplant. Deswegen habe er auch sein Portemonnaie und zwei Handys bewusst am Tatort hinterlassen, um sich zur Tat zu bekennen. Möglicherweise habe Amri nicht damit gerechnet, den Anschlag selber zu überleben.

Der Tunesier hatte am 19. Dezember einen Lastwagen gekapert und war damit auf einem Weihnachtsmarkt in die Menschenmenge gerast. Zwölf Menschen starben, 67 weitere wurden verletzt. Auf der Flucht wurde er von der Polizei in Mailand erschossen.

AFP

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