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Schon wieder wirbelt eine Doktorarbeit die CSU durcheinander. Diesmal steht der neue Generalsekretär Andreas Scheuer in der Kritik.

CSU-Generalsekretär

Andreas Scheuer, Doktorchen a.D.

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München - Schon wieder wirbelt eine Doktorarbeit die CSU durcheinander. Diesmal steht der neue Generalsekretär Andreas Scheuer in der Kritik. Die Affäre durchkreuzt alle Pläne von Parteichef Horst Seehofer.

Am Freitagmorgen geht es plötzlich ganz schnell. Die Leser der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ haben ihre Morgenlektüre über den „kleinen Doktor“ von Andreas Scheuer gerade beendet – da verbreiten die Nachrichtenagenturen schon die Kapitulation. Der CSU-Generalsekretär gibt seinen Dr. ab. „Um eine kaum handhabbare Praxis beim Führen des Titels zu vermeiden, habe ich mich entschieden, vom Führen des Titels künftig völlig abzusehen“, lässt sich Scheuer reichlich verschwurbelt zitieren.

Es ist das abrupte Ende einer langen Geschichte. Schon am 21. November 2005 titelte unsere Zeitung mit der Frage „Schwindel um den ,kleinen Doktor‘?“. Die Passauer Staatsanwaltschaft hatte sich der Doktorarbeit des damals 31-jährigen Andreas Scheuer angenommen. 2004 hatte der ambitionierte JUler an der Karls-Universität in Prag promoviert, obwohl er dank des starken CSU-Ergebnisses bei der Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber längst im Bundestag saß. Dafür scheint der wissenschaftliche Arbeitsaufwand überschaubar gewesen zu sein. Es gab keine Präsenzpflicht in Prag, die Arbeit durfte Scheuer auf deutsch verfassen. Auch das Thema war vertraut. „Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns“, lautet der Titel der Arbeit, die man noch heute für 39 Euro käuflich erwerben kann.

Zwar fand die Staatsanwaltschaft 2005 keine Hinweise auf einen Titelmissbrauch, doch der Doktortitel blieb ein ständiger Begleiter Scheuers. Kaum ein anderer Politiker brüstete sich so mit seinen akademischen Meriten: Scheuer posierte sogar mit Edmund Stoiber und seiner Doktorarbeit. Selbst auf Twitter, wo es sonst informeller zugeht, fungierte er als Dr. Andreas Scheuer.

Gleichzeitig begleitete ihn die Skepsis: 2011 berichtete der „Stern“ über einen Absatz in dem 296-Seiten-Werk, die Scheuer angeblich bei einer Veröffentlichung der Uni Münster abgeschrieben haben soll. Für einen JUler besonders peinlich: In der Passage schreibt der Autor den Vornamen von Franz Josef Strauß mit Bindestrich. Scheuer übernahm das.

All das war bekannt, als Horst Seehofer Scheuer etwas überraschend im Dezember zum Generalsekretär machte. In der CSU hört man, dass Angela Merkel den eigentlich favorisierten Stefan Müller lieber als Staatssekretär ins Forschungsministerium schicken wollte. Deshalb also Scheuer. Und in den kundigeren Porträts über den neuen Generalsekretär war die Doktorarbeit von Anfang an ein Thema.

Am Freitag nun fasste die FAZ all das noch einmal zusammen. Nicht versteckt, sondern im Aufmacher der Titelseite und auf der kompletten Seite 3. In der CSU vermutet man eine Retourkutsche, weil es schon länger knirscht zwischen den Christsozialen und dem bürgerlichen Blatt aus Hessen. Seehofer hat nicht vergessen, dass ihm die Zeitung einst eine Mitwisserschaft in der Verwandten-Affäre im Landtag unterstellte. Vor allem hat er sich wegen der Überschrift „Crazy Horst“ geärgert, die große Aufmerksamkeit nach sich zog. In einem Interview warf er der Zeitung jüngst unseriöse Methoden vor. Jetzt, so glauben sie in München, hätten sich die Frankfurter revanchiert.

Wie dem auch sei: Die rasche Wirkung der Berichterstattung war bemerkenswert. Seehofer hat vor Kommunal- und Europawahl Ruhe zum obersten Gebot in der CSU erklärt. „Ich kann acht Wochen vor einer kleinen Landtagswahl überhaupt keine kontroversen Debatten zulassen“, hatte Seehofer noch vor wenigen Tagen in Wildbad Kreuth erklärt. Da ging es um die Gedankenspiele von Ilse Aigner zur Energiepolitik. Nun heißt es aus Seehofers Umfeld, Scheuer haben seinen Chef schon am Donnerstagabend in einem Telefonat um Rat gefragt. Er sei die dauernde Debatte um seine Doktorarbeit leid. Daraufhin habe man sich geeinigt, dass der Titel nicht weitergeführt werde.

Doch so leicht dürfte es nicht werden. Die Opposition stellt weitere Fragen. Und auch die Geschichte hat noch einige parat: Bereits am 22. November 2005 hatte Scheuer groß angekündigt, er werde künftig nicht mehr Dr. vor seinen Namen schreiben, sondern den in Tschechien üblichen PhDr.. Später ging er dann doch wieder zum Dr. über. Wann? Und vor allem: warum? Eine Anfrage ließ der Generalsekretär am Freitag unbeantwortet.

Klar scheint nur: Diesmal ist der Abschied vom Titel endgültig. Dafür wird Horst Seehofer schon sorgen.

Mike Schier

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