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Daniel Günther ist der neue CDU-Hoffnungsträger in Schleswig-Holstein.

CDU hängt SPD in Kiel deutlich ab 

Presse zur Wahl in Schleswig-Holstein: „Sieg der CDU eher wie ein Versehen“

Kiel - Eine schwere Niederlage für die SPD bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein. SPD-Ministerpräsident Torsten Albig unterliegt dem neuen CDU-Hoffnungsträger Daniel Günther. Das sind die Pressestimmen zur Wahl. 

Zum Ergebnis der Landtagswahlen in Schleswig-Holstein schreibt die „Süddeutsche Zeitung“: „Das Wahljahr 2017 wird zum Jahr der rasenden Stimmungswechsel. War der Anfang beherrscht von einem Trend, der die Sozialdemokraten in ungeahnte Höhen katapultierte, so wird das Frühjahr zur Renaissance der Christdemokraten. Noch vor einem Monat konnte die SPD in Schleswig-Holstein auf einen souveränen Erfolg und eine Bestätigung der bisherigen Koalition hoffen; am Ende aber hat sie binnen weniger Wochen ebenso deutlich Federn gelassen. Das lag auch an einem schlecht agierenden Ministerpräsidenten Torsten Albig. Aber schlimmer für die SPD ist die Erkenntnis, dass die Flügel, die ihr Martin Schulz im Januar verpasste, gestutzt sind. Seine Schubkraft hat Grenzen. Im Augenblick geht es für die SPD wieder dorthin, wo sie auf keinen Fall mehr hinwollte: in den 20-Prozent-Keller.“

Die „Frankfurter Allgemeine" kommentiert den Wahlausgang in Schleswig-Holstein als einen „Sieg aus Versehen“: Im Wahlkampf konzentrierte sich Albig vergleichsweise wenig auf die CDU, die sich in den zurückliegenden Jahren mehr oder weniger selbst zerfleischt hatte. Seit der Wahlniederlage der Partei 2012 war Günter der fünfte Landesvorsitzende der Union. Erinnerungen an die letzte schwarz-gelbe Landesregierung, mit der im Vergleich 2012 rund 55 Prozent der Menschen in Schleswig-Holstein unzufrieden waren, rief man nicht gezielt wieder hervor. Das Wahlergebnis ist insofern kurios. Die SPD-Regierung verfügt über keine berauschenden Werte, was Kompetenzen und Zustimmung betrifft. Ihr negatives Abschneiden ist trotzdem überraschend. Auch angesichts der positiven wirtschaftlichen Lage, die drei Viertel als gut bezeichnen, scheint der Sieg der CDU eher wie ein Versehen.“

Der „Tagesspiegel“ schreibt: „Von der Euphorie um Martin Schulz getragen, hatten sich die Sozialdemokraten der Hoffnung hingegeben, nun werde alles anders. Und, ja, sie haben zehn Punkte in den Umfragen bundesweit zugelegt. Aber Umfragen sind keine Wahlergebnisse. Volatil sind sie auch noch. Wie wusste Großwahlkämpfer Helmut Kohl, der Comeback-König in Wahlangelegenheiten: Wer als Papst ins Konklave hineingeht, kommt als Kardinal wieder heraus. Dem Katholiken Schulz wird dieses Bild etwas sagen. Zumal er bisher noch keine Wahl gewonnen hat, außer der zum Bürgermeister von Würselen. Rau ist der Wind aus Kiel deshalb, weil er die Erkenntnis mitbringt: Rot-Rot-Grün ist als Machtperspektive schon wieder vorbei, ehe das Bündnis überhaupt eine werden konnte. Im Saarland ist nichts daraus geworden, in Schleswig-Holstein auch nicht – in Nordrhein- Westfalen nächsten Sonntag ist diese Konstellation auch nicht zu erwarten.“ 

Bald steht es „3:0 für Angela Merkel“

Zur Wahlniederlage der SPD in Schleswig-Holstein schreibt „Spiegel-Online“: „Die Sozialdemokraten haben die Wahl im Norden haushoch verloren. Und wenn es ganz schlecht läuft, dann steht es am nächsten Sonntag 3:0 für Angela Merkel. Für Schulz sähe es düster aus. Er hätte im September wohl nur noch dann eine Chance, wenn die Kanzlerin in den kommenden Monaten gravierende Fehler machen würde - was eher nicht zu erwarten ist. Keine Merkel-Dämmerung mehr in Sicht. In der SPD versuchen sie nun, die Schuld beim bisherigen Ministerpräsidenten abzuladen. Torsten Albig hat mit seiner arroganten Art, mit seiner misslungenen Homestory kurz vor der Wahl, samt bemerkenswerter Heimchen-am-Herd-Sprüche über seine künftige Ex-Frau, sicher viele Menschen im Norden abgeschreckt. 

