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Sebastian Kurz und seine Freundin Susanne Thier am Wahltag.

Von unserer Wien-Korrespondentin

Analyse zur Wahl 2017: Österreich spaziert in eine neue Ära

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Das Ergebnis der Wahl 2017 in Österreich bringt einen der größten Umbrüche der Nachkriegszeit. Eine erste Analyse unserer Wien-Korrespondentin Judith Grohmann.

Sebastian Kurz, der 31-jährige junge Außenminister Österreichs und Spitzenkandidat der konservativen Volkspartei, ist mit 31,5 Prozent als Sieger aus der Wahl zum Nationalrat hervorgegangen und wird aller Wahrscheinlichkeit nach Bundeskanzler. Das Ergebnis an diesem Sonntag bedeutet für die Alpenrepublik einen der größten Umbrüche in der zweiten Republik. Es ist ein historischer Wahlsieg für die Volkspartei, denn einen schwarzen Wahlkandidaten, der einen roten Bundeskanzler stürzt, gab es bisher noch nie in der Geschichte Österreichs.

Die Sozialdemokratische Partei hatte an diesem Abend mit 27,1 Prozent das schlechteste Ergebnis seit ihrer Geschichte, aber auch die Grünen mit 3,9 Prozent. Hingegen haben die Freiheitlichen mit 25,9 Prozent an Stimmen dazu gewonnen und sich damit an den zweiten Platz gestellt und so die Sozialdemokraten fast überholt. Die Liste des ehemaligen Grünen Peter Pilz wird mit 4,4 Prozent ebenso ihren Einzug ins Parlament bekommen. Als wahrscheinlich wurde bereits am Wahlabend immer wieder im österreichischen Fernsehen erwähnt, dass der künftige Kanzler Sebastian Kurz mit den Freiheitlichen koalieren könnte. Doch dies wird von beiden Seiten noch nicht offiziell bestätigt. Derzeit befinden sich die beiden Parteien, gemeinsam mit der Liste Pilz, noch im Freudentaumel.

Für viele kam das Resultat der Wahl am Sonntagabend nicht ganz unerwartet. Die Meinungsforscher hatten diesmal ganze Arbeit geleistet und extrem gute Prognosen geliefert. Laut ihren Schätzungen und den emsigen Befragungen der Bevölkerung stand Sebastian Kurz von Anfang an auf dem ersten Platz. Er hatte seinen Wahlkampf geschickt geplant und durchexerziert. Einer der Tricks von Kurz‘ Wahlkampfteam war der Aufbau einer Datenbank, um seine Wähler geschickt anzusprechen. Die Kurz-Kampagne wurde von der Wiener Firma Campaign Bureau geführt.

Wahl 2017 in Österreich: So arbeitete Sebastian Kurz an seinem Sieg

Sebastian Kurz hat außerdem auf einen parteierfahrenen und verbundenen Beraterkreis gebaut. Dazu zählten Elisabeth Köstinger, Axel Melchior und Stefan Steiner. Kurz bediente sich aber auch der Erfahrungen aus der internationalen Politik. So hat er sich etwa die Kampagne des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zum Vorbild genommen. Nicht bezüglich der Themen, sondern in der Art der Mobilisierung der Wähler österreichweit. Und der Wahlkampfauftakt in Wien vor rund 10.000 Gästen — Unterstützer und Anhänger — aus ganz Österreich, dem auch EVP-Fraktionschef Manfred Weber (CSU) beiwohnte, hatte einen amerikanischen Stil mit cooler Musik, vielen Helfern, Fans, die sich öffentlich artikulierten. Darunter ein 11-jähriger Bub aus Tirol, der plötzlich zum Wahlhelfer wurde und sagte, er wolle selber Politiker werden. Dann bewunderte er Kurz: „Weil er bei seiner Meinung bleibt, selbst wenn sie unpopulär ist. So wie in der Flüchtlingskrise.“ Kurz und seine Lebensgefährtin Susanne schmunzelten.

An diesem Sonntag ist aber auch eine Sache klar geworden: Österreich schreitet ab jetzt politisch in ein neues Zeitalter mit einem der jüngsten Kanzler Europas. Immerhin bekam Sebastian Kurz breite Unterstützung, etwa auch von Prominenten. So hat sich der ehemalige Formel1-Fahrer Niki Lauda öffentlich zu Kurz bekannt: „Ich unterstütze und wähle Sebastian Kurz, weil er für Veränderung steht. Das ist wichtig und gut. Denn es muss sich dringend etwas ändern in Österreich. Der Stillstand muss aufhören.“ Und der „Terminator“ Arnold Schwarzenegger ließ Kurz einen Tag vor der Wahl via Skype ausrichten: „Ich wünsche ihm a guade Victory.“ Dem ist nichts mehr entgegenzusetzen, denn Kurz hat es jetzt einmal geschafft.

Judith Grohmann

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