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„Wie klein will sich die SPD eigentlich noch machen?“ Angela Merkel wird vom CDU-Parteitag gefeiert, auch für ihren harschen Angriff auf den Koalitionspartner.

Die CDU liegt ihr zu Füßen

Merkel auf dem Parteitag: Mutti macht Mut

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München - Die Kanzlerin dominiert den CDU-Parteitag: Sie rüttelt auf, umschmeichelt die Grünen und attackiert die SPD mit erstaunlich harschen Worten. Angela Merkel darf das alles.

Für einen Moment traut die Halle ihren Ohren nicht. Angela Merkel eilt nicht der Ruf einer besonders feurigen Rednerin voraus, jetzt aber wird sie richtig deutlich. Es geht um Thüringen, es geht um Rot-Rot-Grün, es geht um den eigenen Koalitionspartner: „Sich als linke, starke Volkspartei in die Rolle des Juniorpartners zu begeben“, setzt die CDU-Vorsitzende an. Dann bricht es aus ihr heraus: „Wie klein will sich die SPD eigentlich noch machen?“, ruft die Kanzlerin in den Saal. Eine „Banktrotterklärung“ sei das.

Wie klein die SPD ist, muss an anderer Stelle geklärt werden. Aber wie groß ist eigentlich diese CDU-Vorsitzende? Nach ihrer gut 70-minütigen Rede auf dem CDU-Parteitag in Köln bekommt sie fast zehn Minuten stehende Ovationen, bei ihrer Wiederwahl ein paar Stunden später fährt sie 96,7 Prozent ein, ihr zweitbestes überhaupt.

Dass vor zwei Jahren noch eine handvoll Delegierter mehr für sie stimmte und diesmal eine ganze Reihe zur Wahl nicht in der Halle weilt, wird die Dauer-Vorsitzende verkraften. In den Wortbeiträgen preisen die Delegierten ihre Chefin. Der EVP-Vorsitzende Joseph Daul scheint sich geirrt zu haben, als er den Delegierten ganz zu Beginn des Treffens zurief: „Ihr wisst gar nicht, was für eine Chefin ihr habt!“

Sie wissen sehr wohl: Sie haben eine gewiefte Chefin. Am Vorabend hat die Parteispitze einen heiklen Streitpunkt abgeräumt. Mit dem Kompromiss beim Abbau der „Kalten Progression“ noch in dieser Legislaturperiode vermeidet Merkel eine schwierige Abstimmung. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine Niederlage, auch für Finanzminister Wolfgang Schäuble, der am Dienstag in Brüssel weilt. Doch der Finanzierungsvorbehalt bietet ihm noch Chancen, die Einigung im letzten Moment wieder einzukassieren. Hauptsache, es herrscht Ruhe an der Parteitagsfront.

Merkel präsentiert sich ausgeruht und entspannt

Umso entspannter tritt Merkel am Dienstagmittag ans Mikrofon. Immer wieder löst sie sich vom Manuskript, baut persönliche Bezüge zur eigenen Biografie ein. Nichts ist davon zu merken, dass die Parteivorsitzende am Vorabend ein ZDF-Interview wegen Unwohlseins unterbrechen musste. Der erkältete CSU-Chef Horst Seehofer muss seinen für am Mittwoch geplanten Auftritt in Köln allerdings absagen – er braucht seine Stimme für den eigenen Parteitag, der am Freitag in Nürnberg beginnt.

Merkel dagegen präsentiert sich ausgeruht, entspannt. Und doch kämpferisch. Es ist eher die Kanzlerin als die Parteivorsitzende, die da spricht. Vor allem die digitale Revolution liegt ihr am Herzen. Sie appelliert an ihre Partei, deren Mitglieder im Schnitt 59 Jahre alt sind, die Herausforderung anzunehmen. „In dieser Phase werden die Karten neu gemischt.“ Man dürfe sich nicht auf dem Erreichten ausruhen. „Lassen Sie uns die Mutigen in diesen spannenden Zeiten sein.“ Später, als es um Standards für weltweiten Handel und TTIP geht, ruft sie: „Die Welt wartet nicht auf uns.“

Merkel spricht mit dem Selbstverständnis einer Frau, auf die die Welt blickt. Sie führt, die Partei folgt. Das ist nicht so selbstverständlich, denn die Zahlen geben Anlass zur Sorge. Im vergangenen Jahr hat die CDU 9200 Mitglieder verloren, was in der Kasse eine Lücke von einer halben Million Euro hinterließ. Die Wahlen waren im Bund zwar sehr erfolgreich, in den Ländern aber umso alarmierender. Die Zahl der von Christdemokraten regierten Bundesländer ist in Merkels Amtszeit von elf auf fünf gesunken. In der Partei rätseln viele, mit wem man künftig koalieren soll.

Die AfD, die viele der Delegierten bewegt, erwähnt die Kanzlerin nicht – obwohl sie die meiste Zeit ihrer Rede der Innenpolitik widmet. Dafür beschäftigt sie sich mit den übrigen Parteien: Die FDP bezeichnet sie zwar als „natürlichen Koalitionspartner“ (was JuLi-Chef Konstantin Kuhle auf Twitter mit dem Kommentar: „my ass“ versieht).

Interessanter aber ist, wie die CDU auf die Grünen reagiert. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier bekommt für seine schwarz-grüne Koalition bei jeder Erwähnung riesigen Applaus. „Ich habe den Eindruck, das ist gut für Hessen“, sagt Merkel. Und schiebt für den Bund hinterher: „Wir wären bereit gewesen, eine solche Koalition zu wagen. Mehrere Grüne waren es nicht. Schade drum.“ Da scheint jemand nach neuen Koalitionsoptionen jenseits der SPD zu suchen.

Mike Schier

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