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Reden mehr über- als miteinander: US-Präsident Donald Trump (r.) und Russlands Staatschef Wladimir Putin sind die wohl mächtigsten Männer der Welt.

Staatschefs halten die Welt in Atem

Trump vs. Putin - Ist alles nur eine große Show?

Zwischen den USA und Russland fliegen die Giftpfeile. Donald Trump und Wladimir Putin sind eben nicht unbedingt für ihre Diplomatie bekannt. Doch vielleicht ist alles ganz anders als es scheint.

München - Die Welt fürchtet eine direkte kriegerische Konfrontation zwischen den USA und Russland. Doch wie passen Donald Trumps Twitter-Drohungen gegen Moskau mit den Vorwürfen zusammen, wonach der US-Präsident seinen Wahlsieg auch Wladimir Putin zu verdanken hat? Ist alles nur eine große Show von „Trumputin“, um von der Erpressbarkeit des US-Präsidenten durch Putin abzulenken? Oder ist die Beziehung zwischen Trump und Putin wirklich total zerrüttet? Dafür spricht, dass die USA die bislang schärfsten Sanktionen gegen russische Oligarchen erlassen haben - und Russland am Freitag Gegensanktionen androhte. Wir analysieren die Verstrickungen der beiden Staatschefs.

Der Syrien-Krieg: Harte Worte, milde Taten

„Mach dich bereit Russland“: Donald Trump richtete seine Drohung, in den Syrien-Krieg aktiv einzugreifen, direkt an Moskau und nicht an den syrischen Machthaber Baschar al-Assad. Dabei klappte bis zuletzt die Zusammenarbeit zwischen US- und russischem Militär in Syrien sehr gut: Die Absprachen verhinderten erfolgreich, dass sich russische und US-Jets im syrischen Luftraum in die Quere kamen.

Auch die Tatsache, dass Trump später seine Drohungen relativierte, könnte darauf hindeuten, dass der US-Präsident nach wie vor kein Interesse an einer direkten Konfrontation mit Moskau hat. Deshalb gibt es die Theorie, dass Trumps harte Wortwahl mehr an die Kritiker in den eigenen Reihen der US-Republikaner gerichtet war, die dem US-Präsidenten zu viel Zögerlichkeit gegenüber Russland vorwerfen.

Möglich ist aber auch, dass Trump Putin mit begrenzten Militärschlägen auf syrische Stellungen an den Verhandlungstisch zwingen will: „Wenn die Angriffe ein gewisses Ausmaß haben und die Russen verstehen, dass der Westen hart bleibt, könnte es eine neue politische Dynamik für einen Kompromiss geben“, glaubt der Politologe Ziad Majed von der Amerikanischen Universität in Paris.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow widersprach am Freitag der Darstellung der USA und Frankreichs, dass Assad hinter dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz in der Stadt Duma steckt: „Wir haben unwiderlegbare Informationen, dass dies eine neuerliche Inszenierung von Geheimdiensten eines Staates war, der sich darum reißt, in der ersten Reihe der russo­phoben Kampagne zu stehen.“ Konkret beschuldigte Moskau den britischen Geheimdienst.

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Der Fall Skripal: Verbindungen zu Steele

Auch im Fall Skripal zeigt sich die unheilvolle Verstrickung Trumps und Putins: Der mit dem sowjetischen Nervengift Nowitschok attackierte russische Ex-Agent hatte Verbindungen zu dem britischen Agenten Christopher Steele. Der Ex-MI6-Spion Steele war es, der für die US-Demokraten das brisante Dossier über Trumps Verbindungen zu Russland erstellt hatte. Steele betreibt heute die private Sicherheitsfirma Orbis Business Intelligence. Skripal soll mit einem Mitarbeiter der Firma - der ebenfalls in Salisbury wohnt - in regelmäßigem Kontakt gewesen sein und laut dem Guardian „an etwas gearbeitet haben“. Der Geheimdienstexperte vom deutschen Spionage­museum, Christopher Nehring, sieht in den aktuellen Tätigkeiten Skripals das Tat-Motiv, nicht in seiner früheren Agenten-Arbeit.

Seine Vergiftung wird Russland angelastet: Der frühere Spion Sergej Skripal sollte offenbar beseitigt werden.

Die US-Wahl: Wie bei Watergate

Donald Trumps Drohung eines Militärschlags in Syrien haben eine andere Geschichte in den Hintergrund gedrängt: Die Versuche des US-Präsidenten, die Ermittlungen über Putins versteckte Einmischungen in den US-Präsidentschaftswahlkampf zu behindern! „In den USA klappt das oft gut: Wenn man militärisch irgendwo aktiv ist, schart sich selbst die Opposition hinter den Oberkommandierenden“, so der Sicherheitspolitik-Experte Prof. Carlo Masala. Trump versucht, Sonderermittler Robert Mueller zu entlassen - was in den USA verglichen wird mit Richard Nixons Verhalten in der Watergate-Affäre, der 1973 den Sonderermittler Archibald Cox feuern ließ, dessen Ermittlungen damals gefährlich nahe an den US-Präsidenten herangerückt waren.

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Geld-Geschäfte: Wohin der Rubel rollt

Donald Trump hat als Immobilienunternehmer keine Bauobjekte oder Hotels in Russland. Allerdings gibt es wohl erhebliches russisches Interesse an seinen Firmenkonstruktionen in den USA. Bei einer Tagung 2008 sagte sein Filius Donald Junior zu Journalisten: „Wir sehen viel Geld von Russland fließen.“ Laut Magazin New Republic war das nicht immer sauber. Sonderermittler Robert Mueller soll sich für Bemühungen von Trump-Schwiegersohn Jared Kushner interessiert haben, vor Trumps Vereidigung von russischen Investoren Geld für seine Immobilienprojekte einzuwerben. Ivanka Trump soll während des Wahlkampfs für die Trump-Organisation mit einer russischen Bank verhandelt haben, die unter US-Sanktionen stand. 

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Sex-Storys: Moskauer Nächte

Ist der Präsident durch Sex-Geschichten erpressbar? Dass er gewählt wurde, obwohl seine übergriffige Art Frauen gegenüber bekannt waren, spricht eher dagegen. Trump wehrt sich gegen die vielen Vorwürfe. Besonders vehement gegen die 2017 enthüllte Sensationsstory über ein Video, das zeige, wie Trump in einem Moskauer Hotelzimmer mit Prostituierten eine „Goldene-Dusche-Orgie“ feiert. In jüngerer Zeit machte Pornostar Stormy Daniels Schlagzeilen mit ihrer Trump-Affäre von 2006. 2016 habe ihr dessen Anwalt 130.000 Dollar als Schweigegeld bezahlt. Playmate Karen McDougals sprach danach über ihre zehn Monate mit Trump. Das vorerst letzte Kapitel betrifft eine angebliche Zahlung an einen New Yorker Portier, der seine Kenntnis über ein „Kind der Liebe“ Trumps für sich behalten sollte. 

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