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Einer ihrer wenigen Talkshow-Auftritte: Angela Merkel am Mittwochabend zu Gast bei Anne Will. 

Analyse

Merkel bei Anne Will: Ein „Öh“ und sonst viel Zuversicht

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München - Das Interview mit der Kanzlerin bei Anne Will hätte viel Potenzial gehabt, Fragen der Flüchtlingskrise zu klären – doch Merkel blieb schwammig. Eine Analyse.

Der rechte Kanzlerin-Mundwinkel zuckt, fast schon purzelt ein Wort raus, sie hält es gerade noch zurück. „Öh“, sagt Angela Merkel nur, bis sie die Gesichtszüge wieder unter Kontrolle hat. Es ist ein Riss in der Fassade der sonst bis aufs Äußerste beherrschten Bundeskanzlerin – das zu provozieren, gelingt Journalisten extrem selten. Warum sie ihren Innenminister entmachtet habe, wollte Fragestellerin Anne Will am Ende einer umständlich dahinmäandernden Frage wissen. Das ist einer der Momente, die hängen bleiben nach dem einstündigen Merkel-Interview vom späten Mittwochabend in der ARD. Ein guter Augenblick für Will: Den Gesprächspartner überraschen, ihm anderes entlocken als das, was ihm die Pressesprecher vorher einimpften, ist in der Mediendemokratie wichtig für ein bereicherndes Gespräch. Moderatorin Will wahrt Form und einen anständigen Ton – dass sie dennoch provoziert, Gegenpositionen einnimmt, ist ihre Aufgabe.

Dass man sich allerdings am Ende an die Minister-Frage erinnert und nicht an die Antworten, liegt am geringen Erkenntnisgewinn des Auftritts, obwohl der zum optimalen Zeitpunkt kam. Ja, Merkels Entscheidung: Hätte sie beim fast live – wenige Minuten zeitversetzt – ausgestrahlten Interview ihren Asyl-Kurs korrigiert, wäre es eine dicke Neuigkeit gewesen. So aber bietet sie in immer neuen Variationen ihr „Wir schaffen das“. Zuversicht und Gestaltungskraft will sie versprühen, sich nicht auf Argumentationen ihrer Kritiker einlassen. Sie lobt sie nieder.

Zum Wesen des Kanzler-Interviews im TV gehört: Vor dem Fernseher sitzen viele, diesmal 3,45 Millionen, die die Fragen zu hart, zu weich, zu sonstwas finden im Glauben, es besser zu können. Dennoch: Will hätte an mehreren Stellen stärker zupacken können, und zwar in der Sache. Beim Seehofer-Einspieler etwa, als er auf den Bund schimpft und die Aufnahmekapazitäten für erschöpft hält – Will fragt dann, ob der Bayer nerve. Das ist zweifellos lustig, ein Späßchen des Medienbetriebs, aber führt nicht weiter. Gern hätte man die Kanzlerin gefragt, wo die Grenze ist, wie viel Bayern noch aufnehmen soll, wann sie den Aufnahme-Kollaps sieht. Vielleicht hätte sie aber auch dann nur gesagt, es sei ja zu schaffen.

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