In der Corona-Krise unter Druck: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
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In der Corona-Krise unter Druck: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

„Wenn man sich die letzten Tage anguckt“

Merkel wegen Corona unter Druck: ARD-Bericht stellt Versprechen in Frage - vor Millionenpublikum

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Angela Merkel gerät in der Coronavirus-Pandemie weiter unter Druck. Ein ARD-Bericht zweifelt am Zeitplan ihres Impf-Versprechens an Deutschland. Und nicht nur das.

München/Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte ihr Versprechen in den vergangenen Wochen wiederholt: Bis 21. September soll jeder in der Coronavirus-Pandemie in Deutschland, der oder die das will, ein Impfangebot bekommen. Der Stichtag wurde fünf Tage vor der Bundestagswahl 2021 gesetzt.

Doch: Die ARD-Tagesschau hat dieses Versprechen in einem Bericht vom Samstagabend (13. März) deutlich infrage gestellt. Und das zur besten Sendezeit. Vor Millionenpublikum. Als Gründe wurden die Lieferschwierigkeiten von Impfstoff-Hersteller Astrazeneca, das langsame Tempo beim Impfen und die erwartete dritte Corona-Welle in den kommenden Wochen genannt.

Deutschland in der Coronavirus-Pandemie: RKI rechnet mit 30.000 Neuinfektionen pro Tag zu Ostern

In Zeiten, in denen weite Teile der Bevölkerung und der Wirtschaft sehnlichst auf Lockerungen im harten Lockdown warten, mehren sich die Rückschläge. So erwartet das Robert-Koch-Institut (RKI) laut Tagesschau nach Ostern höhere Covid-19-Fallzahlen als zu Weihnachten. Die Schätzungen gehen von bis zu 30.000 Neuinfektionen pro Tag aus - mindestens.

Wir müssen mit bis zu 30.000 Neuinfizierten pro Tag rechnen.

Virologe Martin Stürmer

Das wäre ein sehr großer Anstieg. Am 13. März wurden binnen 24 Stunden noch 12.674 Neuinfektionen mit Corona gemeldet. Zum Vergleich: Am 6. März lag die Zahl bei 9557 neu registrierten Fällen. Damit nicht genug.

Coronavirus-Pandemie in Deutschland: Britische Corona-Mutante B.1.1.7 lässt Infektionen rasant ansteigen

Laut RKI dürfte Mitte April eine bundesweite 7-Tage-Inzidenz von 350 erreicht sein. Stand 13. März lag diese noch bei 76,1. Ursache sei die Ausbreitung der britischen Corona-Mutante B.1.1.7, heißt es. Doch der Wert, der die Neuansteckungen auf 100.000 Einwohner binnen einer Woche misst, steigt rasant - überall. Am Samstag überschritten mit Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt gleich drei Bundesländer eine 7-Tage-Inzidenz von 100.

Auch die Sorgen wachsen. Martin Stürmer, Virologe der Universität Frankfurt am Main, erklärte der ARD: „Wenn man sich die letzten Tage anguckt mit eintausend, zweitausend und dreitausend Neuinfektionen mehr im Vergleich zur Vorwoche, sind wir schon auf einem Weg zu einem exponentiellen Anstieg. Nicht umsonst hat das Robert-Koch-Institut prognostiziert, dass wir um Ostern rum, wenn es so weitergeht, mit bis zu 30.000 Neuinfizierten pro Tag rechnen müssen.“

Corona-Impfungen in Deutschland: Kann Angela Merkel (CDU) ihr Impf-Versprechen nicht einhalten?

Währenddessen geht es mit den Impfungen gegen das heimtückische Coronavirus weiter nur zäh voran. Am Freitag hatte das Gesundheitsministerium von Thüringen (rund 2,1 Millionen Einwohner) bekannt gegeben, wegen Lieferengpässen und Prüfproblemen beim Hersteller vorerst keine Impftermine mehr mit Astrazeneca zu vergeben.

Wie der MDR berichtet, wurde stattdessen das Modellprojekt von Impfungen bei Hausärzten verschoben, dasselbe gilt demnach für die Eröffnung von zwei neuen Impfzentren in Nord- und Südthüringen. Die Aussichten bleiben durchwachsen: „Frühestens Ende März werde Astrazeneca wieder mehr liefern können, so das Bundesgesundheitsministerium heute“, erklärt ein Tagesschau-Reporter in dem Bericht: „Angesichts der Probleme in Sachsen und Thüringen scheint es zur Zeit fraglich, ob das Versprechen der Kanzlerin, jedem bis September ein Impfangebot zu machen, noch zu halten ist.“ Der Druck auf Merkel wächst. (pm)

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