Das „Handelsblatt“ aus Düsseldorf kommentiert: „In der Politik gibt es den schönen Spruch: Wir wollen Wahlen und keine Umfragen gewinnen. Bei Martin Schulz ist es genau umgekehrt. Der Umfragegewinner der SPD hat bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein eine krachende Niederlage eingefahren. Fast meint man, einer Kernschmelze des Kanzlerkandidaten zuzusehen. Natürlich sind Landtagswahlen immer regional zu sehen. Schulz stand in Kiel nicht zur Wahl. Doch aus dem vielbeschworenen Schulz-Effekt scheint für die Kandidaten in den Ländern so etwas wie ein Schulz-Malus zu werden. Es zeichnet sich ähnlich wie beim SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück schon nach wenigen Wochen ein Weg des Leidens ab. Zuerst die Niederlage...“ 

Die „Tageszeitung“ (taz) schreibt zur Wahl in Schleswig-Holstein: „Im Norden gab es anderswo mehr zu sehen. Und mehr zu entscheiden. Zum Beispiel über die Abwahl des Ministerpräsidenten Torsten Albig von der SPD. Er war einst mit dem Anspruch angetreten, in einer Regierung Alltagssorgen zu lösen: Schlaglöcher, kaputte Fenster in Schulen, solche Sachen. Vielleicht ist Albig jetzt auch an diesen kleinen Dingen gescheitert. Gewonnen hat der 43-jährige Daniel Günther von der CDU. Dass den drahtigen Newcomer vorher bisher kaum jemand kannte, war möglicherweise sogar von Vorteil: Ein frisches Gesicht, das Projektionsfläche für alles Mögliche sein kann, zieht zurzeit mehr als Erfahrung. Und Günther hat durch Themen wie die Rückkehr zum Abi nach 13 Jahren klare Bruchkanten zur Konkurrenz geschaffen.“ 

Amtsinhaber verliert gegen „milchgesichtigen Nobody“

Zum Wahlsieg der CDU kommentiert „Welt-Online“: „Interessant wird, welche Rolle der Wahlsieger künftig in der Bundespartei spielen will. Bisher schart sich das Lager der jungen Profilierer um Spahn. Würde sich der etwas ältere Günther als Ministerpräsident hinter einem Staatssekretär einordnen? Merkel dürften die Revierkämpfe der Parteiwelpen erst einmal egal sein. Für sie ist der Sieg Günthers ein Geschenk. Nach dem überraschend deutlichen Sieg von Annegret Kramp-Karrenbauer im Saarland ist dies schon der zweite Wirkungstreffer gegen den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Die Strategie der Kanzlerin ist aufgegangen: Merkel hatte entschieden, auf das Feuerwerk nach dessen Nominierung zum Jahresanfang nicht zu antworten. Der Hype laufe sich tot, meinte sie. Und sie hat recht behalten.“

Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) kommentiert den Wahlausgang der Landtagswahlen in Schleswig-Holstein: „Offen ist, welche Koalition künftig das nördlichste Bundesland regieren wird. Der Wahlsieger, CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther, strebt ein Bündnis mit Grünen und FDP (Jamaika) an. Möglich wäre auch eine große Koalition mit der SPD. Diese wollen aber weder Günther noch Albig. Auch eine Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen hätte eine Mehrheit, eventuell sogar eine Koalition aus CDU und Grünen, wenn auch nur hauchdünn. Für die in den vergangenen fünf Jahren regierende Koalition aus SPD, Grünen und SSW – die Partei der dänischen Minderheit – reicht es nicht mehr.“

Marko Orlovic

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