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Nach dem Anschlag in Berlin liefert die Untersuchung von Projektilen ein weiteres Puzzlestück.

Neue Erkenntnisse 

Amris Waffe: Durchsuchung bei möglichem Helfer

Karlsruhe/Berlin - Die Ermittlungen zu dem Anschlag in Berlin machen offensichtlich Fortschritte: Die Bundesanwaltschaft nimmt zwei Männer ins Visier, die Kontakt zu dem mutmaßlichen Attentäter hatten. Die Untersuchung von Projektilen liefert ein weiteres wichtiges Puzzlestück.

Gut zwei Wochen nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt haben die Ermittler neue Erkenntnisse zum mutmaßlichen Attentäter Anis Amri und möglichen Unterstützern. Ein Abgleich hat laut italienischer Polizei ergeben,dass die Waffe, die Amri vor seinem Tod bei Mailand auf Polizisten abfeuerte, dieselbe ist, mit der bei dem Attentat in Berlin der Lkw-Fahrer getötet wurde. Die Bundesanwaltschaft nahm am Dienstag mit Durchsuchungen in Berlin zwei Männer ins Visier, die Kontakt zu Amri hatten. Eine Sprecherin will um 15.30 Uhr in Karlsruhe über den Ermittlungsstand informieren.

Bundesanwaltschaft  hält Video für authentisch

Amri war bei der Routinekontrolle in Italien erschossen worden. Der 24-Jährige wird beschuldigt, am 19. Dezember einen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz gesteuert zu haben. Dabei kamen 12 Menschen ums Leben, mehr als 50 wurden verletzt. Unter den Toten ist der polnische Lkw-Fahrer, der erschossen wurde. Ein Video, in dem Amri der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) die Treue schwört, hält die Bundesanwaltschaft für authentisch. Bei der Ermittlung sollen katastrophale Behörden-Pannen aufgedeckt worden sein.

In Berlin hatten Beamte von Bundespolizei und Bundeskriminalamt am Dienstag eine Unterkunft in einem Flüchtlingsheim und eine Wohnung durchsucht. Der erste Einsatz galt einem 26 Jahre alten Tunesier, der verdächtigt wird, von den Anschlagsplänen gewusst und Amri möglicherweise geholfen zu haben. Laut Bundesanwaltschaft kannte er Amri seit spätestens Ende 2015 und hatte „noch in zeitlicher Nähe zum Anschlag“ zu ihm Kontakt. Er gilt offiziell als Beschuldigter.

Durchsuchung soll weitere Erkenntnisse bringen

Der Verbleib des Mannes war zunächst unklar. „Die Bundesanwaltschaft hat keine vorläufige Festnahme ausgesprochen“, sagte eine Sprecherin am Mittwoch auf Anfrage. Nach Informationen des SWR wurde er wegen Ermittlungen in einem anderen Verfahren vorläufig festgenommen. Dann wären möglicherweise die Berliner Behörden zuständig. Dafür war in Karlsruhe zunächst keine Bestätigung zu bekommen.

Bei der zweiten Durchsuchung ging es um einen früheren Mitbewohner Amris, den die Bundesanwaltschaft als Zeugen führt. Auch dieser Mann soll um den Anschlag herum Kontakt zu Amri gehabt haben. Die Durchsuchung habe dazu gedient, „weitere Erkenntnisse über das Vor- und Nachtatverhalten von Anis Amri zu gewinnen“, hieß es dazu.

Bei der ballistischen Analyse hatten die Ermittler die Projektile verglichen, mit denen in Deutschland und Italien geschossen wurde. Die Untersuchungen an der Waffe würden zusammen mit den deutschen Behörden weitergehen, hieß es bei der Polizei in Italien. Es soll vor allem geprüft werden, ob die Waffe bei anderen Gelegenheiten in Italien oder andernorts benutzt wurde.

Die Behörden prüfen auch, warum Amri nach Italien flüchtete und ob er dort Unterstützer hatte. Bisher gibt es keine Hinweise darauf. Der Tunesier war 2011 nach Italien als Flüchtling eingereist und saß dort wegen diverser Straftaten lange Zeit im Gefängnis.

dpa

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