Angela Merkel verlässt die Pressekonferenz zum Impfgipfel, daneben Kommentator Georg Anastasiadis
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Ein Kommentar von Georg Anastasiadis zum Impfgipfel

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Impfgipfel: Irritierender Zungenschlag passt in die Merkel-Republik - Amtseid an der EU-Garderobe abgegeben

  • Georg Anastasiadis
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Auf ihrer Suche nach Sündenböcken für die verfehlte Impfstoff-Einkaufspolitik ist die Politik fündig geworden: Die angeblich profitgierigen Unternehmen müssen als Schuldige herhalten. Ein Kommentar.

München - Es ist ein mehr als irritierender Zungenschlag, der sich im Vorfeld des „Impfgipfels“ in manche Politikeräußerung eingeschlichen hatte: Weil die Impfhersteller sich als so unzuverlässig erwiesen hätten, müsse die Politik jetzt Zwangsmaßnahmen ergreifen, um den Schutz der Bevölkerung sicherzustellen. In Wahrheit war es genau umgekehrt: Forschende Privatunternehmen haben in Rekordgeschwindigkeit das rettende Vakzin entwickelt, doch durch das Versagen der Politik gelangt es in Europa nicht rechtzeitig zu den Bürgern. Das kostet täglich viele Leben.

Doch das neue Reden passt ins Weltbild der Merkel-Republik: Die gute Politik ist für die Moral (die Flüchtlinge! das Klima!) zuständig, böse Unternehmen nur für den eigenen Profit. Lässt man all die Wortgirlanden beiseite, war der Berliner Impfgipfel vor allem eines: ein gigantisches Ablenkungsmanöver. Die Kanzlerin wollte davon ablenken, dass sie ihren Amtseid, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden, an der Brüsseler EU-Garderobe abgegeben hat. Und die Politiker, denen seit einem Jahr nichts Besseres einfällt, als die Bürger in immer neue, immer längere, angeblich alternativlose Lockdowns zu zwingen, wollten mit ihren Prügeln für die Unternehmen davon ablenken, dass sie, anders als die Asiaten, bis heute jede Langfriststrategie schuldig geblieben sind: kein rechtzeitiger Schutz der Heime, kein Digitalunterricht, keine funktionierende Handy-App zur wirkungsvollen Nachverfolgung von Corona-Risikokontakten. Und nun sind wir auch noch beim Impfen das Schlusslicht der entwickelten Welt.

Corona-Lockdown in Deutschland: Das nächste Armutszeugnis

Dass nun ausgerechnet Bundeswirtschaftsminister Altmaier droht, auch bei Erreichen von Inzidenzwerten von unter 50 den Lockdown aufrecht zu erhalten, ist eine Frechheit. Monatelang hat man den Bürgern versprochen, dass es, wenn sie sich nur anstrengten, Lockerungen geben werde. Jetzt, da die 50 nahezu erreicht sind, wird um die Virusmutanten ein neues Feuerwerk der Angst veranstaltet, mit dem Ziel, das Land noch bis in den April hinein zugesperrt zu lassen. Das ist ein Armutszeugnis. Das nächste.

Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

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